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Flexible Arbeitszeiten helfen am Arbeitsmarkt 

Österreich mit Aufholbedarf im EU-Vergleich, Standort braucht moderne und kluge Rahmenbedingungen

Flexible Arbeitszeiten helfen am Arbeitsmarkt
© wkö

Mit einem Minus von 29.277 arbeitslosen Personen im Vorjahresvergleich sinkt die Arbeitslosigkeit Ende Juni erneut. Die Beschäftigung erreicht mit einem Plus von 90.000 einen Rekordwert und beweist einmal mehr die herausragende Leistung der Betriebe. 

Dennoch: Der österreichische Arbeitsmarkt leidet an strukturellen Problemen. Österreich liegt im EU-weiten Arbeitsmarktranking nur am 8. Platz hinter etwa Tschechien, Deutschland, Ungarn, Polen und damit hinter jenen Ländern, aus denen Österreich zuletzt seine fehlenden Arbeitskräfte rekrutieren konnte. „Unsere Nachbarländer brauchen ihre Arbeitskräfte immer dringender selbst. Der Fachkräftemangel, derzeit bereits die Sorge Nummer 1 unter den österreichischen Unternehmen, wird sich künftig noch verstärken“, so Martin Gleitsmann, Arbeitsmarktexperte der WKÖ. „Es braucht endlich eine umfassende Fachkräfteoffensive mit modernen Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Österreich. Dazu gehört eine Senkung der Lohnnebenkosten ebenso wie eine Flexibilisierung der Arbeitszeit und Rahmenbedingungen für eine höhere Mobilität am österreichischen Arbeitsmarkt.“

Flexible Arbeitszeiten unterstützen überregionale Mobilität

Eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten hat positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, wie zuletzt AMS, IHS und WIFO betonten: Zunächst stärken flexible Arbeitszeiten die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und damit die Beschäftigung. Sie helfen bei Auftragsspitzen, die bei guter Konjunktur häufiger sind. Es ist besser, Auftragsschwankungen durch flexible Arbeitszeit zu begegnen als durch kurzfristigen Personalauf- und -abbau wie in anderen Ländern. Nicht zuletzt erleichtert eine Flexibilisierung auch die Mobilität von Menschen.

Angesichts der großen regionalen Unterschiede zwischen Wien mit seiner hohen Arbeitslosenrate und den westlichen Bundesländern, die dringend nach Fachkräften suchen, ist die regionale Mobilität ein Schlüsselfaktor. „Flexiblere Arbeitszeiten können hier helfen, weil sie die Viertagewoche und längere Freizeitblöcke erleichtern und so Anfahrtswege sparen “, so Martin Gleitsmann. Erst kürzlich hat WIFO-Chef Christoph Badelt darauf hingewiesen, dass der Wirtschaftsstandort Österreich die Flexibilisierung der Arbeitszeiten dringend braucht und kluge Reformen letztlich beiden Seiten, den Arbeitgebern und deren Mitarbeiter, nützen können.

Statt einer Lehrstellenlücke gibt es mittlerweile einen Lehrstellenüberhang. Der regionale und berufliche Missmatch ist am Lehrstellenmarkt besonders stark ausgeprägt. Die WKÖ hat als ersten Schritt vor mehr als 2 Jahren gemeinsam mit dem AMS Wien das Projekt b.mobile gestartet, um über 18-jährige Lehrstellensuchende, insbesondere aus dem Kreis der Asylberechtigten, für eine Lehrstelle im Westen zu begeistern. „Es wäre fatal, wenn die Betriebe ihre offenen Lehrstellen nicht besetzen könnten. In den nächsten Jahren würden gut ausgebildete Fachkräftet der Wirtschaft fehlen“, Martin Gleitsmann fordert daher den Ausbau der überregionalen Lehrstellenvermittlung, etwa durch den Ausbau überregionaler Jobbörsen für Lehrlinge.

Arbeitsaufnahme bei Älteren steigend

Neuerlich sehr positiv ist die Entwicklung bei den arbeitslosen Personen 50+. Seit Jahresbeginn haben 73.295 arbeitslose Personen 50+ wieder eine Beschäftigung aufgenommen. „Diese überdurchschnittliche Entwicklung ist sehr erfreulich und zeigt, dass sich der in den letzten Jahren forcierte Einsatz der Eingliederungsbeihilfe in diesem Alterssegment mehr als gelohnt hat,“ resümiert Martin Gleitsmann. (PWK496/DFS)

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