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SPIK - SozialPolitik Informativ & Kurz

Newsletter Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit 4.12.2017

Inhaltsübersicht:

  • Gesetzliche Änderungen ab 1.1.2018
  • Der europäische Arbeitsmarkt hellt sich auf – atypische Formen rückläufig
  • Ein Blick auf den österreichischen Lehrstellenmarkt
  • Eulen nach Athen: Europas soziale Dimension
  • Gerechtigkeit steuern – mehr Fairness, weniger Ideologie


Gesetzliche Änderungen ab 1.1.2018

Alle Jahre wieder listen wir die gesetzlichen Änderungen auf, die sich mit 1.1.2018 oder 1.7.2018 ergeben. Bekanntlich wurden drei Tage vor der Nationalratswahl noch besonders viele Neuerungen beschlossen.

Die Änderungen im Detail



Der europäische Arbeitsmarkt hellt sich auf – atypische Formen rückläufig

Mag. Dr. Rolf Gleißner
© WKÖ

Dr. Rolf Gleißner

Zwischen Oktober 2016 und Oktober 2017 ist die Arbeitslosenquote in der EU 8,3 auf 7,4% zurückgegangen. Der größte Beschäftigungsanstieg ging auf das Konto der Vollzeitbeschäftigung.  Andere Beschäftigungsformen stagnieren oder sind sogar rückläufig.  

Seit 2013 sinkt die Arbeitslosenquote in der EU stetig, allerdings sind die guten Werte vor der Krise 2008/09 noch nicht erreicht. Dazu kommt die häufige Kritik, dass vor allem atypische, ja prekäre Beschäftigung entsteht und Vollzeitjobs rückläufig sind.  

Nur die Teilzeit nimmt in der EU zu 

Diese Kritik ist nicht nur für Österreich, sondern auch für die EU falsch: Die Studie „Precarious Employment in Europe“ des Eur. Parlaments aus 2016 hat die Entwicklungen analysiert: 2014 waren 59% aller Beschäftigten in der EU unbefristet in Vollzeit beschäftigt, 11% Freelancer (also ~ freie Dienstnehmer), 9% geringfügig beschäftigt, 7% in Teilzeit unbefristet, 7% befristet, 4% Selbständige (self-employed), 2% sind Lehrlinge/Praktikanten, 1% Zeitarbeiter. 

Die Überraschung: Nur die geringfügige und die Teilzeitbeschäftigung nimmt anteilsmäßig zu, alle anderen atypischen Formen stagnieren oder sind rückläufig! Das bestätigt auch die Eurofound-Studie „Non-standard forms of employment: Recent trends and future prospects“ aus 2017. 

Nach der Studie der Kommission besteht bei freiwilliger Teilzeit nur ein geringes Prekaritätsrisiko. Die folgende Grafik zeigt, wie groß der Anteil der Teilzeitbeschäftigten ist, die mehr arbeiten wollen, also unfreiwillig in Teilzeit stehen.

 Anteil der Teilzeitbeschäftigten
© Eurostat

An der Grafik zeigt sich eine gewaltige Kluft zwischen Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit wie Griechenland und Spanien und Ländern mit geringer Arbeitslosenrate wie Tschechien, Malta und Deutschland. Wo der Arbeitsmarkt gut funktioniert, also die Menschen auch die Chance auf einen Vollzeitjob haben, ist Teilzeit meist bewusst gewählt. Das gilt auch für Ö. Wo die Vollzeitjobs fehlen, wird oft unfreiwillig nur Teilzeit gearbeitet. 

Die oberen Entwicklungen zeigen sich auch in den aktuellen Zahlen: Während von 2008 bis 2015 (außer 2014) der Anteil der (unfreiwilligen) Teilzeit stieg, wurden nach dem „Gemeinsamen Beschäftigungsbericht der Kommission und des Rats“ 2016 anteilig mehr Vollzeit- als Teilzeitstellen geschaffen. Das ist sicher auch Folge des breiten Aufschwungs von Konjunktur und Arbeitsmarkt. 

Der Anteil der selbständig Erwerbstätigen ging in der EU 2016 auf 14% und damit auf den niedrigsten Wert seit 2008 zurück, was vor allem am Rückgang in der Landwirtschaft lag.  

Der Anteil befristeter Beschäftigungsverhältnisse variiert stark: In Polen, Portugal, Spanien und Kroatien ist jeder zweite Arbeitnehmer ab 20 Jahren befristet beschäftigt, in Österreich nur 5%. EU-weit stagniert der Anteil befristeter Dienstverhältnisse. 

Fazit 

Atypische Beschäftigungsformen sind nicht generell auf dem Vormarsch, nur der Anteil von Teilzeit steigt. Teilzeit ist nicht prekär, wenn sie freiwillig ist. Funktioniert der Arbeitsmarkt, ist Teilzeit überwiegend gewollt und der Anteil unfreiwilliger Teilzeit gering. 

Atypische Beschäftigungsformen sind oft auch Folge unflexibler Regelungen für das Normalarbeitsverhältnis. Bei starren Arbeitszeit- und Kündigungsregeln verschaffen andere Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Arbeitskräfteüberlassung, Befristungen oder Werkverträge die Flexibilität, die eine moderne Wirtschaft braucht.   

Daher sollten atypische Formen nicht eingeschränkt werden. Wo das Arbeitsrecht flexibel ist und der Arbeitsmarkt funktioniert, dominiert das Vollzeitverhältnis und ist auch in Zukunft nicht gefährdet.  

Quellen:

Precarious Employment in Europe, European Parliament (2016)
http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2016/587285/IPOL_STU(2016)587285_EN.pdf

Non-standard forms of employment: Recent trends and future prospects, Eurofound (2017)
https://www.eurofound.europa.eu/sites/default/files/ef_publication/field_ef_document/ef1746en.pdf 

Gemeinsamen Beschäftigungsbericht der Kommission und des Rats“ 2017

https://ec.europa.eu/info/publications/2018-european-semester-draft-joint-employment-report_de



Ein Blick auf den österreichischen Lehrstellenmarkt

Mag. Gabriele Straßegger
© WKÖ

Mag. Gabriele Straßegger

Erst kürzlich hat das AMS den österreichischen Lehrstellenmarkt in einem Spezialthema näher beleuchtet. Relativ konstant seit 20 Jahren beginnen rund 40 % (2016: 38,2 %) aller 15-Jährigen eine Lehrausbildung. Im Übrigen zeigt der AMS-Bericht auf, dass sich der Lehrstellenmarkt je nach Region und Lehrberuf höchst unterschiedlich entwickelt. Während in Wien auf eine offene Stelle für den Lehrberuf „KFZ-Technik“ mehr als 130 Bewerber kommen, melden sich in Tirol auf 100 gemeldete offenen Lehrstellen für die Lehre „Restaurantkauffrau/kaufmann“ gerade einmal 4 Lehrstellensuchende.  

Dass die Betriebe die Lehrausbildung sehr ernst nehmen, zeigt sich daran, dass sie bereits zu Beginn des Kalenderjahres mit der Suche der Lehrlinge für Herbst beginnen. Am Anfang des Kalenderjahres beobachtet das AMS dementsprechend regelmäßig die Zugangsspitze an offenen Lehrstellen, der Großteil davon antretbar zu einem späteren Zeitpunkt (oft im September). Die Mehrheit dieser Lehrstellen (57 %) werden rechtzeitig besetzt, bevor sie „verfügbar“ geworden sind.  

Umgekehrt beginnen viele Lehrstellensuchende relativ spät mit ihrer Suche nach einer Lehrstelle. Die Zugangsspitze an Lehrstellensuchenden liegt in der 2. Jahreshälfte (im September), zu einem Zeitpunkt, zu dem die Mehrheit der offenen Lehrstellen bereits besetzt ist. 

Konzentration auf wenige Lehrberufe  

Nach wie vor beschränkt sich die Suche nach einer Lehrstelle auf nur wenige Lehrberufe. Eine Lehre im Einzelhandel, Büro oder als KFZ-Techniker bleibt der Favorit.

Unter den offenen Lehrstellen führen das Ranking die Lehrberufe im Tourismus (Restaurantfachfrau/mann, Koch/Köchin) und Einzelhandel an. Leicht nachvollziehbar, dass im Einzelhandel, wo sich Angebot und Nachfrage am besten decken, die offenen Lehrstellen auch am schnellsten besetzt werden (2/3 davon bevor sie „sofort verfügbar werden“).  

Für Betriebe mit vielen offenen Stellen und Lehrberufen, die nicht zu den Top 10 der Jugendlichen gehören, gelingt das Matching deutlich schlechter. So kann etwa nur ein Drittel der Lehrberufe im Tourismus (Koch, Kellner) besetzt werden, bevor sie verfügbar sind. Der Rest bleibt (zumindest eine Zeit lang) unbesetzt. 

Die aktuellen AMS-Zahlen sind insgesamt erfreulich: Die Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr ist zuletzt um 4,2% gestiegen. Die Zahl der Lehrstellensuchenden sinkt, die Zahl der offenen Lehrstellen steigt, die Lücke hat sich in den letzten 12 Monaten rasant von 2.279 auf 892 reduziert. 

Die bundesweiten Zahlen verdecken aber massive regionale Ungleichgewichte: Während in Wien auf 6 Lehrstellensuchende eine offene Lehrstelle entfällt, ist das Verhältnis in den westlichen Bundesländern komplett anders. In Tirol, Salzburg und Oberösterreich gibt es mehr offene Lehrstellen als Lehrstellensuchende. Dieses regionale Ungleichgewicht macht sich in allen Lehrberufen bemerkbar.  

Fazit 

Die Lehrlingsausbildung ist und bleibt ein zentraler Eckpfeiler in der Fachkräfteausbildung. Eine Herausforderung bleibt das Matching zwischen Lehrstellsuchenden und offenen Lehrstellen. Die WKÖ hat in Kooperation mit dem AMS Wien im Rahmen des überregionalen Lehrstellenvermittlungsprojekts „b.mobile - Fachkräftepotenzial nützen“ einen ersten wichtigen Schritt gesetzt, um den regionalen Missmatch zu verringern. 

An einer Lehrstelle Interessierte sollten möglichst schon zu Beginn eines Kalenderjahres mit der Suche beginnen und sich umfassend über verschiedene Lehrberufe informieren. Damit dies auch gut gelingen kann, braucht es eine umfassende Berufsinformation bereits in den Schulen, die die Vielfalt an Lehrberufen aufzeigt und den Jugendlichen näherbringt, dass sich die Suche nicht auf einige wenige Lehrberufe beschränken muss. Letztlich ist das Ziel der meisten lehrstellensuchenden Jugendlichen eine „Lehrstelle in einem richtigen Betrieb“.  

Näheres: http://www.ams.at/_docs/001_spezialthema_aktuell.pdf 

 


Eulen nach Athen: Europas soziale Dimension 

Der Krise 2008/09 folgten für viele EU-Länder magere Jahre. Um die EU sozialer zu machen, beschlossen die EU-Staats- und Regierungschefs vor kurzem die "Säule sozialer Rechte". Übersehen wird, dass die EU bereits sozial und bei der Angleichung der Lebensverhältnisse erfolgreich ist, schreiben Christa Schweng und Rolf Gleißner im Standard. 

http://derstandard.at/2000068099877/Eulen-nach-Athen-Europas-soziale-Dimension 

 

Gerechtigkeit steuern – mehr Fairness, weniger Ideologie 

Clemens Wallner von der Industriellenvereinigung analysiert Mythen und Fakten rund um die Themen Gleichheit, Gerechtigkeit, Umverteilung, Steuer- und Sozialpolitik. 

https://www.iv.at/media/filer_public/72/dd/72dd7e9e-7252-4e98-84a5-c27a1d49071b/gerechtigkeit_steuern_15092017-lr.pdf



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Redaktion: Mag. Dr. Rolf Gleißner

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