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Eine Lehre bietet auch für Erwachsene eine Top-Chance

Tabea Walla hat sich nach Matura und Kolleg dazu entschlossen, theoretisches Wissen und Praxis zu ver­netzen: Mit 22 Jahren hat sie die Tischler-Lehre im Tradtionsbetrieb Krumböck begonnen, eine ideale Ergänzung für ihre davor abgeschlossenen Ausbildungen. Nun kann sie ihre Begabungen bestens ausleben.

Foto in der Werkstatt.
© Tischlerei Krumböck Tischler-Lehrling Tabea Walla und Lukas Zawodsky bei der Oberflächenbehandlung von Massivholzmöbel.

„Wenn man als Erwachsener eine Lehre beginnt, hat man genauere Vorstellungen von dem, was man erreichen und was man in der Ausbildung erlernen möchte. So kann man gut auf seine Ziele hinarbeiten. Man ist tendenziell motivierter und kann durch eine Vorbildung das zusätzlich Erlernte einordnen und Zusammenhänge sehen.“ Tabea Walla hat nach der Matura im Kolleg für Bautechnik ein Design-Kolleg abgeschlossen und erkannt, dass sie beruflich eher im technisch-planerischen Bereich verankert ist. Das erlernte theoretische Wissen wollte sie mit der Praxis verknüpfen. Um ihre Begabungen bestmöglich zu nutzen, hat sie deshalb mit 22 Jahren eine Tischlerlehre begonnen: „Meine Leidenschaft ist es, Möbel zu planen und diese dann auch in der Praxis zu bauen.“

 In der Tischlerei Krumböck Gmbh in Gerersdorf (Bezirk St. Pölten) hat sie im September 2018 die für sie ideale Ausbildungsstätte gefunden. Von Anfang an war Tabea Walla einem Gesellen zugeteilt und hat das erste Jahr großteils auf Montage verbracht. 

Tischler-Lehrling hat noch viel vor

„Die Umstellung von einer Erwachsenenausbildung auf die Lehre war groß, aber man wächst schnell in den Arbeitsalltag hinein. Momentan finden im Betrieb Umstrukturierungen statt, dabei wird auch die Lehrlingsausbildung überarbeitet. Meine Wünsche und Anregungen finden beim Lehrlingsausbildner sehr gut Gehör“, freut sich Tabea Walla, deren Lehrzeit sich durch den Matura­abschluss verkürzt und schon nach zwei Jahren – im September 2020 – endet. 

Berufsschul-Stundenplan an Maturanten anpassen 

Nachholbedarf sieht Tabea Walla am Stundenplan der Berufsschule im Hinblick auf MaturantInnen. „Durch die verkürzte Lehre steigt man direkt im zweiten Lehr- und somit auch Berufsschuljahr ein, wodurch fachspezifische Grundlagen der ersten Klasse fehlen. Bei MaturantInnen, die eine Lehre machen, sollte der Fokus mehr auf komprimierter Fachtheorie und Praxis liegen“, würde sich der Tischlerlehrling wünschen. Positiv überrascht war sie vom guten Kontakt zu ihren jüngeren MitschülerInnen: „Durch Toleranz und Anpassungsfähigkeit können eine gute Klassengemeinschaft und Gruppendynamik entstehen, dies ist unabhängig vom Alter.“ Nach dem Ende der Lehrzeit will sich Tabea Walla stetig weiterentwickeln. „Im Idealfall kann ich meine Begabungen im technischen Bereich mit meinem sozialen Engagement verknüpfen“, hat sie auch in der Zukunft viel vor. 

Die Lehre nach der Matura zu machen ist eine wirklich attraktive Alternative zu einem Hochschulstudium. Um diese Entwicklung weiterzutreiben, will die Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) verstärkt MaturantInnen für die Lehrausbildung gewinnen.Denn, so WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl, „durch die Lehre wächst man praxisorientiert in einen Beruf hinein, erhält eine echte Berufsausbildung und ist schneller im Job und am Verdienen.“ Es gehe um ein zusätzliches Angebot. „Die feste und bewährte Basis für die Lehre bleibt natürlich der Einstieg nach der neunten Schulstufe.“ 

Ausbildner sehen „Lehre nach Matura“ positiv

Die Erfahrungswerte mit der Initiative „Lehre nach Matura“ sind positiv. Ausbilderbetriebe sehen vor allem die größere Reife, Volljährigkeit und die Vorbildung als Vorteil. Nachteile werden von den Ausbildungsbetrieben dagegen im weitaus überwiegenden Ausmaß keine gesehen. In einzelnen Fällen werden höhere finanzielle Erwartungen als bei jüngeren Lehrlingen genannt.
Oft entscheiden sich Maturant­Innen für eine Lehre, um sich später einmal selbstständig zu machen. Oder einfach, weil sie längst gemerkt haben, dass ihnen das Praktische oder Handwerkliche mehr liegt.

Häufige Maturanten-Lehrberufe sind Pharmazeutisch-Kaufmännische Assistenz, Buch- und Medienwirtschafter, Speditionskaufmann/-frau oder Elektrotechnik.
Auch nach der Lehre stehen viele Türen offen: Meister­prüfung, Werkmeisterschule, Fach­akademien, Berufsakademien oder ein Studium: Ab Herbst 2021 soll eine Lehre mit Studium ange­boten werden. Maturanten
starten dabei eine Elektrotechniker-Lehre im Lehrberuf Anlagen- und Betriebstechniker und absolvieren gleichzeitig das Bachelor-Studium „Master
of Engineering“ an der Fach­hochschule. 

Zahlen und Daten: 

Lehrlinge gesamt in Nieder­österreichs Betrieben (Stichtag 31.10.2019): 

  • Lehranfänger: 5.039
    (2018: 4.790 -> + 5,2%)
  • Betriebliche Lehrlinge gesamt: 15.939
    (2018: 15.196 -> + 4,9%)
  • NÖ Lehrlinge gesamt (inkl. ÜBA): 16.940
    (2018: 16.269 -> + 4,1%)
  • Derzeit absolvieren 234 MaturantInnen in NÖ eine Lehre.
    Lehrbetriebe, die einen Lehrling aufnehmen, der zu Beginn des Lehrvertrages 18 oder älter war, können bei der Wirtschaftskammer um eine Förderung ansuchen. Mehr Informationen: los.wko.at

    www.lehre-respekt.at
    www.lehrenachmatura.at
Porträtfoto
© Diane von Schoen Julian Nida-Rümelin, Professor für Philosophie und politische Theorien (Ludwig-Maximilians-Universität)

„Diversität in der Berufswelt ist gefragt“ 

Jugendliche müssen mit 15 Jahren entscheiden, ob sie weiter in die Schule gehen oder eine Lehre absolvieren. Ist dieser Zeitpunkt zu früh?

Julian Nida-Rümelin (Professor für Philosophie und politische Theorien, Ludwig-Maximilians-Universität): Es ist vor allem wichtig, dass die Lehre gegenüber dem Studium nicht abgewertet wird. Dies ändert sich gerade, denn wir brauchen eine Balance zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Die Entscheidung wird früh getroffen, doch da auch noch später ein Spurwechsel möglich ist, muss dieser Zeitpunkt auch nicht unnötig hinausgezögert werden.

 Wie steht es um das Image der Lehre?
In Österreich und auch in Deutschland hat lange Zeit eine Fehlsteuerung stattgefunden: Das Studium wurde als „Königsweg“ gesehen. Wer die Schule nicht geschafft hat, dem wurde als „Notlösung“ die Lehre nahegelegt. Doch Chancengleichheit kann nicht dadurch erreicht werden, dass alle studieren. Die Lehre ist keine Notlösung, sondern eine attraktive Alternative. 
Welche Vorteile hat die Lehre gegenüber einem Studium?
Die Lehre ist praxisorientierter. Der Praxisbezug ist viel solider als in einem Studium. Durch die Lehrlingsentschädigung ist man früher ökonomisch selbstständiger. Wenn wir uns die Gehaltskurve anschauen und jemanden, der sich nach Lehre und Meisterprüfung selbstständig gemacht hat, einem Akademiker gegenüberstellen, dann steht ersterer mit Ende 30 finanziell besser da. Die Berufschancen nach einer Lehre sind ebenso gut wie nach einem Studium. 
Wie könnte man das Image der Lehre weiter verbessern?
Die Berufe der handelnden Personen in Fernsehfilmen oder Internetserien beschränken sich meist auf Kriminalbeamte, ÄrztInnen, RichterInnen und ProfessorInnen. Was man kaum sieht sind handwerkliche, technische oder kaufmännische Berufe. Die dargestellte Berufsrealität ist einseitig. Vor allem LehrerInnen sollten mehr auf Berufsorientierung eingehen, Betriebe besuchen oder SchülerInnen zur Projektarbeiten mit Betrieben motivieren. 
Welche Vorteile sehen Sie für Betriebe, die einen erwachsenen Lehrling ausbilden?
Erwachsene sind psychisch stabiler und bringen Lebenserfahrung mit. Ein Betrieb braucht sowohl erfahrene, stabile als auch junge, offene, mobile Mitarbeiter. Diversität ist gefragt. 

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