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SPIK - SozialPolitik Informativ & Kurz

Newsletter Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit 5.4.2019

Inhaltsübersicht:

  • Arbeitskräftepotenzial wächst noch bis 2022
  • Das Unikum Notstandshilfe
  • Die Arbeitszeit stagniert - keine Auswirkung von Konjunktur und Arbeitszeitflexibilisierung
  • Message-Confusion beim Pensionsalter?



Arbeitskräftepotenzial wächst noch bis 2022 

Mag. Maria Kaun

Seit 2008 hat das österreichische Arbeitskräftepotenzial um 453.000 Personen (+13,4 Prozent) auf 4,1 Mio. Menschen zugenommen. Das Arbeitskräftepotenzial sind jene Personen, die aktiv auf dem Arbeitsmarkt auftreten, konkret Arbeitnehmer und beim AMS vorgemerkte Arbeitslose. Dieses Wachstum beruht auf drei Entwicklungen: Ein längerer Verbleib der 50+ im Erwerbsleben, eine weiter steigende Frauenbeschäftigung und Zuwanderung vor allem aus den EU-Mitgliedstaaten.

Am stärksten wuchs die Zahl der ausländischen Staatsbürger mit plus 370.000 Personen (+ 78 Prozent). Von diesem Zuwachs entfielen 36 Prozent auf die neuen EU-Staaten, 18 Prozent aus Nicht-EU-Ländern. Die größten Gruppen waren hier Syrer (+13.000), Afghanen und Russen.  

Rückgang bei den Jungen, massiver Anstieg bei den Ältere 

Aufgrund des Geburtenrückgangs Ende der 90er Jahre und der längeren Ausbildung junger Menschen ging das Arbeitskräftepotenzial bei den unter 25-Jährigen um 59.500 Personen (- 11 Prozent) zurück. Bei Personen im Haupterwerbsalter kam es zu einem leichten Plus (+ 53.100, bzw.+ 2 Prozent). Massiv stieg die Zahl der Erwerbspersonen über 50 Jahre (+ 459.100, bzw. + 69 Prozent). 

Nach Ausbildungsniveau kam es innerhalb des Arbeitskräftepotenzials zu einem Rückgang von Personen mit niedrigen Bildungsabschlüssen, und einer Zunahme von Personen mit höheren und Fach-/Hochschulabschlüssen. Der Anteil der Personen mit Pflichtschulabschluss ging von 17 % auf 14 % zurück, der Anteil der Personen mit tertiären Abschlüssen (Uni, Fachhochschule) stieg von 13 % auf 18 %. 

Wachstum noch bis 2022, dann? 

Die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen wird sich in den Jahren 2018 bis 2022 weiter erhöhen. Die Betriebe werden bis 2022 die Zahl ihrer Arbeitsplätze per Saldo um 224.100 ausweiten, davon sind zwei Drittel Vollzeitjobs. Für die Unternehmen wird es zu weiteren Engpässen kommen. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt bis 2022 um 15.800 Personen.  

Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpft demnächst

Verringerung der demografischen Basis ab 2020
© Synthesis Forschung GmbH

Ab 2021 wird die Bevölkerung im Erwerbsalter (15 bis 60/65) trotz Zuwanderung nicht mehr wachsen. Unter folgenden Voraussetzungen könnte das Arbeitskräftepotenzial dennoch steigen:

  • steigende Frauenerwerbsbeteiligung
  • steigendes faktisches Pensionsantrittsalter
  • grenzüberschreitende Arbeitsmigration; diese wird allerdings zurückgehen, da die meisten neuen EU-Staaten eine niedrige Arbeitslosigkeit und einen Fachkräftemangel verzeichnen
  • Arbeitsmarktzugang von Schutzberechtigten, deren Asylverfahren positiv abgeschlossen wurden
  • (langfristig) steigende Geburtenraten 

Downloads:

AMS Spezialthema Arbeitsmarkt Februar 2019
https://www.ams.at/content/dam/download/arbeitsmarktdaten/%C3%B6sterreich/berichte-auswertungen/001_spezialthema_0219.pdf 

Synthesis Mittelfristprognose 2018 bis 2022

http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/AMS_Mittelfristige_Prognose2018-2022.pdf



Das Unikum Notstandshilfe

Mag. Gabriele Straßegger

Trotz guter Konjunktur und entgegen dem EU-weiten Trend, hat sich in Österreich die Langzeitbeschäftigungslosigkeit in den letzten Jahren verschärft. Vor diesem Hintergrund hat die KMU Forschung Austria im Auftrag des AMS die passiven Unterstützungsleistungen für Langzeitarbeitslose in ausgewählten Ländern mit Ö verglichen. Ergebnis der Studie: Die ö Notstandshilfe ist ein Unikum, weil sie de facto unbegrenzt zusteht und nur unwesentlich niedriger als das Arbeitslosengeld ist.

Entwicklung Langszeitarbeitslosigkeit
© KMU Forschung Austria

Die KMU Forschung untersuchte die passiven Leistungen in den Ländern Dänemark, Deutschland, Finnland, Irland und der Schweiz und verglich diese mit Ö:  

  • Dänemark ist EU-weit Vorbild für sein „Flexicurity-System“ und hat in mehreren Reformschritten in den letzten Jahren die maximale Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes von sieben auf aktuell zwei Jahre verkürzt. Danach können Langzeitbeschäftigungslose die bedarfsgeprüfte Sozialhilfe erhalten. Gewährt wird ein Arbeitslosengeld mit einer Nettoersatzrate zwischen 50% und 90%, wobei die Arbeitslosenversicherung in Dänemark freiwillig ist und allein aus Beiträgen der Arbeitnehmer finanziert wird. 
  • Deutschland führte unter einer rotgrünen Regierung 2005 die frühere Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zur neuen Grundsicherung (ALG II) zusammen. Seitdem hat sich die Arbeitslosigkeit in Deutschland halbiert (von 7,9% auf 3,8%). Der Anteil der Langzeitarbeitslosen, anfangs deutlich höher als im EU-Raum, ging kontinuierlich zurück. 

  • Finnland gewährt Arbeitslosen nur dann ein einkommensabhängiges Arbeitslosengeld, wenn sie freiwillig einer Arbeitslosenkasse beigetreten sind. Alle anderen erhalten für 60 bis 80 Wochen (Ältere für 100 Wochen) ein fixes Grundarbeitslosengeld von 697 Euro. Nach der Frist wird das Grundarbeitslosengeld weitergezahlt, allerdings bedarfsgeprüft, das heißt abhängig vom Einkommen der Haushaltsmitglieder. Finnland befindet sich in einem umfassenden Arbeitsmarktreformprozess, im Zuge dessen Arbeitslose stärker aktiviert und negative Arbeitsanreize beseitigt werden sollen.  
  • In Irland stieg die Langzeitbeschäftigungslosigkeit nach der Wirtschaftskrise stark an. Nun geht man radikal vom passiven zum aktiven Sozialstaat über. Damit einher ging ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit. Arbeitslose erhalten in Irland bis zu 9 Monate ein einkommensabhängiges Arbeitslosengeld, danach eine bedarfsgeprüfte Sozialleistung. Daneben existieren „aktivierende“ Transfers, wie etwa die „Back to Work Enterprise Allowance“, die (Langzeit-)Beschäftigungslosen die Selbständigkeit und parallel dazu 2 Jahre lang Sozialleistungen ermöglicht.  
  • In der Schweiz wird Arbeitslosengeld maximal 2 Jahre lang bezogen. Besonderheiten sind zum einen die dezentrale Verwaltung in den 26 Kantonen und zum anderen das Instrument des Zwischenverdiensts, der Arbeitslosen bei Aufnahme einer niedriger entlohnten Beschäftigung gebührt.

    Hintergrund für die dezentrale Verwaltung ist die sehr heterogene Wirtschafts- und Branchenstruktur. Der Zwischenverdienst soll in den Arbeitsmarkt integrieren, indem er die Differenz zwischen Lohn und Arbeitslosengeld ersetzt und gleichzeitig den Erwerb von neuen Arbeitslosengeldansprüchen ermöglicht. Damit bleiben die Personen im Arbeitsprozess, werden aber weiter bei der Arbeitssuche unterstützt. 
  • Ö fällt mit einem relativ kurzen Maximalbezug des Arbeitslosengeldes (zwischen 20 und 52 Wochen, abhängig von Beitragszeiten und Alter) auf. Läuft das Arbeitslosengeld aus, erhalten Langzeitarbeitslose allerdings die Notstandshilfe. Diese gebührt faktisch zeitlich unbegrenzt in der Höhe von 92% bis 95% des Arbeitslosengeldes und aus Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgeber finanziert. Nach fünf Jahren liegt Ö damit an der Spitze.  
Bezugsdauer Arbeitslosengeld
© KMU Forschung Austria

Schlussfolgerungen der Studie 

In allen untersuchten Ländern, die das Arbeitslosengeld als Versicherungsleistung konzipiert haben, hängen dessen Höhe und Dauer vor der vorhergehenden Beitragszahlung ab. Nach dem Bezug von Arbeitslosengeld folgen andere Unterstützungssysteme (Grundsicherung in Deutschland, Notstandshilfe in Ö) oder Sozialhilfeleistungen. Die ö Notstandshilfe ist ein Unikat, da sie zeitlich unbegrenzt von der Versichertengemeinschaft finanziert wird und nicht wie in den anderen Ländern steuerfinanziert ist.  

Studie unter:

http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/2018_ams_Unterstuetzungsleistungen_LZBL_kmu.pdf



Die Arbeitszeit stagniert - keine Auswirkung von Konjunktur und Arbeitszeitflexibilisierung

Mag. Dr. Rolf Gleißner

Nach der Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria stagniert die durchschnittliche Arbeitszeit in Österreich. Wie 2017 arbeiteten die Arbeitnehmer 2018 im Schnitt 35,7 Stunden pro Woche. Im vierten Quartal 2018, in dem das neue Arbeitszeitgesetz erstmals voll wirksam wurde, war die Arbeitszeit mit 35,7 Stunden exakt im Schnitt der Quartale zuvor und sogar kürzer als im dritten Quartal, in dem 35,9 Stunden gearbeitet wurden.

Die Anzahl der Mehr- und Überstunden stieg von 249,6 Mio im Jahr 2017 auf 255,4 Mio im Jahr 2018. Gleichzeitig stieg aber auch die Zahl der Beschäftigten von 3,73 auf 3,80 Mio, sodass die Zahl der Überstunden pro Kopf praktisch gleich blieb und das trotz guter Konjunktur. Im Jahr 2007 etwa wurden noch 367,5 Millionen Mehr- und Überstunden geleistet, also fast eine Überstunde pro Woche und Arbeitnehmer mehr als heute. 

Arbeitszeit rückläufig
© WKÖ

Somit hat sich die gute Konjunktur vor allem in einem Anstieg der Arbeitsplätze und nicht in einer Verlängerung der Arbeitszeit ausgewirkt. Auch die Arbeitszeitgesetznovelle, die am 1. September 2018 in Kraft trat, hatte keinen Effekt auf die faktische Arbeitszeit der heimischen Mitarbeiter, wie das die Kritiker der Novelle prophezeiten.

Dem entspricht eine Umfrage von Market vom Oktober 2018, in der nur 4 Prozent der befragten Arbeitnehmer angaben, die Arbeitszeit hätte sich seit dem neuen Arbeitszeitgesetz geändert. Gar nur 2,2 Prozent antworteten, die Arbeitszeit hätte sich verlängert.

Zu diesem „gelassenen“ Befund passt eine Meldung des Sozialministeriums, wonach bis 1. Feber 2019 - also in fünf Monaten - insgesamt nur vier Beschwerden beim Arbeitsinspektorat und der Ombudsstelle des Ministeriums eingelangt waren.

Vollzeitanteil steigt nach langem wieder

Gleichzeitig mit den Zahlen zur Arbeitszeit veröffentlichte die Statistik Austria auch Zahlen zum Arbeitsmarkt. Demnach stieg die Zahl der Beschäftigten 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 67.400. Der Anstieg entfiel fast zur Gänze auf Vollzeit (+65.500), nach einem rasanten Anstieg stagnierte die Zahl der Teilzeitbeschäftigten erstmals. Der Teilzeitanteil sank damit von 29,1 Prozent im Jahr 2017 auf 28,6 Prozent im Jahr 2018.

Link zur Arbeitskräfteerhebung

https://www.statistik.at/wcm/idc/idcplg?IdcService=GET_PDF_FILE&RevisionSelectionMethod=LatestReleased&dDocName=120523



Message-Confusion beim Pensionsalter?

Das Pensionsantrittsalter steigt, jubelte kürzlich die Pensionsversicherungsanstalt. Prof. Bernd Marin kritisiert im Standard diese Aussage und mahnt Strukturreformen bei Pensionen, Gesundheit und Pflege ein.  

https://derstandard.at/2000100610234/Message-Confusion-beim-Pensionsalter




IMPRESSUM:
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Redaktion: Mag. Dr. Rolf Gleißner

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