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Industrie braucht Versorgungssicherheit, realistische Klimaziele und wettbewerbsfähige Preise

Gerade für Oberösterreich als Industriebundesland Nummer eins im heimischen Ranking ist die künftige Ausrichtung der Energie- und Klimapolitik in Europa von entscheidender Bedeutung. Dabei stellt die stabile und wettbewerbsfähige Versorgung mit Energie einen wesentlichen Faktor zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts und damit auch die vielen tausenden Arbeitsplätze dar.

V. l.: Spartengeschäftsführer Josef Schachner-Nedherer, Spartenobmann Günter Rübig und Erich Frommwald, Vorsitzender der Strategiegruppe Energie und Klima der Sparte Industrie.
© WKOÖ V. l.: Spartengeschäftsführer Josef Schachner-Nedherer, Spartenobmann Günter Rübig und Erich Frommwald, Vorsitzender der Strategiegruppe Energie und Klima der Sparte Industrie.

„Die Herausforderungen an das Energiesystem der Zukunft sind vielfältig und komplex. Führen diese doch zu einem radikalen Umdenken sowohl der Unternehmen als auch der Energieversorger. Rund 23 Prozent des Bruttoinlandsverbrauchs nach Energieträgern in Österreich werden in Oberösterreich benötigt. Die Sachgüterproduktion liegt in Oberösterreich mit ca. 43 Prozent im Spitzenfeld beim Endenergieeinsatz. Im Vergleich dazu werden in Österreich dafür rund 27 Prozent des Endenergieeinsatzes für die Sachgüterproduktion aufgewendet. Die Sparte Industrie stemmt sich daher entschieden dagegen, dass die großen Fortschritte der oö. Industrie in Sachen Energieeffizienz und Klimaschutz durch überzogene neue Vorgaben in Frage gestellt werden“, sagt Spartenobmann Günter Rübig.

Die Sparte Industrie arbeitet intensiv mit den Verantwortlichen auf nationaler und europäischer Ebene zusammen, um Ziele und Maßnahmen zu definieren, die sowohl der Wirtschaft als auch der Umwelt und dem Klima zugutekommen. „Dazu haben wir ein Ziel- und Maßnahmendreieck für die Energie- und Klimastrategie 2030 mit folgenden drei prioritären Handlungsfeldern definiert: Versorgungssicherheit, Energiepreise und Klimaziele“, berichtet Rübig.
Dreieck
© WKOÖ

 

Versorgungssicherheit bedeutet eine sichere und ständig bedarfsdeckende Energieversorgung für die oö. Industrie. Wettbewerbsfähige Energiepreise sind für die Erhaltung und den Ausbau des internationalen Industriestandortes Oberösterreich von immenser Bedeutung. Und realistische Klimaziele bedeuten keine Gefährdung des Standortes Oberösterreich. „Die Ziele einer Energie- und Klimastrategie müssen sich auch an jenen, wichtiger Wettbewerbsregionen orientieren. Wir produzieren in Oberösterreich in einem Hochlohnland und müssen daher in der Produktivität und Energieeffizienz auf höchstem Niveau arbeiten, um konkurrenzfähig zu sein. Beispielsweise hat ein Industriebetrieb einer energieintensiven Branche in Deutschland, je nach Höhe des Fremdstrombezugs, einen Kostenvorteil von 0,8 bis über 4 Millionen Euro gegenüber einem vergleichbaren Betrieb in Österreich. Auf internationaler Ebene müssen auch die Entwicklungen dahingehend weitergeführt werden, um eine Antwort auf die Mobilität der Zukunft zu finden. Dies können Verbrennungsmotoren, E-Mobilität oder – auch ergänzend – klimaneutrale, synthetische Kraftstoffe sein“, so der Spartenobmann.

„Der heimische Industriestandort kommt auch in Hinblick auf die zuletzt stark gestiegenen Strompreise weiter unter Druck. Die Teilung der deutsch-österreichischen Strompreiszone hat eine massive Benachteiligung der Unternehmen und insbesondere der stromintensiven Industrie mit sich gebracht. Es besteht Handlungsbedarf, denn die Mehrbelastungen sind für unsere Unternehmen auf Dauer untragbar“, sagt Rübig.

Die Industrie hat sich immer gegen die Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone ausgesprochen. „Nun stehen wir vor Strompreissteigerungen um zweistellige Prozentsätze. Damit wurden die offiziellen Prognosen einer Steigerung um 2 bis 3 Euro pro Megawattstunde (MWh) deutlich übertroffen“, so Rübig. Seit Oktober 2018, als die bislang gemeinsame Preiszone Österreichs und Deutschlands für Strom getrennt wurde, ist der Strompreis im Schnitt an der Börse je MWh um rund 6 Euro teurer. In Summe haben die Mehrkosten für Österreich aufgrund der entstandenen Strompreisdifferenz alleine an den Strombörsen den Wert von mehr als 100 Millionen Euro für den Zeitraum von Oktober 2018 bis Februar 2019 überschritten.

Eine kurzfristige Entwarnung für den Strompreis ist nicht absehbar. Eher sind zusätzliche Preissprünge durch den bevorstehenden Atom- und Kohleausstieg in Deutschland zu erwarten. „Ein rasches und entschlossenes Gegensteuern der Politik muss die entstehenden negativen Preiseffekte abfedern. Es gilt jetzt den regulatorischen Handlungsspielraum auf nationaler Ebene zu nutzen und durch entsprechende Entlastungen mit Deutschland gleichzuziehen“, unterstreicht Rübig. Grundsätzlich widerspricht die Trennung des Strombinnenmarkts an der Staatsgrenze dem Ziel der Energieunion diametral. Innerdeutsche Leitungsengpässe werden nur künstlich an die deutsch-österreichische Grenze verschoben. Hier ist Unionsrecht gefordert, um das verlorene Terrain wieder zurückzugewinnen.

Die Energie- und Klimastrategie 2030 im Detail

Als erstes strategisches Handlungsfeld wird das Thema „Versorgungssicherheit gewährleisten“ in der Strategie der Sparte Industrie behandelt.

Versorgungssicherheit als Standortgarantie

„Die sichere Versorgung mit Strom ist als entscheidender Standortfaktor für das Industriebundesland OÖ von größter Bedeutung. Mit einer überdurchschnittlich hohen Versorgungssicherheit zählt Österreich zwar zu den bestversorgten Ländern der Welt. Trotzdem steigt das Risiko eines Blackouts durch unterschiedliche Einflüsse stark an“, warnt Erich Frommwald, Vorsitzender der Strategiegruppe Energie und Klima der Sparte Industrie der WKOÖ. Die Auseinandersetzung mit den Folgen einer Versorgungsunterbrechung oder in weiterer Folge eines Blackouts ist aus Sicht der Sparte Industrie ein unumgängliches und ein essenziell wichtiges Thema. 

In den vergangenen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für die Stromerzeugung massiv geändert. Erneuerbare Energien aus dezentralen Erzeugungsquellen wie Photovoltaik oder Windkraft rücken in den Mittelpunkt und nehmen auch in der Energie- und Klimastrategie der Bundesregierung breiten Raum ein. Um diese volatilen Energieträger wirtschaftlich in das Netz integrieren zu können ist ein Ausbau von Speicherkapazitäten notwendig. 

Wettbewerbsfähige Energiepreise sichern Produktionsstandort

Ein weiteres Handlungsfeld stellen in der Strategie „wettbewerbsfähige Energiepreise“ dar. Faire und vergleichbare Rahmenbedingungen und Energiepreise mit wichtigen Handelspartnern sind Voraussetzung dafür, dass Österreich im internationalen Standortwettbewerb punkten kann. Der Anteil erneuerbarer Energie am Bruttoendenergieverbrauch soll laut Klima- und Energiestrategie des Bundes bis 2030 auf 45 bis 50 Prozent angehoben werden. Darüber hinaus ist vorgesehen, den Stromverbrauch 2030 vollständig aus erneuerbaren Energiequellen im Inland zu decken. Diese bilanzielle Eigenversorgung mit erneuerbarem Strom ist ohne rigorose Verbrauchssenkung nicht erreichbar, würde die Kosten für den notwendigen Umbau der Energieinfrastruktur unnötig erhöhen und damit den Produktionsstandort und wertvolle Arbeitsplätze gefährden.

Die Industrie hat unabhängig von verpflichtenden Zielen bereits ein Höchstmaß an Energieeffizienz umgesetzt. Die energieintensive Industrie sieht die Erreichung maximaler Energieeffizienz seit Jahren als Grundprinzip ihrer kaufmännischen Sorgfaltspflicht an. Die Optimierung des Energieeinsatzes in allen Prozessen hat die österreichischen Unternehmen nachgewiesenermaßen vielfach als Benchmarkführer in Europa etabliert.

Realistische Klimaziele für einen zukunftsfähigen Industriestandort

Abgeschlossen wird das „Strategiedreieck“ mit dem Handlungsfeld der realistischen Betrachtung der Klimaziele. Europa hat derzeit einen Anteil von rund 10 Prozent an den weltweiten CO2-Emissionen. Und Österreich hat mit einem Anteil von 2 Promille praktisch keinen Einfluss auf das globale Klima. Die Sparte Industrie fordert daher realistische Zielvorgaben für die Länder mit einer faktenbasierten Diskussion des Einflusses der EU auf den Klimawandel. Internationales Engagement ist das Gebot der Stunde.

Die Realisierung einer weitgehend fossilfreien Zukunft im Sinne des Pariser Klimaschutz-Abkommens ist eine der wesentlichsten Aufgaben dieses Jahrhunderts. Mit dem Ziel, die Treibhausgasemissionen in der Europäischen Union bis 2050 (gegenüber 1990) um 80 bis 95 Prozent zu senken, hat Europa einen ehrgeizigen Beitrag zur Begrenzung des globalen Klimawandels angekündigt. Diese Forderungen nach einer Dekarbonisierung in der Industrie sind jedenfalls mit einem realistischen Zeithorizont zu versehen.

Viele der derzeitigen Strategien und Maßnahmen zielen zudem auf ein kostspieliges System zur alleinigen Verhinderung der Auswirkungen der Klimaerwärmung. Es ist auch an der Zeit, dass sich die Politik etwaige Anpassungsstrategien überlegt. Dabei kann auch die heimische Wirtschaft einen wichtigen Beitrag leisten. Anlagen erhalten für ihre Emissionen aus der Erzeugung von Strom keine kostenlose Zuteilung mehr. Nun überwälzen sie ihre tatsächlichen CO2-Kosten auf den Strompreis. Damit reichen die Stromerzeuger die CO2-Kosten der Stromerzeugung an ihre Kunden weiter. Von diesen indirekten CO2-Kosten sind insbesondere stromintensive Industrieunternehmen massiv betroffen.

Die von der Industrie geforderte CO2-Kostenkompensation soll dazu dienen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen gegenüber Wettbewerbern zu erhalten, die keine derartigen Kosten tragen müssen. Produktionsverlagerungen und somit ein Anstieg der CO2-Emissionen in Ländern außerhalb des EU-Emissionshandelssystems (so genanntes Carbon Leakage (CL)) aufgrund indirekter CO2-Kosten in der EU, sollen dadurch verhindert werden.

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