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Genetiker Hengstschläger: Lösungsbegabung noch nie so wichtig

Die Bereitschaft, Probleme zu lösen, lässt sich trainieren, ist Genetiker Markus Hengstschläger überzeugt. Ein Interview von Mut und Angst bis zum Medici-Effekt.

Markus Hengstschläger sitzt an einem Tisch und gestikuliert mit den Händen, nebenbei seine Bücher.
© Chris Kneissl Genetiker Markus Hengstschläger mit seinem neuen Buch.
In „Die Durchschnittsfalle“ haben Sie aufgerufen, Talente zu nutzen. Jetzt stellen Sie im Neuen Buch Trainieren einer Lösungsbegabung ins Zentrum. Ein Widerspruch?

Ganz und gar nicht. Für mich stellt sich die Frage, was die wichtigste Begabung ist, die man jetzt fördern kann, soll und muss. Da geht es vor allem darum, Neues zu schaffen. Und wenn es um Neues geht, ums Lösen von Herausforderungen, dann werden alle Talente ohne eine geförderte Lösungsbegabung vertrocknen. Das gilt für jeden Bereich, vom Handwerk bis zur Wissenschaft.  

Wo liegt der Schlüssel für diese Lösungsbegabung?

Begabung ist ein Potenzial. Das ist auch genetisch mitbestimmt und auch frühkindlich mitgeprägt. Aber dieses Potenzial muss vor allem auch durch Lernen und Üben entwickelt und ein Leben lang gepflegt werden.  

Wann sollte dieser Prozess beginnen?

Vom Kleinstkindalter an. Wir müssen Kindern das Gefühl und die Zeit geben, dass sie selbst Lösungen entwickeln können. Wir dürfen Ihnen nicht alles vorzeigen. Sie müssen die Chance haben, selbst den Lösungsfindungsprozess kennenzulernen. Wenn ich das in der Kindererziehung lebe, schaffen wir Generationen, die Lösungen finden wollen, können und sich auch, ganz wichtig, in kollektive Lösungsprozesse einbringen – ob es um Pandemien, Terrorismus, Flüchtlingskrisen oder Rassismus geht.  

Wie ist da das Bildungs­system gefordert?

Bildung ist die zweite Ebene, die die im Kindesalter aufgebaute Lösungsbegabung weiter fördern muss. Da muss einmal geklärt werden, was wir sicher wissen. 
a² + b² = c² wissen wir, dass Penicillin gegen Bakterien hilft auch. Dieses bestehende gerichtete Wissen müssen wir weitergeben, da stehen Lösungen fest. Aber wissen wir, wie Häuser in 20 Jahren ausschauen werden? Für solche Fragen, für die wir noch kein bestehendes, gerichtetes Wissen haben, brauchen wir ein Konzept der ungerichteten Bildung, ungerichtete Kompetenzen – kritisches und kreatives Denken, Kommunikation, Teamfähigkeit, emotionale
und soziale Intelligenz, Ethik und Vieles mehr. Gerichtete und ungerichtete Bildung sind beide unverzichtbar.  

Wie halte ich die als Kind entwickelte Lösungsbegabung aktiv?

Ganz zentral dabei ist die Frage, was mich abhält, Neues zu probieren, neue Lösungen zu suchen. Dazu gehört auch das richtige Verhältnis von Mut und Angst. Angst ist ein hochwichtiges Gefühl, ohne das der Mensch bis heute nicht überlebt hätte. Angst macht konzentriert. Angst stellt sicher, dass es einen Abwägungsprozess gibt. Ohne Abwägung landet Mut ganz schnell bei Dummheit. Klar ist aber auch, dass zu viel Angst lähmt. Da helfen mir alle Begabungen auch nichts mehr. Es braucht die Gratwanderung zwischen Mut und Angst.  

Bremst es die Problemlösungsbegabung, wenn man sich  immer in der gleichen Community bewegt?

Dann tut sich oft wenig betreffend neue Lösungen. Ein Gegenkonzept beschreibt der so genannte Medici-Effekt. Die Familie der Medici hat ihren Erfolg einerseits darauf gebaut, dass sie sehr innovativ waren. Andererseits haben sie als Mäzene gezielt Schnittstellen ermöglicht - Schnittstellen zwischen Menschen verschiedener Kulturen und Disziplinen, Künstlerinnen und Künstler, Menschen aus dem Handwerk, der Politik, der Wissenschaft, ganz egal. Denn sie sind – zu Recht - davon ausgegangen, dass an Schnittstellen von Menschen wahrscheinlicher neue Lösungen entstehen. Wir müssen für neue Lösungen solche Schnittstellen gesellschaftlich ermöglichen und zugleich auch individuell suchen. Und wir müssen achtsam und mit offenen Augen durch das Leben gehen. Wer das tut, kann sogar Lösungen finden, die er gar nicht gesucht hat – wie Fleming, als er das Penicillin entdeckt hat. 

 
Überwindung der Angst und Wachsamkeit sind Schlüsselfaktoren?

Wohl wissend, dass es mehr und auch alle Übergänge gibt, könnte man vereinfacht von drei Gruppen in der Gesellschaft sprechen: Erstens blauäugige Optimisten, die davon ausgehen, dass jemand das Problem für sie löst, weil es sich ja schon immer ausgegangen ist. 
Zweitens eingefleischte Pessimisten, für die sich nichts ausgeht, weil der Mensch im Grunde schlecht ist – was übrigens nicht stimmt. Und drittens: Die Ermöglicher. Die sagen „einfach wird‘s nicht, aber wenn ich meinen Beitrag leiste, dann kriegen wir das hin.“ Und um diesen persönlichen Beitrag geht es. 

Ist die Zukunft heute weniger vorhersehbar als früher?

Manche sagen, sie sei vorhersehbarer, siehe digitale Transformation, Big Data, KI & Co., die wir nutzen können. Andere sehen Unwägbarkeiten wie noch nie, etwa Klimaveränderung, Corona, etc. Beides stimmt. Aber: Noch nie war die Frequenz an vorhersehbaren, wie auch unvorhersehbaren Problemstellungen so hoch, wie in unserer jetzigen so schnelllebigen Zeit. Daher war Lösungsbegabung noch nie so wichtig wie heute. 

Drei Bücher „Die Lösungsbegabung“ zu gewinnen


Wir verlosen drei signierte Bücher „Die Lösungsbegabung“.
E-Mail mit Namen, Adresse, Telefonnummer und Betreff „Hengstschläger“ senden an: gewinnspiel@wknoe.at

Einsendeschluss: 28. November 2020.

Weitere Teilnahmemöglichkeit unter wko.at/noe/gewinnspiel

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