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SPIK - SozialPolitik Informativ & Kurz

Newsletter Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit 3.8.2017

Inhaltsübersicht:

  • Die Ungleichheit in Deutschland sinkt seit den Hartz-Reformen
  • Deutsche Studie: Demografie dämpft Wachstum
  • Studie zeigt: Die Wertschöpfungsabgabe bremst Investitionen und Wohlstand
  • Die neue Wiedereingliederungsteilzeit 


Die Ungleichheit in Deutschland sinkt seit den Hartz-Reformen

Mag. Gabriele Straßegger

Mag. Gabriele Straßegger

Gern wird auch in Deutschland verbreitet, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer stärker aufgehe, die Ungleichheit zunehme und die Hartz-Reformen dafür mitverantwortlich wären. Das ist ein Mythos, wie ein Forschungsbericht des Münchner ifo-Instituts aus 2016 zeigt.

Demnach haben die deutschen Arbeitsmarktreformen Anfang des Jahrtausends („Hartz-Reformen“) die Beschäftigung um mehr als 10 Prozent erhöht, die Arbeitslosigkeit entscheidend reduziert und die Ungleichheit in der Bevölkerung verringert! Dem entspricht eine Umfrage unter deutschen Wirtschaftsprofessoren: Als wichtigster Hebel, um die Lage der Niedrigverdiener zu verbessern, werden Investitionen in die Bildung gesehen, am wenigsten hilft nach Meinung der Professoren eine Erhöhung des Arbeitslosengelds oder der Sozialhilfe. 

Je mehr Frauen, Ältere, Hochgebildete arbeiten, desto größer die Einkommensungleichheit

Die Analyse des deutschen ifo-Institut zeigt überraschende Faktoren, die die Einkommensverteilung beeinflussen: Unterschiedliche Erwerbsbiografien führen vor allem bei Frauen zu Lohnunterschieden. Eine höhere Erwerbsbeteiligung unter Frauen erhöht daher auch statistisch insgesamt die Lohnungleichheit. Konkret: Das Nulleinkommen einer Hausfrau geht nicht in die Statistik ein, ein geringfügiges oder Teilzeiteinkommen sehr wohl.

Ähnlich bei Älteren und Hochgebildeten: Da innerhalb dieser Gruppen die Löhne sehr unterschiedlich sind, führt der höhere Beschäftigungsanteil bei Älteren und Hochgebildeten insgesamt zu einer höheren Einkommensungleichheit. Alle drei Trends sind begrüßenswert, haben aber die Lohnungleichheit in Deutschland bis 2005 erhöht. 

Hartz-Reformen bringen Trendwende

Mit 2005, also dem Wirksamwerden der Hartz-Reformen, hat dieser Trend zur Ungleichheit gestoppt. Seit 2005 wurden 4 Mio Personen in Beschäftigung gebracht. Besonders Niedrigqualifizierte profitierten von den Arbeitsmarktreformen. Die Ungleichheit der Arbeitseinkommen ist seit 2005 deutlich gefallen. Die starke Abnahme der Arbeitslosigkeit war der wichtigste Treiber dieser positiven Entwicklung. 

Arbeitslosenquote

Die Grafik zeigt, wie der Rückgang der Arbeitslosenquote und die Verringerung der Ungleichheit, konkret des Gini-Koeffizienten (Maß der Ungleichheit, je niedriger der Wert, desto niedriger die Ungleichheit) Hand in Hand gingen.

Dabei wurden seit 2005 sehr viele eher unqualifizierte Personen in den Arbeitsmarkt integriert. Da diese Personen eher niedrige Löhne erzielen, hat diese – an sich positive - Entwicklung die Lohnungleichheit erhöht. Der Gesamttrend bleibt aber positiv. 

Haushaltsebene versus Individuum

Viele Faktoren beeinflussen die Ungleichheit: Die Ungleichheit ist in Deutschland sowohl auf Haushalts- als auch auf Individualebene zurückgegangen. Der Rückgang war auf Ebene der Haushalte schwächer, weil deren Durchschnittsgröße ständig schrumpft. D.h. die gemeinsamen Konsumausgaben und Wohnungskosten werden auf weniger Köpfe aufgeteilt, Größenvorteile gehen verloren. Die steigende Anzahl der Singlehaushalte erhöht somit die Ungleichheit (und auch die Armutsgefährdung). 

Fazit

Die Messung von Ungleichheit ist komplex und anfällig für ideologischen Missbrauch. Das deutsche ifo-Institut liefert erstmals ein umfassendes Bild über die Einkommensverteilung in Deutschland. Die Arbeitsmarktreformen zu Beginn unseres Jahrtausends verhalfen Millionen von Menschen wieder zu regulären Jobs und Arbeitseinkommen. Sie senkten auch die Ungleichheit in der Bevölkerung deutlich. Ein klassisches Beispiel dafür, dass marktwirtschaftliche Reformen sozial wirken. Österreich sollte sich daran ein Beispiel nehmen. 

Studie unter:

https://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/DocBase_Content/ZS/ZS-ifo_Schnelldienst/zs-sd-2016/zs-sd-2016-13/sd-2016-13-felbermayr-etal-einkommensungleichheit-2016-07-14.pdf.



Deutsche Studie: Demografie dämpft Wachstum

Mag. Simone Schaller

Mag. Simone Schaller

In einer aktuellen Studie analysiert das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) umfassend den Zusammenhang zwischen demografischer und wirtschaftlicher Entwicklung in Deutschland bis zum Jahr 2035 und leitet daraus umfangreiche Handlungsempfehlungen ab. 

Aufgrund hoher Zuwanderung schrumpft die Bevölkerung in Deutschland doch nicht wie erwartet, sondern nimmt bis 2035 sogar noch leicht zu. Allerdings schrumpft die Bevölkerung im erwerbstätigen Alter spürbar. Grund dafür ist, dass die starken Baby-Boomer-Jahrgänge demnächst (wie auch in Österreich) in Pension gehen und zu wenige junge Deutsche bzw. Zuwanderer nachrücken, um diese zu ersetzen. Dem Arbeitsmarkt stehen somit weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter zur Verfügung. 

Weniger Wachstum durch Mangel an Arbeitskräften 

Durch den Rückgang der Erwerbsbevölkerung geht das Potenzialwachstum in Deutschland bis 2035 von derzeit 1,75% auf nur noch 0,75% pro Jahr zurück. Die positiven Wachstumsbeiträge von Kapital und technischem Fortschritt können diesen Rückgang nur abschwächen, aber nicht wettmachen.  

Weniger Wachstum durch Mangel an Arbeitskräften

Die aktuell hohe Zahl an Zuwanderern hält die erwartete Schrumpfung der Bevölkerung zwar auf. Aber nur ihre rasche Integration in den Arbeitsmarkt verhindert, dass das Wachstum stärker zurückgeht und dass Transferleistungen steigen. Die Studie empfiehlt daher, besonders auf qualifizierte Zuwanderung aus Drittstaaten setzen. Auch die Stärkung der EU-Mobilität kann Wirtschaftswachstum fördern. 

Um den trüben Wachstumsausblick zu lichten, empfiehlt die Studie – abgesehen von Integration und qualifizierter Zuwanderung - vielfältige Maßnahmen: ein längeres Erwerbsleben und längere Arbeitszeiten, eine höhere Erwerbsbeteiligung etwa durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, höhere Produktivität durch mehr Investitionen und technischen Fortschritt.

Das IW sieht im verstärkten Einsatz digitaler Technologien kein Risiko für Beschäftigung und Arbeitsmarkt, sondern „eine dringend willkommene Chance für Deutschland, Wohlfahrtseinbußen durch Kräfteengpässe und fehlende Mitarbeiter zu vermeiden“. Übersehen wird die Bedeutung nachhaltiger Familienpolitik. 

Ausblick für Österreich

Laut Statistik Austria wächst auch die österreichische Bevölkerung nur aufgrund der hohen Zuwanderung. Das Wachstum ist aber kräftiger als in Deutschland. Der Anteil der Personen im Erwerbsalter an der Gesamtbevölkerung sinkt ebenso, aber nicht so stark wie beim Nachbarn. Wenn die Baby-Boomer-Jahrgänge in Pension gehen, wird auch in Österreich das Erwerbspotenzial zurückgehen – laut Prognose ab 2022. Die Handlungsempfehlungen lassen sich also durchaus auf Österreich übertragen. 

Studie des IW Köln unter

https://www.iwkoeln.de/studien/iw-studien/beitrag/institut-der-deutschen-wirtschaft-koeln-hrsg-perspektive-2035-wirtschaftspolitik-fuer-wachstum-und-wohlstand-in-der-alternden-gesellschaft-348207



Studie zeigt: Die Wertschöpfungsabgabe bremst Investitionen und Wohlstand

Zu dem Schluss kommt Eco Austria in einer Analyse. Dabei wurden die Auswirkungen untersucht, wenn Lohnnebenkosten, etwa der FLAF-Beitrag, gesenkt und durch eine Wertschöpfungsabgabe mit gleichem Aufkommen ersetzt werden. 

Kurzfristig sind die Folgen eines solchen Schrittes positiv: Das BIP steigt ebenso wie die Beschäftigung. Doch schon fünf Jahre nach Einführung würde das BIP verringert, langfristig würde auch die Beschäftigung zurückgehen.

Die Gründe: Kurzfristig führt die Senkung der Arbeitskosten bei gleichzeitiger Einführung einer Wertschöpfungsabgabe zu mehr Beschäftigung. Es entstehen mehr Jobs mit niedriger Qualifikation, während hochqualifizierte Arbeitsplätze wegfallen. Die Wertschöpfungsabgabe reduziert die Investitionen, was längerfristig die Produktivität senkt. Dies beeinträchtigt längerfristig das BIP.     

Wertschöpfungsabgabe wirkt langfristig auch deshalb so negativ, weil sie, wie die Studie hervorhebt, nur die Wertschöpfung im Inland belastet. Im Gegensatz zur sehr ähnlichen Mehrwertsteuer würde sie Importe nicht erfassen, Exporte aber schon, ein klarer Wettbewerbsnachteil für inländischer Betriebe.  

Analyse unter

http://ecoaustria.ac.at/images/docs/pn16/EcoAustria_PN16_Wertschoepfungsabgabe_280617.pdf



Die neue Wiedereingliederungsteilzeit

Auf Initiative der Wirtschaftskammer Österreich ist mit 1. Juli 2017 die Wiedereingliederungsteilzeit in Kraft getreten, mit dem Ziel Menschen nach längeren Krankenständen schrittweise voll ins Erwerbsleben zu reintegrieren. Dieses freiwillige Modell schafft eine win-win-win Situation: Arbeitnehmer erhalten ihre Jobs und bekommen höhere Geldleistungen als im Krankenstand, Dienstgeber sichern sich qualifizierte Mitarbeiter und zahlen nur aliquotes Entgelt und Lohnnebenkosten und das Sozialsystem investiert in die Arbeitsfähigkeit von Menschen, was die Sozialaufwendungen reduziert.

WKÖ-Folder zur Wiedereingliederungsteilzeit unter

https://news.wko.at/news/oesterreich/Publikationen-Sozialpolitik.html bzw. https://news.wko.at/news/oesterreich/folder-wietz-wiedereingliederungsteilzeit07-2017.pdf




IMPRESSUM:
Medieninhaber: Wirtschaftskammer Österreich |
Wiedner Hauptstrasse 63 | A-1045 Wien
Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit |
Leiter: Dr. Martin Gleitsmann | sp@wko.at
Redaktion: Mag. Dr. Rolf Gleißner

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