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„Wir schauen auf Österreich“ 

Ein Interview mit dem neuen WKÖ-Präsidenten Harald Mahrer

WKÖ-Präsident Harald Mahrer
© BMDW/Marek Knopp

Harald Mahrer wurde am 18. Mai beim Wirtschaftsparlament offiziell als neuer Chef der WKÖ angelobt. In seinem Antrittsinterview spricht Präsident Mahrer über seine Ziele und einen neuen Stil in der Sozialpartnerschaft.

Ihr Vorgänger Christoph Leitl wird häufig als personifizierter Sozialpartner bezeichnet. Wofür wird der WKÖ-Präsident Harald Mahrer stehen?

Mahrer: Mein Ziel ist es, dass sich die Sozialpartnerschaft zu einer Zukunftspartnerschaft weiterentwickelt. Wir brauchen einen neuen Stil im Verhältnis zwischen Regierung, Wirtschaft und den Sozialpartnern. Der Gegensatz Arbeitgeber-Arbeitnehmer hat für mich ausgedient. In Wahrheit vertritt der Wirtschaftskammer-Präsident ja nicht nur die rund 520.000 österreichischen Unternehmen, sondern 8,6 Millionen Menschen, nämlich die Unternehmen, ihre Mitarbeiter und auch deren Familien, das ganze Land. Sie alle müssen sich gemeinsam den Zukunftsfragen stellen. Das neue Motto in der Wirtschaftskammer wird daher heißen „Wir schauen auf Österreich“.

Das werden die Sozialpartner auf Arbeitnehmerseite vermutlich genauso von sich sagen, dass sie auf Österreich schauen.

Mahrer: Dann freue ich mich, wenn sie das tun. Derzeit allerdings höre ich noch viel Gräuelpropaganda, etwa gegen die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Niemand plant, dass man jeden Tag zwölf Stunden arbeiten muss. Niemand plant, dass jede Arbeitswoche 60 Stunden hat und genauso wenig ist angedacht, dass keine Überstunden mehr bezahlt werden. In Wahrheit profitieren doch auch die Arbeitnehmer von der Flexibilisierung der Arbeitszeit. Wir müssen von Gräuelpropaganda und Unternehmerbashing wegkommen und das große Ganze in den Vordergrund stellen. Nur so können wir die Herausforderungen der Zukunft wie den digitalen Wandel bewältigen.

Was sind die Schwerpunkte in Ihrem Arbeitsprogramm?

Mahrer: Neben einem unternehmerfreundlichen Klima ist mir der Freiheitsgedanke sehr wichtig. Wir brauchen mehr Freiräume in diesem Land. Das gilt auch wieder für alle: Nicht nur die Unternehmen sind durch eine hohe Steuer- und Abgabenquote belastet, auch die Arbeitnehmer zahlen zu hohe Steuern und Abgaben. Genauso schränken bürokratische Hürden beide Seiten enorm ein. Während es in China eine unglaubliche Dynamik gibt, sich dort die kaufkräftige Mittelschicht innerhalb von fünf Jahren von 250 auf 500 Millionen Menschen verdoppeln wird, beschäftigen wir uns damit, ob die Höhe einer Steckdose exakt stimmt. 

Das heißt Bürokratieabbau.

Mahrer: Ja, es geht darum, Handlungsfähigkeit, Freiräume und Beweglichkeit in Europa zu schaffen. Nur so könne wir das Match gegen China gewinnen. Und es muss eine große Investitionsoffensive im Bereich Bildung und Qualifikation geben – gegen den Facharbeitermangel und damit sich Österreich in Richtung Innovationsführerschaft weiterentwickeln kann.

Was erwarten Sie in diesem Zusammenhang von der Regierung?

Mahrer: Die Regierung werden wir nicht daran messen, wie viele Gesetze sie beschließt, sondern wie viele Freiräume sie schafft. Und wir werden darauf schauen, ob sie die angekündigten Reformen auch umsetzt.

Zum Beispiel im Bereich Sozialversicherung?

Mahrer: Das 5-Träger-Modell basiert ja auf einem Konzept der Wirtschaftskammer und ich bin der Meinung, dass dem System eine Verschlankung guttun würde. Wir freuen uns über Effizienzpotenziale, die man durch mehr Transparenz heben kann. Die Selbstverwaltung bleibt. Die eigenen Dinge selbst zu regeln, ist ja ein zutiefst unternehmerischer Zugang, das steckt in unserer unternehmerischen DNA. Ich bin generell kein großer Freund davon, Dinge staatlich zu organisieren. Vielmehr braucht es einen Wettbewerb der besten Ideen.

Ihr Vorgänger hat mehrere Kammerreformen umgesetzt, wie werden Sie das halten, zumal die Regierung weitere Einsparungen bei den Kammern fordert?

Mahrer: Das sehe ich sehr entspannt. Christoph Leitl war Garant für Einsparungen und Modernisierung im eigenen Haus. Mit 1.1. 2019 tritt die nächste Kammerreform in Kraft, hier werden immerhin 100 Millionen Euro an Mitgliedsbeiträgen gesenkt. Fest steht, dass unsere Exportförderung, das Gründerservice und das hervorragende Bildungsangebot ohne solidarische Finanzierung nicht aufrecht zu erhalten wären. Entscheidend für die Mitglieder ist aber, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, und dafür werde ich sorgen. 

Welche Potenziale gibt es noch?

Mahrer: Durch Standardisierung und Digitalisierung kann man sicher noch weitere Freiräume schaffen - um dann auch wieder investieren zu können. Ich habe vor, innerhalb der nächsten Jahre ein großes Investitionsprogramm in dreistelliger Millionenhöhe umzusetzen, um die duale Ausbildung in Richtung triale Ausbildung weiterzuentwickeln, und auch um die Weiterbildung und Qualifikation der bestehenden Mitarbeiter zu fördern.

Wie kann man sich dieses Konzept einer trialen Ausbildung vorstellen?

Mahrer: Hierzu gibt es bereits erste Ideen, bis Herbst dieses Jahres wollen wir einen konkreten Plan vorlegen. Es geht darum, die Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule um eine dritte Schiene - nämlich digitale Kompetenzen - zu ergänzen, für die auch eine digitale Wissensvermittlung stattfinden kann.

Alles in allem haben Sie also ehrgeizige Ziele. Haben Sie über diese auch schon mit den anderen Sozialpartnern gesprochen?

Mahrer: Derzeit gibt es Wechsel an allen vier Sozialpartner-Spitzen, der letzte im ÖGB findet allerdings erst Mitte Juni statt. Danach werden wir uns alle zusammensetzen, um gemeinsam an den Zukunftsthemen zu arbeiten. Wichtig ist dabei ein fairer Umgang ohne Polemik. Dass alle neu aufgestellt sind, ist für das Gesprächsklima ein großer Vorteil. Und hier würde ich den Tisch auch gerne vergrößern und zu bestimmten Themen NGOs und Forschungseinrichtungen ebenso einladen. Ich bin der Meinung, Österreich ist gut aufgestellt, in den Betrieben gibt es eine große Kreativität und Innovationskraft. Wenn wir an den richtigen Stellschrauben drehen, dann können wir alle gemeinsam sehr erfolgreich sein.