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Projekt „proaktiv NÖ“: 1.500 Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose

Gemeinsame Initiative von WKNÖ, AK NÖ, Land NÖ und AMS

Gruppenfoto  „proaktiv NÖ“
© photonews.at/Georges Schneider V.l.: WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker, Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger, Leiterin des AMS Baden Christine Grill-Eisner, AMS NÖ-Chef Sven Hergovich und AKNÖ-Präsident Markus Wieser.

Die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich geht markant zurück und die Zahl der Langzeitarbeitslosigkeit konnte binnen eines Jahres halbiert werden. Dennoch: Jede_r fünfte jobsuchende Niederösterreicher_in ist mindestens ein Jahr oder länger auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Arbeitsmarktservice (AMS), Land und die niederösterreichischen Sozialpartner starten nun eine gemeinsame Beschäftigungsinitiative: 1.500 Langzeitarbeitslosen soll damit der beruflichen Wiedereinstieg gelingen. Vertiefte Beratung, gemeinnützige Arbeitskräfteüberlassung und geförderte Beschäftigung sind die Kernstücke der Aktion. Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger, AMS NÖ-Chef Sven Hergovich, Arbeiterkammer NÖ-Präsident Markus Wieser, Wirtschaftskammer NÖ-Präsident Wolfgang Ecker und die Leiterin des AMS Baden, Christine Grill-Eisner, präsentieren das Programm im Kampf gegen Arbeitslosigkeit.

Die niederösterreichische Arbeitslosenquote ist im Vergleich zum Vorjahr um 2,3%-Punkte auf mittlerweile 5,5% gesunken. Anhaltende Arbeitskräftenachfrage und die konsequente Vermittlungsstrategie des AMS sorgen für rasch besetzte Arbeitsplätze und mehr Arbeitsaufnahmen aus der Arbeitslosigkeit: Von Jahresbeginn bis Ende April +34,3% mehr Stellenbesetzungen (auf 26.705) und +5,4% mehr Arbeitsaufnahmen von Jobsuchende (36.131).

Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger: „In Niederösterreich pflegen wir eine enge Zusammenarbeit mit dem AMS NÖ und den Sozialpartnern, um Menschen am Arbeitsmarkt eine Perspektive zu geben. Gemeinsam haben wir heuer für Arbeitsmarkt-Projekte insgesamt rund 100 Millionen Euro in die Hand genommen“, und weiter: „Wir sehen, unsere Maßnahmen greifen. Erstmals nach elf Jahren liegt die Zahl der Arbeitslosen in Niederösterreich mit 37.958 deutlich unter der 40.000-Marke. Ein Ergebnis das zuletzt im April 2011 gemessen wurde.“

Eine gravierende Folge von Arbeitsmarkt-Krisen wie die Corona-Pandemie ist jedoch steigende Langzeitarbeitslosigkeit. 8.098 Personen in Niederösterreich suchen bereits seit einem Jahr oder länger nach einem neuen Arbeitsplatz. Das sind 5x so viele Personen als vor der Finanzkrise 2008.

Projekt „proaktiv NÖ“: Beratung, Arbeitskräfteüberlassung und geförderte Beschäftigung

„Wir lassen am Arbeitsmarkt niemanden zurück!“, so lautet die Devise von AMS NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich. „Im Rahmen der Aktion Sprungbrett werden wir in Zusammenarbeit mit dem Land und den niederösterreichischen Sozialpartnern Budgetmittel in der Höhe von über elf Millionen Euro in die Hand nehmen, um langzeitarbeitslosen Jobsuchenden einen maßgeschneiderte Wiedereinstieg ins Erwerbsleben zu ermöglichen. 1.500 Personen sollen heuer davon profitieren“, so der AMS NÖ-Chef.

Das Projekt „proaktiv NÖ“ ist auf drei Säulen aufgebaut:

  • Individuelle Beratung und Betreuung durch externe Trainer_innen, um Vermittlungs-Barrieren abzubauen und den Berufseinstieg maßgeschneidert vorzubereiten.
  • Gemeinnützige Arbeitskräfteüberlassung: Personalberater_innen unterstützen bei der Suche nach geeigneten Beschäftigern am ersten Arbeitsmarkt, begleiten den Integrationsprozess und bieten den Unternehmen Lohnkostenförderungen an. Das AMS rechnet damit, dass 45% der Teilnehmer_innen auf diese Weise einen fixen Arbeitsplatz finden.
  • Geförderte Beschäftigung: Zusätzlich bietet das AMS NÖ Personen mit erhöhtem Betreuungsbedarf die Möglichkeit, bei Kooperationspartnern in einem geschützten Rahmen Dienstleistungen zu verrichten. Neben berufsrelevanten Fertigkeiten werden hier auch soziale Kompetenzen wie Arbeitshaltung und Zeitmanagement gefördert. Das Ziel ist auch hier in weiterer Folge die Beschäftigung in einem regulären Dienstverhältnis.

Das Projekt „proaktiv NÖ“ hat mit 1. April an drei Standorten in ganz Niederösterreich seine Arbeit aufgenommen. 1.092 Langzeitarbeitslose nutzten per 10. Mai das Angebot. Erste Erfolge sind bereits sichtbar: 31 Personen haben ein fixes Dienstverhältnis.

Potenziale für die Wirtschaft nutzen

„Bei den niederösterreichischen Unternehmerinnen und Unternehmer sprechen wir mittlerweile von einem Mitarbeitermangel. Jede zehnte Stelle kann in den Betrieben nicht mehr besetzt werden. Als Wirtschaftskammer NÖ unterstützen wir daher unsere Unternehmen mit verschiedenen Maßnahmen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bekommen. Denn wir müssen jedes Potenzial nutzen. „proaktiv NÖ“ ist ein weiterer wichtiger Baustein, damit dies gelingt“, so Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer.

AMS: Intensive Beratung und Vermittlung senkt Langzeitarbeitslosigkeit

Intensive Beratung und Vermittlung sind die zentralen Hebel im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit. Um mehr Zeit für die Betreuung unserer arbeitslosen Kundinnen und Kunden zu gewinnen, hat das AMS im letzten Jahr eine Organisationsreform bei allen 22 Geschäftsstellen in Niederösterreich umgesetzt. Darüber hinaus wurde in von Langzeitarbeitslosigkeit besonders betroffenen Regionen (urbane Zentren, Raum um Wien) das Beraterinnenteam verstärkt. 16 erfahrene AMS-Mitarbeiter_innen werden sich in um jene Kund_innen kümmern, die bereits drei Jahre oder länger auf Jobsuche sind.

Die Badener AMS-Geschäftsstellenleiter, Christine Grill-Eisner, aus der Vermittlungspraxis: „Ein wesentlicher Vorteil dieser Betreuungsstrategie, ist der intensive Kontakt mit unseren langzeitarbeitslosen Kund_innen. Diese Gespräche finden ausschließlich persönlich und in kurzen Intervallen, alle 14 Tage statt. Durch diese intensive Betreuung kann auf Veränderungen rasch und punktgenau reagiert werden.“     

In den ersten vier Monate dieses Jahres haben die Berater_innen des AMS in Niederösterreich bereits 282.365 Vermittlungsvorschläge ausgegeben. Das sind 9,0% mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres.

AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB Niederösterreich-Vorsitzender Markus Wieser betont: "Studien haben gezeigt: Wer derzeit länger als neun Monate arbeitslos ist und sich bewirbt, hat eine um 30 Prozent geringere Chance, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Daher ist es besonders wichtig, hier gegenzusteuern und mit der Aktion "Proaktiv NÖ" eine verstärkte individuelle Orientierung zu ermöglichen. Wir unterstützen daher alles, was nachhaltige Beschäftigung ermöglicht. Natürlich ist uns dabei wichtig, dass faire Bedingungen herrschen. Diese Initiative gibt sowohl den Arbeitnehmern, als auch den Unternehmern die Möglichkeit, einander besser kennen zu lernen. Und natürlich gehen wir davon aus, dass es in sehr vielen Fällen auch zu einer langjährigen Übernahme kommt."

Zwischenbilanz der Aktion Sprungbrett in NÖ: 4.670 Personen haben davon profitiert

Mit der Aktion Sprungbrett hat das AMS Niederösterreich gemeinsam mit dem Land und den Sozialpartnern seit Juli des vergangenen Jahres eine attraktive Lohnkostenförderung für Betriebe bereitgestellt. Insgesamt werden in diesem Jahr für dieses Fördermodell rund 40 Mio € reserviert, um den beruflichen Wiedereinstieg von Langzeitarbeitslosen zu unterstützen. Seit dem Start der Aktion im Juli des Vorjahres haben 4.670 Personen von den Förderungen im Rahmen der Aktion Sprungbrett profitiert.

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