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NÖ Handel fordert mehr Fairness

Die digitale Transformation macht sich im auch im NÖ Handel immer stärker bemerkbar. Fast 60% der NiederösterreicherInnen kaufen bereits im Netz ein.

Die digitale Transformation macht sich im auch im NÖ Handel immer stärker bemerkbar. Fast 60% der NiederösterreicherInnen kaufen bereits im Netz ein.
© Josef Bollwein Die digitale Transformation macht sich im auch im NÖ Handel immer stärker bemerkbar. Fast 60% der NiederösterreicherInnen kaufen bereits im Netz ein.

„1,25 Mrd. Euro macht die Summe der niederösterreichischen Onlinekäufe aus“, weiß Franz Kirnbauer, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ). Zunehmend Sorgen bereitet ihm die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der heimischen Ausgaben beim Online-Shopping zu Anbietern ins Ausland abfließen. Der österreichische Handel, so Obmann Kirnbauer, sei hier allerdings im Wettbewerb krass benachteiligt: „Noch immer ist es so, dass die großen internationalen Anbieter de facto keine Ertragsteuer zahlen.“ 

Obmann Kirnbauer fordert hier mehr Anstrengungen auf europäischer Ebene: „Es kann nicht sein, dass die EU den Betrieben laufend neue Vorschriften aufhalst, gleichzeitig aber beim Onlinehandel die Meinung vertritt, man könne hier aufgrund der Komplexität des Steuersystems nichts machen.“ Nationalen Alleineingängen, wie etwa der vieldiskutierten Ausdehnung der Werbegabe auf digitale Inhalte, erteilt Kirnbauer eine Absage: „Diese trifft wiederum nur die kleinen, heimischen Betriebe.“ 

Falsch deklarierte Pakete

In diesem Zusammenhang macht der NÖ Spartenobmann auf eine andere Wettbewerbsverzerrung aufmerksam, die sehr wohl auf nationaler Ebene gelöst werden könne: „Pakete aus Drittländern unter 22 Euro sind von der EU mehrwertsteuerbefreit und haben eine Zollfreigrenze von unter 150 Euro. Ernstzunehmenden Schätzungen zu Folge überschwemmt China die EU mit rund 45.000 Paketen täglich, davon werden rund 90 % unter der 22 Euro Umsatzsteuer- Grenze deklariert.“ Die Vermutung, dass hier in großem Stil getrickst werde, sei durchaus berechtigt. Die EU wird die Steuerbefreiung erst 2021 abschaffen: „Österreich soll diese Abschaffung vorziehen und sofort umsetzen“, fordert Franz Kirnbauer. Schließlich sei es eine klare Wettbewerbsverzerrung, wenn österreichische Händler zahlen müssen, während für kleinere – vielfach offensichtlich falsch deklarierte - Pakete aus China nichts entrichtet wird. 

Verlässlicher und guter Arbeitgeber 

Über 15.000 Handelsunternehmen haben ihren Sitz in Niederösterreich und erwirtschaften 49,4 Mrd. Euro netto. Rund 116.000 ArbeitnehmerInnen sind in der Branche tätig. „Der Handel ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsbereich, sondern auch ein guter Arbeitgeber“, betont Spartenobmann Kirnbauer. Er biete gute Aufstiegsmöglichkeiten, viele Jobs in den Regionen und Teilzeitmöglichkeiten. 

Im Kollektivvertrag wurden die Einstiegsgehälter angehoben und die Lehrlingsentschädigung deutlich erhöht. „Trotzdem wird es immer schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden und speziell junge Leute für eine Ausbildung im Handel zu begeistern“, sagt Kirnbauer. Verstärkte Anstrengungen setzt die Branche in der Weiterqualifikation der MitarbeiterInnen: „Die digitale und stationäre Welt im Handel wachsen zusammen.“ Mit dem neuen Lehrberuf E-Commerce Kaufmann und dem Schwerpunkt digitaler Verkauf im Einzelhandel seien nun die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass entsprechendes, digitales Verkaufs-Know-how bereits in der Berufsausbildung vermittelt wird.

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