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SPIK - SozialPolitik Informativ & Kurz

Newsletter Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit 26.4.2017

Inhaltsübersicht:

  • IHS-Studie zu Digitalisierung, Automatisierung und Arbeitsmarkt: Keine Panik - Chancen nützen!
  • Aktuelle Studien zur Beschäftigung von Flüchtlingen
  • Migration: It´s the demography, stupid!
  • Erwerbsformen in Ö: Normale Dienstverhältnisse stabil, Teilzeit nimmt zu
  • 52. Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsrecht und Sozialrecht


IHS-Studie zu Digitalisierung, Automatisierung und Arbeitsmarkt: Keine Panik - Chancen nützen!

Dr. Ingomar Stupar


Das IHS präsentierte kürzlich eine Studie zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf den heimischen Arbeitsmarkt. Kernbotschaft der Studie ist, dass 9 Prozent der Beschäftigten (ca. 360.000) in Österreich Gefahr laufen, durch Maschinen und Roboter den Arbeitsplatz zu verlieren. Allerdings kommen auch neue Jobs hinzu, sodass insgesamt Entwarnung gegeben wird. 

Ob es tatsächlich dazu kommt, dass so viele Jobs verloren gehen, hängt davon ab, ob die Automatisierung auch in vollem Ausmaß durchgeführt wird bzw. ob die Kunden das akzeptieren. So bevorzugen viele Kunden noch den persönlichen Kontakt im Geschäft und nutzen etwa in Supermärkten trotz Selbstbedienungskassen lieber die Kassen mit Kassierpersonal. 

Bildung als Garant für Beschäftigung

Potenziell am stärksten von Automatisierung betroffenen sind nach der IHS-Studie Hilfsarbeitskräfte (25,1 % mit hohem Automatisierungsrisiko), Handwerker (24,8 %), Personen in Dienstleistungsberufen (19,5 %) sowie Maschinenbediener (12 %). Wer nur die Pflichtschule abgeschlossen hat, hat das höchste Risiko, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Akademiker, Führungskräfte sowie Techniker sind davon am geringsten betroffen.

Entscheidend sind aus Sicht des IHS daher Investitionen in ein Bildungssystem, das auf die Digitalisierung vorbereit, berufliche Aus- und Weiterbildung und die Bereitschaft der Unternehmen und Arbeitnehmer, die neuen Technologien auch anzunehmen. Weiters müssen auch die Rahmenbedingungen wie flexible Arbeitszeiten und Bildungskarenz gestärkt werden. 

Möglicherweise sogar mehr Jobs 

Das IHS weist explizit darauf hin, dass auch neue Berufe entstehen und möglicherweise mehr Arbeitsplätze geschaffen werden als verloren gehen. Wenn Tätigkeiten im Zuge der prognostizierten Digitalisierung automatisiert werden, wird eine Um- bzw. Neuverteilung der Erwerbsarbeit stattfinden. Die Studie befasst sich allerdings nicht im Detail mit neuen Jobs.  

Eine weitere Steuer wie z.B. die Wertschöpfungsabgabe sieht das IHS sehr kritisch. Zum einen sichert sie langfristig keine Arbeitsplätze und zum anderen würde dadurch die heimische Wirtschaft im internationalen Wettbewerb erheblich benachteiligt.  

Fazit 

Digitalisierung und Automatisierung werden sich auf den Arbeitsmarkt weit weniger dramatisch auswirken, als in manchen Medien und Studien prognostiziert. Auch ein Zuwachs an Arbeitsplätzen ist möglich. Wer die Chancen der Digitalisierung nützt, hat einen Wettbewerbsvorteil. Die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, berufliche Aus- und Weiterbildung und Rahmenbedingungen wie flexible Arbeitszeiten sichern auch in Zukunft Arbeitsplätze. Neue Steuern und Abgaben wie die Wertschöpfungsabgabe würden diese jedoch gefährden. 

IHS-Studie unter:

https://www.ihs.ac.at/fileadmin/public/2016_Files/Documents/20170412_IHS-Bericht_2017_Digitalisierung_Endbericht.pdf

 


Aktuelle Studien zur Beschäftigung von Flüchtlingen 

MMag. Margit Kreuzhuber

MMag. Margit Kreuzhuber


Eineinhalb Jahre nach dem starken Zustrom von Flüchtlingen nach Österreich, Deutschland und in andere europäische Länder gibt es nun aktuelle Studien zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

Zwischen Anfang 2015 und Mitte 2016 haben insgesamt knapp 10.000 geflüchtete Menschen ihren positiven Asylbescheid erhalten und sich beim AMS gemeldet. Davon waren Ende Dezember 2016 insgesamt 15,2% in einer Beschäftigung. Die Zahl der Arbeitnehmer aus Syrien, Afghanistan, Iran und Irak ist im Dezember 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 38,9% auf 11.549 Personen gestiegen (Quelle: Hauptverband der SV-Träger).

Eine in Oberösterreich durchgeführte Umfrage unter Betrieben kam zum Ergebnis, dass bislang 18% der Betriebe Flüchtlinge eingestellt haben. 2/3 der befragten Betriebe wären aber grundsätzlich bereit, Flüchtlinge einzustellen. Bei Betrieben, die schon Flüchtlinge eingestellt haben, war die konkrete Absicht, in den nächsten 12 Monaten Flüchtlinge einzustellen, doppelt so hoch wie bei Unternehmen ohne Erfahrungen mit Flüchtlingen. 

Dies deckt sich auch mit Erfahrungen aus Deutschland: Eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) zeigt, dass fast ein Viertel aller Unternehmen derzeit Flüchtlinge beschäftigt oder dies in den letzten drei Jahren getan hat. Damit engagieren sich bereits über 400.000 Unternehmen in Deutschland aktiv bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. 2/3 von ihnen planen zudem, weitere Flüchtlinge einzustellen.

Viele Unternehmen berichten von positiven Erfahrungen mit Flüchtlingen. Als positive Erfahrungen werden etwa Einsatzbereitschaft, Motivation und Lerneifer der Flüchtlinge hervorgehoben.

Grafik: positive Erfahrungen mit der Beschäftigung von Flüchtlingen

Als Hemmnisse werden vor allem mangelnde Deutschkenntnisse von Flüchtlingen, unzureichende berufliche Fachkenntnisse und mangelnde Transparenz der im Ausland erworbenen Qualifikationen genannt. 

Grafik: Hemmnisse der Beschäftigung von Flüchtlingen

Insgesamt meinten rund ¾ der befragten deutschen Unternehmen, dass passende Unterstützungsangebote ihre Bereitschaft zur Beschäftigung von Flüchtlingen erhöhen könnte. Dabei wurden vor allem berufsbezogene Sprachförderung parallel zur Beschäftigung, eine feste Ansprechperson für das Unternehmen sowie Lohnkostenzuschüsse genannt.

Fazit

Die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen ist eine große Herausforderung und mit massiven Anstrengungen verbunden. Diese Investition lohnt sich aber: Eine aktuelle Untersuchung von Eco Austria kommt zum Ergebnis, dass die volkswirtschaftlichen Folgewirkungen der Flüchtlingszuwanderung umso positiver ausfallen, je rascher und besser die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen gelingt.

Die ö Bundesregierung hat im März 2017 wichtige Integrationsmaßnahmen beschlossen. Damit die Integration in den regulären Arbeitsmarkt gelingt, sollte jedoch auch der Zugang von Asylwerbern zum Arbeitsmarkt erleichtert werden, wie das die Sozialpartner vorgeschlagen haben und Deutschland bereits praktiziert. Vor allem jugendliche Asylwerber mit hoher Anerkennungswahrscheinlichkeit sollten Zugang zu allen Lehrstellen erhalten und nicht nur in Mangelberufen. Damit würde man jungen Menschen eine berufliche Perspektive verschaffen und gleichzeitig Fachkräfte von morgen ausbilden.  


Migration: It´s the demography, stupid! 

Hunger und Konflikte in Afrika und Arabien und in der Folge die Migration nach Europa haben eine ungenannte Ursache, die Bevölkerungsexplosion, analysiert Rolf Gleißner im Standard. 

derstandard.at/2000056142765/Migration-Its-the-demography-stupid

  


Erwerbsformen in Ö: Normale Dienstverhältnisse stabil, Teilzeit nimmt zu

Die Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria spiegelt die Entwicklung der Erwerbsformen, aber auch des Arbeitsmarkts generell wieder: Einerseits nimmt der Anteil der Arbeitslosen an der erwerbsfähigen Bevölkerung zu. Andererseits steigt die Zahl der Beschäftigten, während der Prozentsatz der erwerbsmäßig inaktiven Bevölkerung (z.B. Hausfrauen, Studenten, etc.) stetig zurückgeht.  

Der Anteil der Vollzeitdienstverhältnisse ist seit 2004 stabil zwischen 39 und 40 Prozent. Hingegen nehmen Teilzeitjobs rasant zu. Das überrascht nicht, wird doch Teilzeit steuerlich, sozialrechtlich, aber auch direkt massiv gefördert. So gibt es inzwischen sechs staatlich geförderte Teilzeitmodelle. Allein in der Altersteilzeit, die Frauen bereits mit 53 Jahren (!) antreten können, nahm die Beschäftigung in drei Jahren um 10.000 Personen zu.  

Die Zahl der Selbständigen stagniert, der Anteil der öffentlichen Bediensteten ist rückläufig.

Anteil an der erwerbsfähigen Bevölkerung in Prozent

 


52. Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsrecht und Sozialrecht

Mag. Anna Lisa Engelhart/Universität Salzburg

Auch in diesem Jahr besuchten am 30. und 31. März über 500 Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis die 52. Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsrecht und Sozialrecht im Ferry Porsche Congress Center in Zell am See. 

Der erste Teil des Donnerstagvormittags beschäftigte sich mit dem Thema „Digitalisierung der Arbeitswelt“. Zuerst behandelte Univ.-Prof. Martin Risak (Universität Wien) unter anderem die Probleme der zeitlichen und örtlichen Entgrenzung, die mit der Digitalisierung einhergehen, wie auch das Phänomen des „Crowdworkings“. Anschließend daran erörterte RA Dr. Stefan Köck (Wien) Fragen im Zusammenhang mit AN-Weiterbildung, betrieblichem Datenschutz, AN-Schutz und betrieblichen Mitwirkungsrechten. 

Im dritten Vortrag – und damit zweiten Teil des Vormittags – behandelte Univ.-Prof. Walter Berka (Universität Salzburg) das Thema „Religion, Weltanschauung und Arbeitsverhältnis“. Berka ging dabei sowohl auf die neu ergangenen Entscheidungen des EuGH in den Rs Achbita (EuGH 14.3.2017, C-157/15) und Bougnaoui (EuGH 14.3.2017, C-188/15), als auch auf die Entscheidung des OGH (9 ObA 117/15v) zur Diskriminierung wegen des Tragens eines Kopftuches bzw eines Gesichtsschleiers am Arbeitsplatz ein. 

Univ.-Ass. Diana Niksova (Universität Wien) bestritt in diesem Jahr das Seminar, das „Grenzüberschreitenden Arbeitnehmereinsatz und anwendbare Rechtsordnung“ zum Gegenstand hatte. Niksova beschäftigte sich vor allem mit der Auslegung des Begriffs „Individualarbeitsvertrag“ iSd Art 8 Rom I-VO und dabei speziell mit der Abgrenzung Arbeitsvertragsstatut und Betriebsverfassungsstatut. Eine rege Diskussion entspann sich in diesem Zusammenhang hinsichtlich des Kündigungsschutzes bei grenzüberschreitenden Sachverhalten. In weiterer Folge erörterte die Referentin die Probleme bei grenzüberschreitenden Arbeitsverhältnissen in der Transportwirtschaft und damit korrelierend die OGH-E 9 ObA 53/16h, sowie die Grundlagen der EntsendeRL (96/71/EG). 

Der Freitag, an dem traditionell sozialrechtliche Themen behandelt werden, begann mit einem Vortrag von Univ.-Prof. Robert Rebhahn (Universität Wien) zum Thema „Bedürftigkeitsabhängige Sozialleistungen: Differenzierungen, Pauschalierungen, Bedingungen“. Seine Ausführungen konzentrierten sich auf die rechtliche Ausgestaltung der Grundsicherung in Österreich und beinhalteten dabei die feinen Unterschiede und Gemeinsamkeiten von bedarfsorientierter Mindestsicherung, Ausgleichzulage und Notstandshilfe. Rebhahn erörterte anfangs die Bedingungen zur Begründung bedürftigkeitsabhängiger Sozialleistung und die Voraussetzungen für die Höhe der Leistungen, sowie in diesem Zusammenhang die Pauschalierung und endete mit den Problemen der Schlechterstellung von Schutzberechtigten.  

Am Freitag beschäftigten sich Dr. Martin Sonntag (OLG Wien) und Prof. Barbara Födermayr (Universität Linz) mit dem Thema „Rehabilitation: Wirklichkeit und Anspruch“. Sonntag präsentierte in diesem Zusammenhang die Thematik der medizinischen Rehabilitation im sozialgerichtlichen Verfahren und zeigte unter anderem Probleme bei der Abgrenzung zur Krankenbehandlung und der Verletzung der Mitwirkungspflicht auf. Födermayr  behandelte anschließend in ihrem Vortrag die seit 1.1.2017 in Kraft getretene bzw sich teilweise auch noch in Umsetzung befindliche Rechtslage zur beruflichen Rehabilitation und die damit einhergehenden Rechtsprobleme.  

In den Pausen der Veranstaltung konnten sich die Tagungsteilnehmer an den vom Manz- und ÖGB-Verlag sowie auch vom Verlag LexisNexis betreuten Bücher-Tischen über die Neuerscheinungen in der arbeits- und sozialrechtlichen Fachliteratur informieren.  

Am Mittwochnachmittag begann das Nachwuchsforum mit einem Vortrag von Dr. Daphne Aichberger-Beig zum Thema „Die Anrechnungsregel des § 1155 ABGB“. Anschließend daran stellte Mag. Sarah Bruckner ihre Thesen zur „Zuständigkeit für Leistungen bei Arbeitslosigkeit gem VO 883/2004/EG“ vor und schließlich endete das Nachwuchsforum mit einem Beitrag von Mag. Christoph Ludvik zu „Der virtuelle Betrieb – internationaler Anwendungsbereich der Betriebsverfassung“.

Die 53. Tagung wird am 5. und 6. April 2018 stattfinden.  




IMPRESSUM:
Medieninhaber: Wirtschaftskammer Österreich |
Wiedner Hauptstrasse 63 | A-1045 Wien
Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit |
Leiter: Dr. Martin Gleitsmann | sp@wko.at
Redaktion: Mag. Dr. Rolf Gleißner

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