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„Nur eine starke Industrie kann einen großen volkswirtschaftlichen Schaden abwenden“

Helmut Schwarzl, Obmann der Sparte Industrie der WKNÖ, im Interview über Veränderungen in der Branche, Teststraßen und Impfmöglichkeiten, das Ringen um Fachkräfte und eine gelungene Sozialpartnerschaft. 

Porträtbild
© Andreas Kraus

Wie meistert die Sparte Industrie die Corona-Krise?
Schwarzl: Die Industrie NÖ ist in der Krise sehr resilient. Natürlich gab es im April 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie gravierende Produktionseinbrüche zu verzeichnen. Die Industrie Niederösterreichs erholt sich jedoch schneller von den Auswirkungen im Vergleich zur gesamten Industrie Österreichs. Mehr als drei Viertel der Industrieunternehmen (77,2%) verzeichneten im Dezember bereits wieder eine Produktionsauslastung von über 80 Prozent. Da die Betroffenheit je nach Bereich sehr unterschiedlich war, haben wir eine Umfrage unter den Betrieben gestartet und daraus ein Aktionsprogramm entwickelt. Was die NÖ Industrie primär braucht sind krisenresiliente Infrastrukturen. Energie, Wasser, IKT – Versorgungsstrategien und Notfallpläne sind essentiell. Wir wollen, dass die Anliegen der NÖ Industrie gehört werden. Denn eine starke Industrie kann dazu wesentlich beitragen, einen großen volkswirtschaftlichen Schaden abzuwenden.

Gibt es in der Sparte Corona bedingte Veränderungen, die auch danach bleiben werden?
Die Covid-19-Pandemie wirkt beschleunigend auf die Digitalisierung und somit werden das IKT-Humankapital und die Infrastruktur noch wettbewerbsentscheidender. Hier müssen wir unsere Aktivitäten forcieren. Doch vor allem hat die Krise die Sozialpartnerschaft in Niederösterreich noch enger zusammengeschweißt. Gemeinsam ziehen Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und das Land NÖ an einem Strang. Wir tauschen uns regelmäßig aus und entwickeln für unsere Unternehmen wirksame Angebote und Initiativen.
Welche Vorteile sehen Sie im betrieblichen Testen und Impfen?
Die Sozialpartner WKNÖ und AK-­NÖ sind Vorreiter und haben seit Oktober kostenlose Tests angeboten. Mittlerweile bieten über 220 Unternehmen in Niederösterreich Teststraßen in ihren Betrieben an. Mir persönlich war es von Anfang an ein großes Anliegen, dass wir auch bei Geberit eine betriebliche Teststraße einführen. So leisten wir Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Mitarbeiter und deren Angehörigen. Es ist sehr erfreulich, dass unsere Belegschaft das Angebot auch stark nutzt. Bisher wurden über 1.400 Tests durchgeführt. Niederösterreich hat es auch als erstes Bundesland ermöglicht, dass sich Firmen als betriebliche Impfstellen registrieren lassen können. Diese Möglichkeit wird hervorragend angenommen und wir sind sicher, dass wir mit unseren Industriebetrieben einen wichtigen Beitrag leisten, um die Bevölkerung rasch zu impfen.

Wie schafft die NÖ Industrie nach der Krise den Aufschwung?
Der konsequente Ausbau der wirtschafts- und industrierelevanten Bildungsstrukturen in Niederösterreich, insbesondere vor dem Hintergrund der voranschreitenden Digitalisierung, ist ein wesentlicher Schlüsselfaktor für den Erhalt und Ausbau der Attraktivität des Industriestandortes, denn qualifiziertes Personal ist die Basis für den Erfolg.
Für die energieintensive Industrie Niederösterreichs ist aber auch eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen und stabilen Preisen von großer Bedeutung.
Untersuchungen aus bisherigen Wirtschaftskrisen bestätigen außerdem, dass Unternehmen, die in F&E investieren, widerstandsfähiger sind und sich rascher wieder erholen. So zeigen auch alle Umfrageergebnisse, dass die Krise für knapp ein Drittel der Befragten als Impulsgeber für neue Produkt- und Leistungsentwicklungen dient und 23 Prozent verstärkte Forschungs- und Innovationsaktivitäten planen. 
Was wird in der NÖ Industrie unternommen, um Fachkräfte auszubilden?
Modellhochrechnungen des IWI von 2019 zeigen, dass es einen zusätzlichen Bedarf von 1.800 bis knapp 2.000 Fachkräften allein in der NÖ metalltechnischen Industrie geben wird. Deshalb ist den NÖ Unternehmen Aus-, Weiterbildung und Qualifikation so wichtig. Egal ob die Schulausbildung, wie die Neue Mittelschule, HTL, Fachhochschule oder die Lehrlingsausbildung, die NÖ Industrie ist hier ein starker Partner und fördert Projekte und Initiativen in vielen Bereichen des Bildungssystems.
Welchen Ratschlag würden Sie zukünftigen Industrie-Lehrlingen geben?
Die NÖ Industrie bietet sichere Jobs mit Zukunft. Nach der Lehre stehen viele Karriereschritte offen und die Verdienstmöglichkeiten sind hervorragend. Wer sich für eine Industrie-Lehre interessiert, sollte sich anschauen, wie breit das Spektrum an Berufen ist.  Hier kann man aus dem Vollen schöpfen. Wichtig ist mir auch zu betonen, dass das ebenso für Frauen gilt!
Kommen wir zu Ihrer Funktion in der Interessenvertretung. Was hat Sie an der Funktion des Spartenobmanns gereizt?
Ich bin der Ansicht, dass eine industrielle Produktion ganz wesentlich die wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität eines Landes fördert.
Die Industrie hat in NÖ über die Jahre eine immer größere Bedeutung eingenommen und leistet einen maßgeblichen Beitrag für die Wertschöpfung und Schaffung von attraktiven Arbeitsplätzen. 
Zusammen mit meinem Team der Sparte und der Kammerorganisation sehe ich in meiner Funktion die Chance, unsere Betriebe dahingehend zu unterstützen, dass diese positive Entwicklung der Industrie fortgesetzt werden kann.  Gerade in einer Zeit des vielfältigen Wandels ist das eine spannende Aufgabe. Zusätzlich motiviert mich die Kultur der konstruktiven Zusammenarbeit, die zwischen allen Beteiligten in unserem Land NÖ vorherrscht.

Der Spartenobmann ganz persönlich...

Helmut Schwarzl, geboren 1962, ist Geschäftsführer bei Geberit
(Pottenbrunn, St. Pölten). Er selbst begann seine Berufslaufbahn als HTL-Absolvent und hat in der Folge im zweiten Bildungsweg Wirtschaftsingenieurwesen für Maschinenbau studiert.

Vor der Übernahme seiner Funktion bei Geberit war er für die Firmen Siemens, Delphi Automotive Systems und Rehau tätig. Seit Mai 2020 ist er Obmann der Sparte Industrie in der WKNÖ. Außerdem ist er Obmann FG chemische Industrie NÖ, Stellvertretender Obmann FV chemische Industrie Österreich, Obmann Berufsgruppenausschuss der kunststoffverarbeitenden Industrie Österreich und Bildungssprecher der Bundessparte Industrie.

Schwarzl ist verheiratet, hat zwei Kinder. Zu seinen Hobbys zählen Musik, Garten und Handwerk, er betreibt unterschiedlichste Sportarten  als Ausgleich, und ist Präsident des Fußballklubs spusu SKN St. Pölten.

Word-Rap

Impfen – alternativlos

Natur - Liebhaber

Durchblick – erleichtert vieles

Unterstützung – moralische Pflicht

SKN - aufregend

Technik – nicht nur Männersache

Risiko – mit Maß und Ziel

Ideal – ein Ansporn

Entspannung – muss sein 

NÖ Industrie: 

  • Aktive Mitglieder: 976
  • Unselbständig Beschäftigte: 79.101
  • Anteil an Bruttowertschöpfung NÖ: 13,5 %
  • Lehrlinge: 2.623, davon 635 im ersten Lehrjahr
  • Neugründungen 2020: 22
  • Anteil an Bruttowertschöpfung
    innerhalb der Industrie NÖ: 27,3%


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