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Niederösterreichs Unternehmen spielen am russischen Markt mit

Seit heute Donnerstag dreht sich für alle Fußballbegeisterten in den kommenden vier Wochen alles um das runde Leder.

Die Fußball-WM in Russland stärkt aber auch den russischen Markt, wovon NÖ Unternehmen profitieren können.
Fußballstadion
© Fotolia

Die Stimmung im Gastgeberland des FIFA World Cup 2018 ist euphorisch, selbstverständlich gibt es auch direkte und langfristige positive Auswirkungen dieser Veranstaltung auf Russland“, erklärt der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Moskau, Rudolf Lukavsky, der auch wegen der generellen Erholung der russischen Wirtschaft den Aufwärtstrend längerfristig sieht.

Bei den österreichischen Exporten verzeichnete Gesamtösterreich im letzten Jahr einen kräftigen Anstieg von 16,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Auch die russischen Exporte nach Österreich stiegen um 12,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Lukavsky: „Die Rekordwerte von 2013 – vor der Krise – als die österreichischen Exporte 3,5 Milliarden Euro erreichten, sind dennoch in weiter Ferne.“ 

NÖ exportiert Waren im Wert von 260 Millionen

Insgesamt sind in ganz Russland 1.200 österreichische Firmen aktiv, die meisten schon seit vielen Jahren, knapp 700 davon mit eigenen Niederlassungen.
Auch für Niederösterreichs Unternehmen ist Russland ein wichtiger Markt. Im Jahr 2016 exportierten blau-gelbe Betriebe Waren im Wert von 260,2 Millionen Euro nach Russland – umgekehrt wurden im selben Jahr Warenimporte aus Russland im Wert von 496,5 Millionen Euro verzeichnet.

Dass Produkte aus Niederösterreich in Russland gefragt sind, zeigte sich bereits im Vorfeld der Fußball WM. „Gabriel-Chemie ist uns dabei  als erfreuliches Beispiel einer entstandenen Beteiligung bekannt: Die Gumpoldskirchner Masterbatcher (Kunststoffadditive in Form von Granulaten mit Gehalten an Farbmitteln) haben in den meisten der zwölf WM-Stadien Materialen für die Einfärbung der Stadionsitze geliefert. Dieser Auftrag bringt Gabriel-Chemie auch einen Aufschwung für weitere Geschäfte in Russland. Das Unternehmen baut nun einen eigenen Produktionsstandort in Kaluga, 160 Kilometer südlich von Moskau“, weiß der Wirtschaftsdelegierte.

Auch die St. Pöltner Voith Hydro GmbH & Co KG, die gemeinsam mit Russlands größtem Stromerzeuger aus Wasserkraft eines der größten Wasserkraftwerke des Landes modernisiert oder die Pöchlarner LB Ceramics, Weltmarktführer bei Keramikfliesen, die seit 2009 ein eigenes Werk in Ufa/Baschkortostan betreibt und bereits ein Neues plant, sind gute Beispiele für den Erfolg der heimischen Firmen. Auch der Wolkersdorfer Gewürzhersteller Kotányi GmbH ist wieder höchst erfolgreich und erwirtschaftete im Jahr 2017 am russischen Markt ein Plus in der Höhe von 16 Prozent – 35 Millionen Euro.

„Made in Austria“ ist in Russland gefragt

Diese Beispiele zeigen: Österreich genießt in Russland nach wie vor ein ausgezeichnetes Image: Waren und Dienstleistungen ,Made in Austria‘ stehen für höchste Qualität. Österreichische Firmen, die neu auf den russischen Markt kommen, haben damit einen Startvorteil gegen Konkurrenten aus dem asiatischen Raum. Da die Rahmenbedingungen dennoch herausfordernd sind, erwägen viele österreichische Unternehmen die Errichtung einer lokalen Produktion“, weiß Lukavsky. Die Chancen am Markt seien nach wie vor da, „die Beziehungen wachsen wieder, wenn auch nicht rasant...“


Interview mit Rudolf Lukavsky, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Moskau

Rudolf Lukavsky, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Moskau.
© WKÖ Rudolf Lukavsky, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Moskau.

„In Russland braucht man Improvisation & Flexibilität“


Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die Fußball WM auf Russland?

Lukavsky: Unmittelbar ist der Tourismus betroffen. Der russische Tourismusverband erwartet 1,5 Millionen ausländische Besucher, die während der WM bis zu 1,7 Milliarden Euro ausgeben sollen. Besonders profitieren die weniger bekannten Austragungsorte wie Saransk oder Rostow am Don. Experten schätzen den Gesamteffekt der WM seit 2013 auf rund ein Prozent des jährlichen BIP Russlands.
 
Besteht die Chance, dass durch die WM die Sanktionen überdacht werden?

Nein, unmittelbar nicht. Durch die breite Berichterstattung und auch die persönlichen Eindrücke von mehr als eine Million ausländischen Besuchern hat aber Russland die Gelegenheit, ein differenzierteres und positiveres Bild seines Landes zu schaffen. Sportliche Großereignisse können auch in politisch schwierigeren Zeiten Brücken bauen.

Welche Tipps geben Sie unter Berücksichtigung der aktuellen Situation zum Einstieg in den russischen Markt?
Improvisationsgabe und Flexibilität sollten im Russland-Gepäck von Anfang an keinesfalls fehlen. Wenn der Einstieg einmal geglückt ist, braucht es noch eine kräftige Portion Hartnäckigkeit, aber auf lange Frist bieten sich enorme Chancen.
Die aktuelle Situation ist zwar durch die Sanktionen erschwert, jedoch mit positiven Tendenzen: Russland hat die Wirtschaftskrise, die ab 2014 eingesetzt hatte, überwunden. Die Wirtschaft und auch die gegenseitigen Handelsbeziehungen mit Österreich wachsen wieder – nicht rasant, aber beständig.

Welche Hürden gibt es – außer den Sanktionen?
Kulturelle oder sprachliche Hürden machen sich kaum bemerkbar. Russische Firmen sind generell zuverlässige Geschäftspartner, die an langfristigen Beziehungen interessiert sind.
Um Streitigkeiten zu vermeiden oder bei allfälligen Gerichtsverfahren seine Ansprüche durchsetzen zu können, sollte man allerdings alle Verpflichtungen und Ansprüche im Detail besprechen und schriftlich in Verträgen festhalten. Wichtig ist auch die sorgfältige Auswahl und Überprüfung der russischen Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten. Wir bemerken, dass die österreichischen Firmen diese Faktoren sehr ernst nehmen.

Welche Branchen sind für Russland interessant?
Der Ausbau der russischen Infrastruktur im Zuge der Seidenstraße, künftige Großprojekte wie Nord Stream 2 und die Verlängerung der russischen Breit-spur bis Österreich bringen ein riesiges, zusätzliches Potenzial. Auch die Entwicklung des russischen Wintersportsektors bietet besonders gute Chancen. Darüber hinaus sind Innovationen und Digitalisierung sowie Technologie im Fahrzeug- und Maschinenbau interessante Bereiche.

Besonders dynamisch entwickeln sich die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion: Von Landmaschinen und Ausrüstungen über Zuchttiere bis hin zu Internet of things (IoT)-Lösungen sehen wir hier gute Chancen für österreichische Firmen. Bisher weniger beachtete Bereiche wie Alternativenergie, Energieeffizienz und Umweltschutz bieten ebenso verstärktes Potenzial für gemeinsame Projekte in Russland. Die Branchen, in denen österreichische Investoren bisher die größten Erfolge verzeichnen, sind Öl und Gas, Banken, Holz- und Papierindustrie, Baustoffe und Energie.

Wer wird Weltmeister?
So leid es mir für den Gastgeber tut: Mein Tipp ist Deutschland. Nicht einmal die Optimisten unter den Russen gehen von großen Erfolgen der eigenen Mannschaft aus, aber lassen wir uns überraschen.



Interview mit Erwin Kotányi, General Manager, Kotányi GmbH

Erwin Kotányi, General Manager, Kotányi GmbH
© Kotányi Erwin Kotányi, General Manager, Kotányi GmbH


Vor kurzem wurde die neue Produktionsstätte in Wolkersdorf eröffnet. Welche Ziele sind damit verbunden?
Kotányi: Die neue Halle beinhaltet eine Rohstofflagerhalle sowie eine Produktionshalle. Im August werden die Maschinen für die Produktion installiert. Der Bau wurde notwendig, gerade auch wegen des starken Wachstums am russischen Markt, der sich für Kotányi im letzten Jahr mit einem zweistelligen Plus niederschlug. Wir haben in Russ-land einen Marktanteil von 14 Prozent, in manchen Regionen wie rund um Moskau sogar um die 20 Prozent. Mit dieser Erweiterung sollten wir für das Wachstum der nächsten ein bis zwei Jahre gerüstet sein.  

Welche Auswirkungen haben die Russland-Sanktionen auf Ihr Geschäft?

Wir haben zu Beginn der Sanktionen etwa ein halbes Jahr mit den Zollbehörden verhandeln müssen. Schlussendlich konnten wir sie aber davon überzeugen, dass die Produkte aus Ländern außerhalb der EU stammen und „nur“ die Produktion in Österreich passiert. Es standen aber auch Überlegungen im Raum, die Produktion zu verlegen. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir nun sagen können, wir haben Lösungen gefunden, um mit unserem Gesamtsortiment in Russland vertreten zu sein.

Erwarten Sie durch die WM ein Umdenken bezüglich der Sanktionen? 
Da Handelsbeziehungen auf einer anderen Ebene ablaufen, gehe ich nicht davon aus, dass es Auswirkungen geben wird.

Was raten Sie für den Eintritt in den russischen Markt?

Russland ist bekannterweise ein riesiger Markt. Ich rate zur Fokussierung auf Regionen und Analyse, welche Mitbewerber bereits aktiv sind. Zu Bedenken ist das Risiko des Rubels. Er kann schnell fallen, man braucht finanzielle Rückendeckung. Und noch ein Tipp: Setzen Sie auf lokale Personen, die gut in Russland vernetzt sind. 


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