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SPIK - SozialPolitik Informativ & Kurz

Newsletter Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit

SPIKI SozialPolitik Informativ-Kurz-Innovativ


13.4.2016

  • Aktuelle Prognose: Die Arbeitslosigkeit wird weiter steigen
  • Der deutsche Arbeitsmarkt und seine Erfolgsrezepte 
  • Zitate
  • Verteilungsforschung: Die Mär von der Ungleichheit
  • Fokus Wirtschaft – Seminare für Unternehmen zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung




Mag. Gabriele Straßegger

Mag. Gabriele Straßegger

Aktuelle Prognose: Die Arbeitslosigkeit wird weiter steigen



Synthesis Forschung liefert einen aktuellen Ausblick auf die Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in Österreich bis 2020. Die Aussichten sind unerfreulich: Synthesis rechnet bis 2020 mit einem anhaltend schwachen Wirtschaftswachstum (durchschnittlich +0,8%) Von außen wirken das schwächere Weltwirtschaftswachstum, von innen die magere betriebliche Investitionstätigkeit und der schwache private und öffentliche Konsum. Die Wachstumsflaute trägt wiederum zur steigenden Arbeitslosigkeit bei.

Mittelfristiges Wachstumsszenario Österreichs bis 2020

Bedingt durch die wirtschaftliche Stagnation sinkt seit 2012 die Zahl der fortgesetzt wachsenden Betriebe und die Zahl der fortgesetzt schrumpfenden Betriebe steigt. Damit einher geht eine Investitionsschwäche der Betriebe. Dadurch nimmt die Stundenproduktivität kaum noch zu und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit  der österreichischen Betriebe wird gefährdet.

Das Arbeitskräfteangebot wächst weiter kräftig

Das außergewöhnlich starke Wachstum des Arbeitskräfteangebots der letzten Jahre (Durchschnitt: rund 60.000) bleibt bis 2020 weiter aufrecht, das Arbeitskräfteangebot wird sich von 2015 bis 2020 um 323.200 Personen erhöhen. Während in den vorangegangenen Jahren die Öffnung des ö Arbeitsmarkts für die neuen EU-Bürger Grund für die Ausweitung des Arbeitskräfteangebots war, ist die Ausweitung nun auf asylorientierte Zuwanderung zurückzuführen. Rund 2/3 des Anstiegs sind auf ausländische Arbeitskräfte zurückzuführen.

Die aktuelle Flüchtlingswelle wird – abhängig von der Verfahrensdauer und dem Erwerb von Deutschkenntnissen – ab dem 4. Quartal 2016 auf dem Arbeitsmarkt spürbar werden. Denn erst mit Asylbescheid steht man dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und geht in die Arbeitsmarktstatistik ein. 2017 wird das Arbeitskräfteangebot infolge Flüchtlingswelle und Liberalisierung um 87.900 Personen (!) steigen. Die Zahl der Beschäftigten wird demnach nur um 38.300 steigen, sodass die Arbeitslosigkeit 2017 die 10%-Marke überschreiten wird (nationale Messmethode).

Beschäftigung und Arbeitslosigkeit bis 2020

Trotz des anhaltend schwachen Wirtschaftswachstums soll der Personalbedarf nach Synthesis von 2015 bis 2020 immerhin um 175.400 Personen zulegen. Dieser Zuwachs soll aber großteils auf Teilzeit entfallen, das Stundenarbeitsvolumen stagniert. 

Die stärksten Zuwächse bis 2020 entfallen auf das Gesundheits- und Sozialwesen (+40.800), die öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung (+30.600) und die Beherbergung und Gastronomie (+20.400). Die Beschäftigung wird in Westösterreich stärker steigen als im Osten.

Bis 2020 rechnet Synthesis mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um 147.800 Personen. Die Arbeitslosenquote steigt demnach von 9,1% im Jahr 2015 auf 11,9% 2020 (nationale Messmethode). Der stärkste Anstieg wird 2017 mit +49.600 zu verzeichnen sein. 2017 wird erstmals die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen (die zumindest einen Tag arbeitslos vorgemerkt waren) die Grenze von 1 Million überschreiten.

Fazit

Die Prognose sollte nicht nur Warnung, sondern vor allem Anstoß sein, rasch mit den richtigen Mitteln gegenzusteuern. Vor allem braucht es Maßnahmen, die die Stimmung in den heimischen Betrieben und damit ihre Investitionsbereitschaft spürbar heben und die Beschäftigung ankurbeln. Beschäftigung muss Vorrang vor bloßer Versorgung haben, die Hürden müssen sinken. Deutschland ist hier Vorbild (siehe auch Beitrag unten). 



Mag.Dr. Rolf Gleißner

Mag. Dr. Rolf Gleißnerr

Der deutsche Arbeitsmarkt und seine Erfolgsrezepte  


Bei den Wirtschaftspolitischen Gesprächen am 22. 3. ging Univ.-Prof. Christoph M. Schmidt (Vorsitzender des deutschen Sachverständigenrates und Präsident des RWI Essen) den Ursachen der positiven Wirtschaftsentwicklung in Deutschland auf den Grund. Letztlich führten vor allem die Reformen der Agenda 2010 und andere Faktoren, die den Arbeitsmarkt flexibilisiert haben, zum Aufschwung am Arbeitsmarkt und zur Stabilität in der Einkommensverteilung.

10 Jahre, nachdem Österreich als „das bessere Deutschland“ bezeichnet wurde, verzeichnet Deutschland im Vergleich zu Österreich ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum, eine sinkende Arbeitslosigkeit, Beschäftigungsrekorde und Budgetüberschüsse. Nach Schmidt sind diese Erfolge vor allem auf die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts und die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 zurückzuführen. Im Mittelpunkt dieser Reformen stand das Grundprinzip der sozialen Marktwirtschaft: Soziale Absicherung in erster Linie durch Zugang zum Erwerbsleben.  

Deutschland und Österreich: Veränderung in Prozentpunkten 2010-2015


Das Fundament für das „deutsche Beschäftigungswunder“ wurde u.a. durch flexible Beschäftigungsformen (Kurzarbeit in der Krise, Werkverträge, Zeitarbeit, Teilzeit) und Lohnmoderation gelegt.

Arbeitsmarktreformen verbesserten Einkommen

Durch die Reformmaßnahmen, insbesondere die Hartz IV-Reform konnte die Arbeitslosigkeit in Deutschland von über 5 Mio Personen Anfang 2000 auf unter 3 Mio im Jahr 2015 gesenkt werden. Auf diesem Weg stabilisierte und verbesserte sich auch die Verteilung der Haushaltsnettoeinkommen. Unverständlich sei daher, so Schmidt, der starke Fokus auf das Thema Umverteilung in Deutschland. Schmidt, aber auch andere Ökonomen widerlegen hier eine OECD-Studie, wonach Umverteilung bzw. mehr Gleichzeit zu mehr Wachstum führe. Das gelte nicht in Hocheinkommensländern wie Ö, Deutschland und Schweden, die bereits massiv umverteilen. Hier führt noch mehr Umverteilung nicht zu mehr Wachstum (siehe unten „Die Mär von der Ungleichheit“).

Allerdings steht die Qualität von Lohn- und Beschäftigungsverhältnissen im Zielkonflikt mit Beschäftigungschancen. Angesichts Massenarbeitslosigkeit muss man das, so Schmidt, offen diskutieren und den Fokus auf Chancen legen. 

Bezüglich dem Vorschlag, durch Arbeitszeitverkürzung Jobs zu schaffen, verweist Schmidt auf das Beispiel Frankreich, wo sich die Arbeitszeitverkürzung am Arbeitsmarkt nicht wie erhofft positiv, sondern eher negativ ausgewirkt hat. 

Univ.-Prof. Keuschnigg, Direktor des Wirtschaftspolitischen Zentrums, erläuterte drei Faktoren zur Krisenresistenz von Unternehmen: ein hoher Innovationsgrad, eine ausreichende Eigenkapitalquote und eine allgemeine Arbeitsmarktflexibilität. Da die Arbeitslosenquote vor allem in der Rezession steige, sei eine erhöhte Krisenresistenz eine gute Absicherung gegen erhöhte Arbeitslosigkeit. Unternehmen tragen das Risiko von Gewinnschwankungen, während Arbeitnehmer über stabile Einkommen verfügen. 

Keine Angst vor der Digitalisierung

Die zunehmende Digitalisierung bietet erhebliches volkswirtschaftliches Potenzial, wird allerdings Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt auslösen. Es werden Jobs verloren gehen, aber neue entstehen, dieser Strukturwandel müsse zugelassen werden. Wichtig ist die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Arbeitnehmern. Durch Bildung und Weiterentwicklung der Kompetenzen sind die Chancen der neuen Technologien zu nutzen. 

Um den demografischen Wandel zu begegnen, müssen Hürden bei der Arbeitsmarktintegration vor allem von Geringqualifizierten, Langzeitarbeitslosen und Jugendlichen abgebaut. Ausgaben für Pensionen müssen in einem angemessenen Verhältnis zu Zukunftsinvestitionen in Bildung, Forschung und Innovation stehen. Eine langfristige Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen setzt nach Schmidt bedarfsgerechte Integrations- und Qualifizierungsmaßnahmen voraus.

Lehren für Österreich

Vor wenigen Jahren verzeichnete Ö die geringste Arbeitslosigkeit in der EU, ohne Abstriche bei Qualität und Mindeststandards zu machen. Inzwischen ist Ö zurückgefallen, die Arbeitslosigkeit erreicht Rekordhöhen und wird weiter steigen. 

Daher muss auch bei uns der Beschäftigung Vorrang eingeräumt werden. Spätestens seit dem Zustrom von Migranten mit geringen Jobchancen ist klar, dass die Hürden für Arbeit zu senken sind. Das betrifft die Lohn- und Lohnnebenkosten für Arbeitgeber, den Arbeitsmarktzugang für Asylwerber, die Zumutbarkeit angebotener Arbeit, aber auch das Sozialsystem, das oft den Anreiz für Beschäftigung nimmt und damit in eine Armutsfalle lockt. Deutschland hat seine Arbeitsmarktkrise bewältigt, seine Arbeitsmarkt- und Pensionsreformen sind Vorbild für Österreich. Selbst das so zurückhaltende WIFO empfiehlt daher den Blick nach Deutschland.

„Ein Hauch von Hartz IV täte Österreich gut“, Karl Aiginger, Leiter des WIFO, in der Presse am 9.4.2016
http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/4963524/Ein-Hauch-von-Hartz-IV-taete-Osterreich-gut



Zitate


„Fast zum Verzweifeln ist die aktuelle deutsche Debatte über wachsende Ungleichheit, obwohl die Fakten etwas anders sagen. In Ländern mit viel Umverteilung wie Deutschland oder Österreich bringt noch mehr Umverteilung (Stichwort: Reichensteuer) kein zusätzliches Wachstum.“
Univ.-Prof. Christoph M.  Schmidt

„Denn Unternehmen sind die beste und wichtigste Sozial-Versicherung überhaupt! Ein gut aufgestelltes Unternehmen, das flexibel reagieren kann, wird Jobs auch in Krisen halten“.
Univ.-Prof. Keuschnigg



Verteilungsforschung: Die Mär von der Ungleichheit

Studien von IWF und OECD behaupten, Ungleichheit würde dem Wirtschaftswachstum stets schaden, Gleichheit ihm nützen. Christoph Schmidt, Vorsitzender des deutschen Sachverständigenrats, und Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW, haben Fehler und Widersprüche in den Studien aufgedeckt. Demnach führt mehr Gleichheit keineswegs stets zu mehr Wirtschaftswachstum.  

http://researchinstitute.handelsblatt.com/i/gJgE5cBewNJaTJ-3iR6Pk2aSlp_RfDR7y8ZIwXhthvw

Artikel NZZ 8.4.2016: http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/oecd-studie-sorgt-fuer-wirbel-ist-umverteilung-gratis-ld.12326



Fokus Wirtschaft – Seminare für Unternehmen zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung

Die vom Sozialministeriumservice in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe FOKUS WIRTSCHAFT: inklusiv // innovativ ist ein auf Unternehmerbedürfnisse zugeschnittenes, praxisnahes Kompaktseminar, das von 2016 bis 2017 durch alle Bundesländer tourt.
Erstmals kooperieren öffentliche Institutionen, Fachorganisationen und die Privatwirtschaft, um Unternehmen aufzuzeigen, wie Inklusion von Menschen Behinderung funktionieren und wirtschaftlich rentabel sein kann.

Themen:
•    Welche Kundengruppen nehmen zu?
•    Wie bereite ich mich auf die Produkte und Dienstleistungen vor, die nachgefragt werden?
•    In welchen rechtlichen Rahmenbedingungen muss ich mich bewegen?
•    Wie kann ich mir die notwendigen Fachkräfte sichern?
•    Welche Förderungen und kostenlose Beratungen gibt es?

Der Kompaktevent besteht aus einem zweistündigen Zukunftsseminar und einer anschlieβenden Ausstellung.
Termine: Wien 24.5., Graz 17.6., Innsbruck 27.9., Feldkirch November 2016

Details unter www.fokus-wirtschaft.at


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