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„Energiewende und Digitalisierung brauchen qualifizierte Elektrotechniker“

Der Elektrobranche fehlt der Nachwuchs. Gerade, wenn es um erneuerbare Energieformen geht. Welche Rezepte die Innung gegen den Fachkräftemangel entwickelt hat, sagt Bundesinnungsmeister Andreas Wirth im Interview

Solarpanele
© Envato

Selten war es deutlicher sichtbar, wie wichtig Elektrotechnik für eine moderne Gesellschaft ist: Das halbe Land steckt im (digitalen) Homeoffice, E-Ladestationen sprießen wie Schwammerln aus dem Boden, und die Regierung will die Energiewende durch großzügige Förderungen für Photovoltaik beschleunigen. Doch angesichts des akuten Fachkräftemangels stellt sich die Frage, wie die Elektrobranche die Herausforderungen der gar nicht so fernen Zukunft bewältigen will, wenn es schon heute an qualifiziertem Personal fehlt. Die Innung beschreitet für die Lösung dieses Problems neue Wege und will damit die Betriebe zukunftsfit machen, Lehrlinge anziehen und Fachkräfte durch geschulte Hilfskräfte entlasten. 


Das neue Jahr steht bevor, damit beginnt auch das 1-Million-Dächer-Programm für Photovoltaik, für die die Regierung 80 Millionen Euro an Förderungen bereitstellen wird. Wie gut sind die Elektrotechnikbetriebe jetzt darauf vorbereitet?

Andreas Wirth: Schon als die Förderung angekündigt wurde, war uns bewusst, dass wir da Gas geben müssen. Wenn sich viele Konsumenten eine Photovoltaikanlage kaufen wollen, dann hat das Elektro-Gewerbe viel zu tun. Daher haben wir eine neue Ausbildungsrichtlinie entwickelt – für Elektropraktiker mit festgelegten Tätigkeiten im Bereich erneuerbarer Energie. Ziel dieser neuen Schulung ist es, Arbeitslose und Berufswechsler rasch in die Branche zu holen und damit die Betriebe zu unterstützen.

Elektropraktiker sind  enorm wichtige Hilfskräfte, die mit Paneelen umgehen können und über die Sicherheitsvorschriften Bescheid wissen. Das alles lernen sie in der Ausbildung, die zwei Monate dauert: ein Monat für das Grundmodul und ein Monat, in dem es nur um Photovoltaik geht.

Was tut ein Elektropraktiker und wie sieht die Ausbildung aus?

Andreas Wirth: Elektropraktiker sind Hilfskräfte mit einer Spezialqualifikation. Sie können Photovoltaik-Paneele fachgerecht montieren und so die ausbildeten Elektrotechniker unterstützen. Elektropraktiker sind  enorm wichtige Hilfskräfte, die mit Paneelen umgehen können und über die Sicherheitsvorschriften Bescheid wissen. Das alles lernen sie in der Ausbildung, die zwei Monate dauert: ein Monat für das Grundmodul und ein Monat, in dem es nur um Photovoltaik geht.


Wann geht’s los?

Andreas Wirth: Das Konzept ist fix-fertig. Derzeit bereitet das AMS (Arbeitsmarktservice) Pilotprojekte vor. Gleich nach Weihnachten startet ein Pilotprojekt mit etwa 30 Teilnehmern in Oberösterreich, danach kommt ein Pilotprojekt in Wien mit 40 Teilnehmern und darauf eins in der Steiermark. Wir von der Innung haben die Betriebe organisiert und den Bedarf erhoben, der massiv vorhanden ist. Das AMS sucht geeignete Kandidaten, die auf die Montagearbeiten für Photovoltaik-Anlagen vorbereitet werden. Die Ausbildung ist sehr praxisorientiert und funktioniert durch die enge Zusammenarbeit mit den Betrieben. Schon Anfang März können die ersten Elektropraktiker loslegen.


Das klingt alles sehr reibungslos. Gab’s überhaupt keine Widerstände oder Stolpersteine?

Andreas Wirth: Wir mussten schon ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten, es gab ein paar Skeptiker. Die Elektropraktiker sind für uns enorm wichtig, um die fachgerechte Montage der Paneele zu übernehmen, während der ausgebildete Elektrotechniker die Anschlüsse und die Programmierung der Anlage macht. Außerdem kann der Elektrotechniker dann mehr Zeit für andere anspruchsvolle Projekte nutzen, beispielsweise die Umstellung auf Smart Homes. 


Ein gutes Stichwort: Auch da kommt ja einiges auf die Elektrotechnikbranche zu. Laut dem WKO Fachkräfte-Radar müssen 46 % aller Betriebe aber ihre Innovationstätigkeit wegen des Fachkräfte-Mangels einschränken. Wie sieht es da bei den Elektrotechnikern aus?

Andreas Wirth: In unserer Branche tut sich viel, nicht nur auf dem Sektor der Photovoltaik. Auch Elektrotankstellen sind stark nachgefragt. Und insgesamt wird die Digitalisierung in allen Lebensbereichen immer größer und wichtiger. Daher werden wir das Modell der geschulten Hilfskraft im nächsten Schritt auf die Elektromobilität ausweiten und planen schon an einem dritten Modul, das in Richtung Digitalisierung geht. Aber klar ist, dass die Entlastung der Fachkräfte bei bestimmten, abgegrenzten Aufgaben durch Hilfskräfte nur ein Teil unseres Konzepts ist.

Das Image der Lehre gehört aufgewertet. Unser Projekt wird klar machen, dass die Elektrolehre zu einem Zukunftsberuf führt. In der Elektrotechnik ist man Teil der Energiewende und Teil der Digitalisierung. 

Müssen sich bei all diesen neuen Themen nicht auch bereits etablierte Betriebe weiterentwickeln?

Andreas Wirth: Wir haben in Österreich viele Leuchtturmbetriebe, die schon auf die neuesten Technologien umgestellt haben. Das nutzen wir in unserer Initiative „Future Lab“, die fast fertig ist. Würde Covid uns nicht alle stark einschränken, hätten wir das „Future Lab“ bereits in allen Bundesländern präsentiert. Da geht es darum, auch kleineren Betrieben das Know-how der Leuchtturmbetriebe zur Verfügung zu stellen. Best-Practice-Beispiele zeigen, was der Betrieb tun muss, um die Energiewende mit gestalten zu können. Dafür wird es Anleitungen, aber auch praktische Unterstützung von der Innung geben.


Wie stark trifft der Fachkräftemangel Ihre Branche? Im WKO Fachkräfte-Radar geben 62 % der Unternehmen an, darunter stark zu leiden.

Andreas Wirth: Auch bei uns gibt es einen starken Fachkräftemangel. Es fehlen österreichweit zwischen 8.000 und 12.000 Elektrotechniker. Natürlich ist es das Wichtigste, bei den Lehrlingen anzusetzen. Im heurigen Jahr hatten wir weniger Lehrlinge als normal, denn heuer gab’s keine HTL-Abbrecher, die statt in die Schule doch lieber in die Lehre gehen wollen. Das haben wir an der Zahl der neuen Lehrlinge gespürt. Um mehr Lehrlinge zu gewinnen, machen wir im kommenden Jahr ein großes Image-Projekt für die Elektrolehre.


Wie gehen Sie das Problem Lehrlingsmangel in diesem Projekt an? Wo kann man ansetzen, um möglichst viele, möglichst gute Lehrlinge zu finden?

Andreas Wirth:  Das Image der Lehre gehört aufgewertet. Unser Projekt wird klar machen, dass die Elektrolehre zu einem Zukunftsberuf führt. In der Elektrotechnik ist man Teil der Energiewende und Teil der Digitalisierung. Eine Imagekampagne alleine reicht dafür aber nicht. Das Wichtigste ist, das Berufsbild zu überarbeiten. Das haben wir gerade in Auftrag gegeben, unser Aus- und Weiterbildungsausschuss arbeitet bereits daran. Denn eines ist klar: Wer in Österreich eine Lehre als Elektrotechniker absolviert hat, der hat eine weltweite Jobgarantie. So gut ist unsere Ausbildung!


Wenn bis zu 12.000 Elektrotechniker fehlen, dann muss man sich als Fachkraft wohl keine Sorgen um den Job machen?

Andreas Wirth: Absolut nicht: Als Elektrotechniker hat man einen krisensicheren Job. Wir sind in einer Branche, die immer wichtiger wird. Denn Energiewende und Digitalisierung kommen ohne qualifizierte Elektrotechniker nicht aus. Der Fachkräfte-Mangel wird sich auch noch verschärfen, denn in den kommenden drei Jahren gehen geburtenstarke Jahrgänge in Pension. Und: Unsere Branche hat einen sehr guten Kollektivvertrag, man verdient gut. 

BIM Andreas Wirth
© WKÖ

Bundesinnungsmeister Andreas Wirth

Andreas Wirth hat 2008 seinen Betrieb „Elektro Wirth“ in Steinbrunn im Burgenland gegründet und beschäftigt heute 60 Mitarbeiter. Wirth ist seit 2013 burgenländischer Landungsinnungsmeister und seit 2019 Bundesinnungsmeister für Elektro-, Alarm-, Gebäude- und Kommunikationstechnik.

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