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Erholung steckt fest: WKÖ-Handwerk und Gewerbe sieht "Feuer am Dach"

Obfrau Renate Scheichelbauer-Schuster warnt vor dauerhafter Umsatzkrise: Falls sich die Konjunktur nicht beschleunigt, fehlen in der Sparte 11 Milliarden Euro Jahresumsatz

Renate Scheichelbauer-Schuster,  Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk
© WKÖ/BSGH

"Es ist Feuer am Dach. Das Schlimmste mag hinter uns sein, aber die Erholung ist nach dem Corona-Lockdown frühzeitig zum Erliegen gekommen", warnt Renate Scheichelbauer-Schuster, Bundesobfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): "Von wirtschaftlicher Normalität sind wir weit entfernt."

Zwar war die Talsohle mit dem dramatischen Umsatzeinbruch von -31 Prozent im April durchschritten. Allerdings zeigen die jüngsten Daten für das Gewerbe und Handwerk, welche Christina Enichlmair von KMU Forschung Austria am Dienstag präsentierte, für Juli und August 2020 noch jeweils ein Minus von 7 Prozent gegenüber den Vorjahresumsätzen.

Das heißt: Den Gewerbe- und Handwerksbetrieben fehlen Monat für Monat zusätzliche 600 bis 700 Mio. Euro Umsatz.

Konjunktur-Impulse nötig

 Wenn der Konjunkturmotor jetzt nicht anspringt, wird die Sparte am Jahresende fast 11 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahres-Umsatz eingebüßt haben, so Scheichelbauer-Schuster. Und dabei ist eine mögliche zweite Coronawelle noch gar nicht einkalkuliert.

Einzelne Branchen und Unternehmen sind zudem weit überdurchschnittlich betroffen: Noch im August 2020 wiesen mehr als 33.000 Gewerbe- und Handwerksbetriebe ein Umsatzminus von 25 Prozent und mehr aus.

Die Unsicherheit dämpft die Investitionsbereitschaft. Zuletzt planten nur noch 23 Prozent der Unternehmen, Investitionen vorzunehmen. Vor der Covid-19-Krise waren es 49 Prozent.

Fazit der Sparten-Obfrau: "Wir benötigen jetzt Konjunkturimpulse speziell für das Gewerbe und Handwerk: Das sind der Handwerkerbonus, der Reparaturbonus und ein rascher Start der angekündigten Investitionspakete im Sinne der Nachhaltigkeit. Nur mit der Belebung der öffentlichen - aber vor allem auch der privaten – Nachfrage können wir diese drastische Umsatzlücke 2020 reduzieren."

Lehrlingsausbildung stabil 

Angesichts der schwierigen Umstände ist es umso bemerkenswerter, wie gewissenhaft die Gewerbe- und Handwerksbetriebe ihre Ausbildungstätigkeit ausüben. Ende August 2020 waren in der österreichischen Wirtschaft insgesamt 92.300 Lehrlinge in Ausbildung, ein Plus von 0,6 Prozent gegenüber 2019. Knapp die Hälfte, mehr als 44.200 Lehrlinge, lernt im Gewerbe und Handwerk.  

"Ich bin stolz darauf, dass überdurchschnittlich viele Betriebe auch in der Corona-Zeit Lehrlinge aufgenommen haben. Auf das Handwerk und Gewerbe ist eben Verlass", freut sich Scheichelbauer-Schuster. Fakt ist: Warnungen von Anfang Mai, dass wegen des Corona-Lockdowns bis zu 10.000 Lehrstellen fehlen könnten, haben sich nicht bewahrheitet.  

Der Meistertitel wirkt

Der Lehrabschluss erwies sich in der Corona-Pandemie als besonders krisensichere Ausbildung. Und zudem hat der beruflich-praktische Ausbildungsweg jüngst eine spürbare Imageaufwertung erfahren. Seit 21. August 2020 dürfen Handwerksmeisterinnen und -meister bekanntlich ihren Titel offiziell führen und in Dokumente eintragen lassen.

Dass der Meistertitel dadurch noch attraktiver geworden ist, belegen aktuelle Zahlen aus der Steiermark. Dort gibt es nun deutlich mehr Anmeldungen für Vorbereitungskurse zur Meisterprüfung 2021. In einigen Berufsgruppen gibt es fast eine Verdoppelung gegenüber dem heurigen Jahr.

"Es ist bemerkenswert, wie rasch die Aufwertung des Meisters in der Gesellschaft angekommen ist. Ein schöner Erfolg, durch den wir uns in unserer Initiative bestätigt sehen. Und ein gutes Signal für Österreich: Wir brauchen mehr Meister, um den Wirtschaftsstandort in den Regionen zu stärken", sagt Scheichelbauer-Schuster.

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