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"Comeback" aus der Coronakrise für Lebensmittelhersteller: Alle Kraft in den Standort und den Export

Koßdorff: Erfolgsgeschichte Lebensmittel-Export tatkräftig unterstützen 

Mag. Katharina Kossdorff
© Wilke

"Nach über einem Jahr Corona-Pandemie zeigt sich einmal mehr: Die österreichische Lebensmittelindustrie ist ein verlässlicher Partner, der auch in schwierigen Zeiten die Bevölkerung uneingeschränkt mit sicheren und guten Lebensmitteln und Getränken in ausreichender Menge versorgt. Als wichtigster Abnehmer von heimischen Agrarwaren ist die Lebensmittelindustrie zudem beständiger und zuverlässiger Partner der österreichischen Landwirtschaft. Die Branche steht für Qualität, Sicherheit und Genuss ihrer Produkte. Diese Vorzüge werden nicht nur am Heimmarkt, sondern auch auf 180 Märkten weltweit geschätzt. Das bestätigen die vorläufigen Exportzahlen: Die rund 200 Betriebe der Lebensmittelindustrie konnten ihre Exporte trotz Coronakrise ausbauen. Mit fast 7,9 Mrd. Euro legten diese im letzten Jahr um 3,5 % zu", erläutert Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie. Die Produkte der Lebensmittelindustrie haben einen Anteil von über 60 % an den Gesamtagrarexporten und bleiben damit der bestimmende Motor für den kulinarischen Exporterfolg "Made in Austria". 2020 hat die Branche mit ihrer Exportleistung maßgeblich dazu beigetragen, dass Österreich mit +11 Mio. Euro erstmals eine leicht positive Agraraußenhandelsbilanz verzeichnet.

Export sichert Jobs und Wertschöpfung in der Lebensmittelbranche

Der Export bleibt für die Lebensmittelindustrie zentrales Standbein: Zwei von drei Lebensmitteln gehen ins Ausland. Damit schafft die österreichische Lebensmittelindustrie Jobs und Wertschöpfung in Österreich und trägt zum Wohlstand unseres Landes bei.

Während die Gesamtexporte Österreichs (Zollkapitel 1-99) im Jahr 2020 deutlich um 7,5 % einbrachen, konnte der komplette Agrarbereich (ZK 1 – 24) im Export um 3,9 % (+ 474 Mio. Euro) auf 12,8 Mrd. Euro zulegen und verzeichnete sogar erstmals eine leicht positive Außenhandelsbilanz in Höhe von 11 Mio. Euro.

Ausschlaggebend für diese leicht positive Außenhandelsbilanz war der Umstand, dass um 1,4 % weniger Agrarerzeugnisse importiert wurden, weil die Nachfrage etwa aus dem Tourismus fehlte. Gleichzeitig wurden um 4,5 % mehr Agrarerzeugnisse ins Ausland geliefert (ZK 1 bis 15). Diese Entwicklung reduzierte die traditionell negative Außenhandelsbilanz bei Agrarwaren um 305 Mio. Euro auf minus 1.911 Mio. Euro. Im gleichen Zeitraum steigerte die heimische Lebensmittelindustrie ihre Exporte um 3,5 % (= 148 Mio. Euro) auf plus 1.922 Mio. Euro (ZK 16-24) und baute ihre traditionell positive Außenhandelsbilanz weiter aus. Mit anderen Worten: Es wurden auch im letzten Jahr wieder mehr veredelte Lebensmittel exportiert als importiert. Im Ergebnis führten diese Entwicklungen zu einer knapp positiven Außenhandelsbilanz des gesamten Agrarbereichs (ZK 1-24) in Höhe von 11 Mio. Euro.

Dieses Ergebnis ist beachtlich, da Lebensmittel-Exporteure wegen der Coronakrise doch mit großen Herausforderungen auf internationalen Märkten konfrontiert waren (z. B. Lieferverzögerungen durch Grenzkontrollen, Ein- und Ausreisebedingungen, Turbulenzen bei Rohstoffen, Verpackungen, Transport, Logistik). Auch der BREXIT, die weiterhin aktuellen Importrestriktionen Russlands gegenüber der EU sowie die US-Strafzölle im WTO-Streitfall "Airbus" verschärften die Situation.

EU bleibt wichtigster Markt für heimische Lebensmittel

Welche immense Bedeutung der EU-Binnenmarkt für die österreichische Lebensmittelindustrie hat, bestätigen ebenfalls eindrucksvoll die vorläufigen Exportzahlen für das Jahr 2020. Die EU bleibt der wichtigste Markt für österreichische Lebensmittel: Rund 67 % der Lebensmittel-Exporte gehen in die EU (5,3 Mrd. Euro; + 4,7 % gegenüber 2019), rund 33 % in Drittstaaten (2,6 Mrd. Euro; + 1,1 %).

Nach Deutschland (2,7 Mrd. Euro; + 4,4 %) zählen die USA (1,1 Mrd. Euro; + 5,1 %), Italien (502 Mio. Euro; + 0,8 %) und die Schweiz (313 Mio. Euro; + 9,1 %) zu den Top-Exportländern. Bestseller "Made in Austria" bleiben die heimischen Getränke (Energy Drinks, Eistee und Limonaden), Milchprodukte wie Käse, Süß- und Backwaren sowie eine Vielzahl an Lebensmittelzubereitungen. Heimische Futtermittel sind im Ausland ebenfalls sehr gefragt.

Auch die internationalen Märkte entwickelten sich insgesamt leicht positiv: Die Exporte der heimischen Lebensmittelindustrie in EU-Drittstaaten konnten im Coronajahr um 1,1 % auf 2,6 Mrd. Euro zulegen. Positive Ergebnisse gab es etwa in den USA (+ 5,1 %), der Schweiz (+ 9,1 %) und Russland (+ 5,7 %). Rückgänge verzeichneten die Exporte u. a. nach Großbritannien (- 6,7 %), Brasilien (- 5,7 %) oder Japan (- 7,5 %).

Zukunftsmärkte Österreichs sind neben den USA und Kanada die Länder in Ostasien (China, Japan und Südkorea), für einzelne Produkte auch die Golfregion als Gateway nach Indien. Auch die nahen Märkte wie Großbritannien, die Schweiz und der Westbalkan bleiben attraktiv.

Bilanz der österreichischen Lebensmittelindustrie im Coronajahr 2020

Die vorläufige Bilanz für 2020 zeigt: Die österreichische Lebensmittelindustrie wird das Jahr 2020 voraussichtlich mit einem Minus von 1,7 % abschließen. Die guten Zahlen im Export federn die Einbrüche in der Produktion etwas ab. Die abgesetzte Produktion zeigt für das 1. Quartal 2020 ein Plus von 5,1 %. Anlass dafür waren die Hamsterkäufe während des Lockdowns im März. Diese waren großteils Vorzieh- oder Lagerkäufe, wie der Rückgang der Produktion im 2. Quartal 2020 mit - 5,3 % verdeutlicht. Im 3. Quartal 2020 stieg die Produktion um 0,4 % wieder leicht, brach jedoch im 4. Quartal 2020 in Folge des Lockdowns ab November um 6,6 % erneut ein.

Zulieferer aus der Lebensmittelindustrie haben die Lockdown-Maßnahmen besonders hart getroffen. Ihnen fehlt bis heute der Umsatz mit der Gastronomie, Hotellerie sowie der Event- und Kulturbranche. Hinzu kommt, dass für diese Kunden andere Verpackungsgrößen benötigt werden (z. B. Fässer für Bier, Großgebinde für Tiefkühlprodukte, Teig- und Backwaren usw.), die nicht ersatzweise im Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden können, da dort Haushaltspackungen nachgefragt werden. Die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Unterstützungen erwiesen sich in vielen Fällen leider als nicht treffsicher.

Auch der Inlandsmarkt war 2020 für die Branche unverändert angespannt. Durch die Schließung der Gastronomie und Hotellerie blieb nur der Absatz über den Lebensmitteleinzelhandel, was den Marktdruck für viele Lieferanten zusätzlich erhöhte. Die drei größten Handelshäuser haben in Österreich einen Marktanteil von fast 90 %.

"Comeback" aus der Coronakrise – Alle Kraft in den Standort und den Export

Die heimische Lebensmittelindustrie begrüßt das Vorhaben der Bundesregierung für ein Comeback der Wirtschaft. Es gilt, die heimische Lebensmittelindustrie mit ihren 27.000 direkt Beschäftigten als starke Säule des Landes weiter zu entlasten, den Export zu fördern und den Standort fit für morgen zu machen. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und ermöglicht ihr, Jobs und Wertschöpfung in der Region zu sichern. Denn die regionale Wertschöpfung der Branche ist enorm: Jeder Euro, der in der Lebensmittelindustrie erwirtschaftet wird, löst 1,23 Euro an Wertschöpfung in anderen Unternehmen aus. Jeder Arbeitsplatz in der Lebensmittelindustrie bewirkt die Schaffung oder Absicherung von weiteren knapp zwei Arbeitsplätzen in Österreich.

Ein erfolgreiches Comeback schließt freilich ein sicheres und nachhaltiges Öffnen der Gastronomie, des Tourismus sowie der Event-und Kulturbranche mit einem zügigen Ausrollen der "COVID-19-Test- und Impfstrategie" ein. Auch das zeitnahe Impfangebot für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Produktion und Logistik sowie im Lebensmittel-Export tätig sind, ist dafür essentiell.

Koßdorff abschließend: "Für ein nachhaltiges Comeback im eigenen Land brauchen wir auch einen funktionierenden EU-Binnenmarkt. Nur ein solcher kann den heimischen Lebensmittelherstellern die Türen zu anderen Mitgliedstaaten reibungslos öffnen und den Warenverkehr sicherstellen. Das zeigen eindrucksvoll die Erfahrungen aus 25 Jahre EU-Mitgliedschaft Österreichs. Die heimische Politik ist daher im Interesse der Lebensmittelhersteller gefordert, den EU-Binnenmarkt zum Wohle des heimischen Wirtschaftsstandortes zu stärken und Tendenzen zur Re-Nationalisierung zu widerstehen. Neben gleichen Spielregeln für alle Marktteilnehmer brauchen wir offene Grenzen und eine faire internationale Handelspolitik."

Stellenwert der Lebensmittelindustrie in Österreich

Die Lebensmittelindustrie ist eine der größten Branchen Österreichs. Sie sichert im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten tagtäglich die Versorgung mit sicheren, qualitativen und leistbaren Lebensmitteln. Die rund 200 Unternehmen mit ihren 27.000 direkt Beschäftigten erwirtschaften jährlich ein Produktionsvolumen von über 9 Mrd. Euro. Rund 7,9 Mrd. Euro davon werden im Export in über 180 Länder abgesetzt. Der Fachverband unterstützt seine Mitglieder durch Information, Beratung und internationale Vernetzung.


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