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80 Millionen Euro für Photovoltaik: Ein Land rüstet um

Starke Impulse für Österreichs Elektrobranche, aber auch für die Energiewende erwartet sich Bundesinnungsmeister Andreas Wirth durch das Eine-Million-Dächer-Programm der Bundesregierung. Doch bis das millionste Dach umgerüstet ist, müssten noch einige Hürden bewältigt werden. 

Andreas Wirth
© WKÖ

Fährt man übers Land, so sieht man immer häufiger Solarpanele auf schmucken Einfamilienhäusern. In den kommenden zwei Jahren könnte sich der Anteil der Photovoltaik-Anlagen für die betriebliche und private Stromversorgung noch einmal deutlich erhöhen. 80 Millionen Euro stellt die Bundesregierung für ihr Eine-Million-Dächer-Programm bereit, um erneuerbaren Energien 2021/2022 einen kräftigen Push zu geben.  

Der Bundesinnungsmeister für Elektro-, Alarm-, Gebäude- und Kommunikationstechnik, Andreas Wirth, begrüßt das ambitionierte Programm der Bundesregierung und weist im Interview gleichzeitig auf die Herausforderungen hin. Um ein derartiges Projekt zu stemmen, braucht es kundige Mitarbeiter genauso wie ein starkes, ausgebautes Stromnetz. Wesentlich für den Erfolg des Programms sei auch, wie unkompliziert der Behördenweg gestaltet werde.  

Für die Endverbraucher sei die Investition in eine Photovoltaik-Anlage jedoch in jedem Fall unkompliziert: Der Elektrotechniker des Vertrauens sei der Ansprechpartner erster Wahl, der sich um alles kümmere, Förderungsanträge und Behördenbewilligungen inklusive. Auch finanziell sei eine Photovoltaik-Anlage lohnend: Schon nach zehn Jahren amortisiere sich die Anlage und versorge das Gebäude dann noch mindestens 15 weitere Jahre mit kostenlosem Strom. Im besten Fall werfe eine solche Anlage sogar zusätzliche Profite für die Einzelnen ab. 

Eine Photovoltaik-Anlage ist ein sehr nachhaltiges Investment. Im Schnitt hat sich eine Anlage nach zehn Jahren amortisiert, etwa 25 Jahre hält sie.
Andreas Wirth


Photovoltaik
© WKÖ

Noch voriges Jahr war von einem 100.000-Dächer-Programm die Rede. Nun sollen es innerhalb von zwei Jahren, bis Ende 2022, zehn Mal so viele Dächer sein, die mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet sind. Ist das realistisch zu schaffen?

Andreas Wirth: Grundsätzlich ist das Programm für unsere Branche positiv. Es ist ein ambitioniertes Projekt und eine große Herausforderung. Wir müssen uns fragen: Haben wir die Kapazitäten, schaffen das die Stromnetze und wie kompliziert wird der Behördenweg? Im Bereich Elektrotechnik sind wir intensiv dabei, uns mit mehreren Initiativen darauf vorzubereiten. Grundsätzlich ist das Thema bei uns richtig angesiedelt: Wir Elektrotechniker montieren die Photovoltaik-Anlagen, schauen, dass der Hausanschluss passt und bauen die Stromnetze aus. Wir sind die Branche, die vom Dach bis zum Übergabepunkt im Netz – und darüber hinaus – alles machen kann. Unser Berufsbild erkennt sich da wieder.

Was bedeutet das Eine-Million-Dächer-Programm für die österreichische Wertschöpfung? Experten schätzen, dass das Programm ein Vierfaches an Investitionen bringt.

Andreas Wirth: Das Programm hat starke Effekte und bringt Wertschöpfung für die Industrie, den Handel und natürlich die Elektrotechnik-Branche. Wir haben uns seitens der Innung immer für Förderungen eingesetzt. Wir stehen direkt vor der Energiewende. Strom wird gleichzeitig immer wichtiger. Wir wollen mit E-Autos fahren, die fortschreitende Digitalisierung braucht Strom. Hier braucht es nachhaltige Lösungen für unsere Kindeskinder. Daher ist Photovoltaik von der Elektroinnung seit eh und je gepusht worden. Wir haben Lobbyarbeit gemacht und werden sie künftig noch verstärkt machen – nach außen und nach innen.  

Auch die Zulieferindustrie wird von dem Plan der Bundesregierung profitieren. Die Frage ist aber, ob alle nötigen Komponenten in ausreichendem Maß lieferbar sind.

Andreas Wirth: Ich bin zuversichtlich, dass das gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Wertschöpfungskette funktioniert, dass wir alle Produkte bekommen. Die Industrie wird die entsprechenden Komponenten produzieren, der Großhandel wird für Importe sorgen, wenn es nötig ist. Die Resonanz ist so, dass die Module und Wechselrichter in ausreichender Zahl verfügbar sind. Das sind die wesentlichen Komponenten, die man für eine Photovoltaik-Anlage braucht, alle anderen Teile sind gar kein Problem.  

Weil Sie vorhin die Kapazitäten angesprochen haben: Haben schon alle 7.700 österreichischen Elektrotechnik-Betriebe ausreichende Kompetenz in Sachen Photovoltaik?

Andreas Wirth: Noch sind nicht alle Betriebe fit für Photovoltaik. Da besteht noch Spielraum. In unserer Branche gibt es Spezialisten genauso wie Betriebe, die einen Mix anbieten, und Betriebe, die für erneuerbare Energien erst sensibilisiert werden müssen. Dafür arbeiten wir gerade eine Initiative aus, das „Future Lab“, das Betrieben das nötige Know-how vermitteln soll. Die Unternehmen sollen sehen, dass sie Vorteile haben, wenn sie in erneuerbare Energien einsteigen. Grundsätzlich glaube ich, je breiter ein Betrieb aufgestellt ist, umso weniger Sorgen muss er um seine Existenz haben. Und Photovoltaik gehört heute einfach dazu. Kann man das nicht leisten, muss man einen anderen Betrieb dazu nehmen oder kann den Auftrag nicht annehmen.  

Wie sieht es mit den Fachkräften aus? Ausreichend viele Fachleute auszubilden, wird sich im Programmzeitraum ja nur schwer ausgehen, oder?

Andreas Wirth: Ja, wir wollen mehr Lehrlinge für die Elektrotechnik gewinnen. Auch dazu haben wir eine Initiative. Wir wollen den Beruf wieder attraktiver machen. Aber die Lehre dauert dreieinhalb Jahre, danach kommt das Bundesheer oder der Zivildienst. Das heißt: Bis ein Lehrling als Fachkraft verfügbar ist, dauert es etwa fünf Jahre. Daher brauchen wir dringend Quereinsteiger.  

Quereinsteiger als Rezept gegen den Fachkräftemangel? Wie sieht das konkret aus?

Andreas Wirth: Wir müssen mehr Mitarbeiter in die Branche bringen, damit wir die eine Million Dächer auch zusammenbringen. Genau hier setzt eine unserer Initiativen an. Wir haben Umschulungen für Quereinsteiger entwickelt. Nach einem dreimonatigen Lehrgang kann ein ehemaliger Kellner, ein Mechaniker oder auch eine Hilfskraft festgelegte Tätigkeiten ausführen, um die Fachkräfte zu entlasten. Sie können zum Beispiel beim Montieren der Photovoltaik-Anlage helfen. Sie an Netz anschließen dürfen sie aber nicht. Damit können wir auch Arbeitslose wieder in die Arbeit ziehen.  

Photovoltaik: Für wen und zu welchem Preis

Ist eine Photovoltaik-Anlage für jedes Haus geeignet?

Andreas Wirth: Im Eigenheim ist eine Photovoltaik-Anlage sehr einfach umzusetzen, allein schon, weil man selbst die Entscheidung treffen kann. Auch in Mietshäusern ist es möglich, aber der Hauseigentümer muss es wollen, und man muss dann die Anlage gemeinschaftlich errichten. Etwa 90 Prozent aller Dächer eignen sich für Photovoltaik-Anlagen, am besten geeignet sind Flachdächer. 

Was kostet eine Solaranlage für ein Eigenheim, wie hoch ist die Förderung und wie viel muss man daher selbst in die Hand nehmen?

Andreas Wirth: Es gibt mehrere Förderungen, auch von den Ländern. Vom Bund gibt es zwei Förderungen. Für Kleinanlagen mit bis zu 5 kWp gibt es die Förderung des Klima- und Energiefonds, der bei freistehenden Anlagen oder bei solchen auf dem Dach bis zu 1.250 Euro zuschießt. Eine solche Anlage kostet derzeit rund 8.000 Euro. Für Großanlagen gibt es die Förderung der OeMAG, der Abwicklungsstelle für Ökostrom.  

Das heißt, als Verbraucher muss man 6.750 Euro in die Hand nehmen. Rechnet sich das?

Andreas Wirth: Eine Photovoltaik-Anlage ist ein sehr nachhaltiges Investment. Im Schnitt hat sich eine Anlage nach zehn Jahren amortisiert, etwa 25 Jahre hält sie. Mit der Anlage bekommt man einen Smart Meter, einen digitalen Zähler, der Einkauf und Verkauf misst. Der Strom, den die Anlage produziert, wird für die Stromversorgung des Hauses verwendet. Wird mehr Strom produziert, wird er ins Netz geliefert und abgegolten. Produziert die Anlage zu wenig, wird Strom zugeliefert. So kann man – je nach Stromverbrauch – auch Gutschriften bekommen. Die mögliche Effizienz der Anlage hängt auch vom Dach und seiner Ausrichtung und vom Zustand der Elektrik ab.  

Reicht der produzierte Strom für eine Durchschnittsfamilie aus?

Andreas Wirth: Das hängt sehr davon ab, wie viel man verbraucht. Die Frage ist, wie viele Leute in dem Haus wohnen und welchen Lebensstil sie haben. Danach muss man konzipieren. Wenn es das Dach hergibt, empfehlen wir größere Anlagen als 5 kWp, damit man einen Puffer hat.  

Wenn ich mich als Konsument für eine Photovoltaik-Anlage interessiere, was tue ich am besten?

Andreas Wirth: Der einfachste Weg ist, den Elektrotechniker Ihres Vertrauens anzurufen. Der weiß darüber Bescheid, wie man zu Förderungen kommt und kann auch alles abwickeln – von der Gemeindebewilligung bis zu Netzverträgen. Betriebe, die noch keine Photovoltaik-Spezialisten haben, kontaktieren entweder einen Partnerbetrieb oder empfehlen jemanden. In meinem Betrieb melden sich immer wieder Kunden, die von anderen Betrieben geschickt wurden.  

Und wie lange habe ich die Handwerker im Haus?

Andreas Wirth: Ab dem Zeitpunkt, wo der Elektrotechniker im Haus war, die Anlage konzipieren und anbieten konnte und der Auftrag erteilt wurde, dauert es etwa drei Wochen, bis man mit seiner eigenen Photovoltaik-Anlage ans Netz geht. Das hängt auch ein wenig vom Netzanbieter ab. Die Handwerker hat man aber nur zwei Tage im Haus. 

Bundesinnungsmeister Andreas Wirth

Andreas Wirth hat sich 2008 mit seinem Betrieb „Elektro Wirth“ in Steinbrunn im Burgenland als Elektrotechniker selbständig gemacht und führt heute 60 Mitarbeiter. Seit 2013 ist Wirth burgenländischer Landungsinnungsmeister, seit 2019 Bundesinnungsmeister für Elektro-, Alarm-, Gebäude- und Kommunikationstechnik.


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