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Freiräume für Innovationen schaffen

Fachkräfte, Steuerreform, Bürokratie, aber auch die  digitale Transformation und die Notwendigkeit, innovativ zu bleiben, hat Michael Pecherstorfer, Obmann der knapp 52.000 oö. Gewerbe- und Handwerksbetriebe, ganz oben auf seiner Agenda stehen hat.

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© wkoö Im Gespräch mit der OÖWirtschaft nahm Spartenobmann Michael Pecherstorfer zu den brennendstenen Themen ausführlich Stellung.

OÖW: Herr Spartenobmann, der Mangel an Fachkräften bzw. Lehrlingen ist derzeit das bestimmende Thema.
Pecherstorfer: Ja, und das wird uns auch in fünf Jahren noch beschäftigen, denn da werden in Oberösterreich 30.000 qualifizierte Kräfte fehlen, um 10.000 mehr als heute. Für das Gewerbe und Handwerk als mit Abstand größtem Lehrlingsausbildner im Land ist daher die Nachwuchsfrage von enormer Bedeutung.   
OÖW: Deshalb sind Sie auch mit Nachdruck am Attraktivieren der Lehrberufe?
Pecherstorfer: Wir arbeiten ständig an der Weiterentwicklung der Lehrberufe, an der Modernisierung der Lehrinhalte, etwa um der alle Lebens- und Berufsbereiche verändernden Digitalisierung gerecht zu werden. Es werden auch völlig neue Lehrberufe geschaffen. Ein Beispiel ist der Bau, wo man drei Lehrberufe neu definiert hat, einen gänzlichen neuen, die bautechnische Assistenz, geschaffen und eine Weiterqualifizierung im Anschluss an die Lehre eingeführt hat. Klar ist, nur wenn wir innovativ bleiben und die Lehre ständig weiterentwickeln, werden wir im Wettbewerb um die Jungen bestehen können.
OÖW: Im Wettbewerb mit den Schulen?
Pecherstorfer: Mit 13, 14 oder 15 Jahren fällt die Entscheidung, ob Berufseinstieg oder weiter in die Schule. Da reden natürlich die Eltern mit, die – und das muss man auch einmal sagen – häufig ein völlig falsche, überholte Vorstellung von der Lehre haben.
OÖW: Was sagen Sie diesen?
Pecherstorfer: Mit der Lehre ist man nicht nur in unserem Land eine hoch qualifizierte und gesuchte Fachkraft mit einem sicheren Einkommen und hat alle Chancen für spätere Karrieren. Man kann zusätzlich die Matura machen. Als Meister ist man dem Bachelor gleichgestellt. Und nicht zuletzt steht der Weg in die Selbständigkeit offen.    
OÖW: Dennoch ist das Finden von geeigneten Lehrlingen inzwischen zu einer Sisyphus-
Aufgabe geworden, wie man von Unternehmerseite immer wieder hört?
Pecherstorfer: Sisysphus-Aufgabe würde ich nicht gerade sagen, aber es ist uns bewusst, dass es aus demografischen Gründen in naher Zukunft nicht leichter wird. Deshalb rühren wir die Werbetrommeln, etwa über die Spartenkampagne „Darauf bin ich stolz“ oder über unsere Info-Schienen wko.at/ooe/handwerkslehre und lehrplatzinfo-ooe.at. Und deshalb unterstützen wir auch vollinhaltlich – unter anderem mit der Entwicklung neuer Berufsbilder – die duale Akademie, die Bildungsinnovation der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Die duale Akademie ist eine echte Innovation, denn damit holen wir jene junge Menschen in die Lehre, die bei der Entscheidung Schule oder Berufsausbildung einmal „falsch abgebogen“ sind.     
OÖW: Sollte man nicht schon früher ansetzen?
Pecherstorfer: Sie sprechen mir aus der Seele. Man sollte unvoreingenommen über neue Ausbildungsformen und neue Lerninhalte nachdenken, die Praxis und Theorie besser verbinden und möglicherweise ein oder zwei Jahre länger dauern. Auch die Fachhochschulen haben sich nach anfänglicher Skepsis zu einer etablierten Bildungsschiene entwickelt.  
OÖW: Qualifizierte Mitarbeiter sind also das Um und Auf?  
Pecherstorfer: Qualifizierte Mitarbeiter schaffen uns Spielraum. Den nötigen Spielraum, um im Wettbewerb zu bestehen, um unternehmerisch innovativ zu sein und sich einen Vorsprung zu erarbeiten oder um die Challenge Digitalisierung anzunehmen. Die digitale Transformation in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen wird auch am Gewerbe und Handwerk nicht spurlos vorübergehen.

„Wir brauchen Entlastung und Anreize für Investitionen. Das schafft die entsprechenden Freiräume für Innovationen.“
Michael Pecherstorfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKOÖ

OÖW: Zum Beispiel?
Pecherstorfer: Die digitalen Plattformen oder der 3D-Druck mit seinen Vorteilen der Individualisierung bei gleichzeitiger Automatisierung. Welche Chancen und Risken etwa im 3D-Druck schlummern, darüber haben wir eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse wir noch im ersten Halbjahr präsentieren werden. Hier geht es darum, unsere Möglichkeiten besser zu nützen. Übrigens ebenso wie im Export, wo unsere innovativen Betriebe ihr Potenzial noch zu wenig ausschöpfen.
OÖW: Mehr Kooperation wäre hier ein denkbarer Ansatz?
Pecherstorfer: Richtig, darauf setzen wir auch. Deshalb haben wir auch die Branchenverbünde geschaffen, in denen das Kooperative im Vordergrund steht und über Spartengrenzen hinweg Projekte umgesetzt bzw. Innovationen angestoßen werden. Davon haben letztlich alle was.
OÖW: Kommen wir zu einem Thema, das Ihnen ebenfalls besonders am Herzen liegt, die Überbürokratisierung.
Pecherstorfer: Ja, das leidige Thema der überbordenden Informations-, Aufzeichnungs- und Meldepflichten beispielsweise. Hier ist eine Bürokratie entstanden, die niemand mehr versteht. Ein Beispiel, wie überzogen das alles ist: Ein Betrieb muss für die Verwendung von Putzmitteln ein Sicherheitsdatenblatt ausfüllen, ein Privater nicht. Oder auf einer Baustelle muss der Unternehmer zig Dokumente für jeden einzelnen Mitarbeiter dabeihaben. Im Zeitalter der Digitalisierung und von E-Karten greift man sich da nur noch verwundert auf den Kopf. 
OÖW: Auch der Arbeitnehmerschutz wird immer wieder als Paradebeispiel für ausgeuferte Bürokratie genannt?
Pecherstorfer: Ja, das ist ein Ärgernis, ein Moloch, der Geld, Zeit und Nerven kostet. Der Arbeitnehmerschutz umfasst über 1000 Bestimmungen und 3000 Seiten Erlässe. Ob sich da noch wer auskennt? Gerade die vielen kleinen und mittleren Betriebe im Gewerbe und Handwerk brauchen da dringendst eine völlige Neukonzeption des Arbeitnehmerschutzgesetzes. Weiters gehören der Nutzen der teuren und zeitaufwendigen Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten hinterfragt sowie endlich das Kumulationsprinzip, also die Mehrfachstrafen für ein und dasselbe Delikt, gestrichen. Da brauchen wir endlich Entlastung, da gehe ich völlig mit Präsidentin Hummer konform.
OÖW: Auch im Steuer- und Abgabenbereich hat die Präsidentin jüngst Entlastungen gefordert?
Pecherstorfer: Auch da brauchen wir weniger Bürokratie und weniger Ballast. Das fängt schon bei der Lohnverrechnung an oder bei den lohnabhängigen Abgaben, die wir immer noch an mehrere Stellen abführen müssen. Ganz wichtig ist aus unserer Sicht die Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter auf 1.500 Euro, die generelle Senkung der Abgabenquote auf unter 40 Prozent, der Ausbau der Steuerpauschalierungen, flexiblere Abschreibungsmethoden sowie ein 30-prozentigen Investitionsfreibetrag.  
OÖW: Damit die Betriebe investieren können?
Pecherstorfer: Wir brauchen Entlastung auf der einen Seite und Anreize für Investitionen auf der anderen. Das schafft die entsprechenden Freiräume für Innovationen. Innovationen, die wir angesichts der Herausforderungen Globalisierung, Digitalisierung und einer sich eintrübenden Konjunktur brauchen.

Das oö. Gewerbe und Handwerk fordert:

Steuerlast senken
Neben einer generellen Senkung der Abgabenquote fordert das Gewerbe und Handwerk u.a.:

  • flexible (vorzeitig/degressiv) Abschreibungsmethode
  • Pauschalierungsmöglichkeiten ausbaue
  • Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter auf 1.500 Euro anhebe
  • Tarifstufen bei Lohn- und Einkommensteuer senken – kalte Progression streiche
  • 30-prozentigen Investitionsfreibetrag einführen

Bürokratie abbauen
Die Überbürokratisierung kostet nicht nur Geld, Zeit und Nerven, sie ist Hemmschuh für Investitionen und Innovationen. Deshalb braucht es ein konsequentes Durchforsten u.a. bei:

  • Arbeitnehmerschutz
  • Informations-, Melde-, Dokumentations- und Warnpflichten
  • Arbeitsrecht/Lohnverrechnung
  • Steuerbürokratie, z.B. Abführen aller lohnabhängigen Abgaben an eine Stelle
  • Genehmigungsverfahren

Fachkräfte sichern
Ausbildung steht ganz oben am Arbeitsprogramm. Konkrete Ziele sind:

  • Lehrinhalte modernisieren und digitalisieren
  • neue Berufsbilder für duale Akademie entwickeln
  • Ausbau/Attraktivierung der dualen Ausbildung mit neuen bzw. zusätzlichen Ausbildungsformen
  • Befähigungs- und Meisterprüfungen an NQR-Level 6 anpassen

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