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"Investieren, um den Wirtschaftsmotor auf Touren zu bringen"

Wirtschaftsprofessor Gerald Steiner von der Donau-Uni Krems skizziert im Interview, in welche Bereiche Gelder fließen müssen, um den Weg aus der Krise zu schaffen.

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© Donau-Universität Krems, Andrea Reischer Gerald Steiner: „Die Impulse müssen zielgerichtet gesetzt werden."

Das Land NÖ hat ein Investitionspaket geschnürt, das für 2020 873 MillionenEuro umfasst. Warum muss gerade in schwierigen Zeiten investiert werden?

Steiner: Corona hat gezeigt, dass die Resilienz des gesamten Gesellschafts- und Wirtschaftssystem verbessert werden muss. Um Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft zu erhöhen, gilt es, die Innovationskraft des Wirtschaftssystems weiter zu verbessern und – gekoppelt damit – die Innovationspotenziale der Gesellschaft als Ganzes weiter zu entwickeln. Verstärkte Investitionen sind wesentlich, um den Wirtschaftsmotor schnellstmöglich auf Touren zu bringen. Doch die notwendigen Impulse müssen zielgerichtet gesetzt werden. Und das braucht Zeit.

In welche Bereiche sollte verstärkt Geld fließen?

Der Ausbau der Gesundheits- und Pflegeversorgung ist wesentlich. Ebenso ist ein Fokus auf den Ausbau von Infrastruktur zu legen, die dem Green Deal in die Hände spielen. Vor allem Maßnahmen zur Stärkung der Bildung sind zentral, um die Kernelemente einer innovationsorientierten Wirtschaft zu stärken: die Mitarbeiter.
Das impliziert aber nicht nur die universitäre Ausbildung, sondern vor allem Weiterbildungsmaßnahmen im großen Stil. Weitere Stoßrichtungen braucht es bei jungen Unternehmen, KMU und Gründungen. erscheinen mir auch im Bereich von jungen Unternehmen, KMU und Gründungen. KMU stellen fast 70 Prozent aller Beschäftigten und mehr als 60 Prozent der Bruttowertschöpfung. Die KMU als Innovationsmotor machen, zusammen mit den innovationsorientierten Großunternehmen, das Gesamtwirtschaftssystem erst zum Innovationssystem.

Wie können angeschlagene Betriebe den Weg aus der Krise schaffen? Was raten Sie?

In Krisenzeiten wirken sich unternehmerische Stärken, aber auch immanente Schwächen verstärkt aus. Derzeit zeigen viele Unternehmen, dass sie aufgrund ihres Innovationsgehaltes und Unternehmergeistes selbst in der Krise neue Geschäftsfelder entdecken und nutzen. Diese Fähigkeiten, und auch die Ressourcenbasis, dafür sollten in „guten Zeiten“ erarbeitet und verstärkt werden. Die NÖ Unternehmen haben eine besondere Stärke: Sie haben gesunde Wurzeln, sind hart arbeitend, verfügen über eine starke Facharbeiterschaft, ein generell hohes Innovationsniveau und das alles ist eingebettet in eine der schönsten und lebenswertesten Regionen der Welt. Gibt es die entsprechende Unterstützung von politischer Seite, ist es vielleicht sogar möglich, an einem innovations- und exportstarken High-Tech-Standort wie NÖ - mit exzellenter Bildungs-, Weiterbildungs-, und Forschungsinfrastruktur - gestärkt aus der Krise
zu gehen.

Welche Lehren aus der Krise können die Betriebe ziehen, damit sie in Zukunft vielleicht besser gewappnet sind?

Die gegenwärtige Krise hat uns vor Augen geführt, dass es eine enorme Verflechtung von organisationalen Systemen, etwa Unternehmen, regionalen, nationalen und internationalen bzw. globalen Systemen gibt. Es ist notwendig, sich der Einbettung in übergeordnete Systeme, wie etwas globalen Wertschöpfungsketten, bewusst zu sein und verstärkt auf „gesunde Wurzeln“ wie etwa unseren im internationalen Vergleich herausragenden Facharbeitern aufzubauen, dabei aber auch die Kompetenzen, welche durch Hochschulen bereitgestellt werden, in das eigene Unternehmensprofil zu integrieren. Denn die Notwendigkeit zu reagieren, auch schneller zu reagieren und zu adaptieren, kennzeichnet jedes innovative und wettbewerbsorientierte System.

Auch auf lokale Ressourcen und Produkte muss wieder vermehrt zurückgegriffen werden. Dass man frisches Gemüse aus weit entfernte Gegenden isst, wohingegen unser eigener Anbau ins Ausland verkauft wird, ist eine verfehlte Interpretation der Globalisierung. Jetzt haben wir die Chance, hier gegenzusteuern. Dank der vielen Betriebe mit biologischem Anbau können wir auch die Gesundheit der Menschen im Land stärken. Die Betriebe können jetzt wieder Kunden aus dem eigenen Land vermehrt ansprechen, und diese sind durch die Coronakrise darauf sensibilisiert, lokal zu kaufen. 

Hat Österreich, im Vergleich zu anderen Ländern, die Krise gut gemeistert – gab es überall die gleichen Probleme zu lösen, oder weist Österreich irgendwo Spezifika auf? 

Der Umgang mit einer Krise wie COVID-19 ist gekennzeichnet durch ein großes Ausmaß an miteinander verschachtelten Unsicherheitsfaktoren. Anfang März hat es mehr Fragezeichen als klare Antworten gegeben. Selbst jetzt stehen wir noch immer großen Unsicherheiten gegenüber. Aus dieser Perspektive heraus hat Österreich sehr schnell reagiert und vor allem im Hinblick auf potenzielle Negativszenarien die notwendigen und schlussendlich auch zielführenden Maßnahmen gesetzt. Spezifika in Österreich waren Ischgl, und der damit verbunden möglicherweise frühere Start der Maßnahmen. Dies gestattet uns jetzt auch, wieder früher aufzusperren. 

Corona zeigt uns aber auch die Verzahnradung der Welt. Schaut man sich etwa den für Österreich und NÖ so wichtigen Tourismus an, so erkennt man, dass dieser erst wieder voll anlaufen kann, wenn alle anderen Länder ebenfalls die Krise gemeistert haben. 

Obwohl man einerseits lokale Dienstleistungs- und Landarbeitsbetriebe fördern kann, so bedeutet die Krise wirklich meistern, Österreich als Teil eines viel größeren Systems zu sehen. Denn sowohl das Virus, als auch die Wirtschaft finden ihr Ende nicht an den Landesgrenzen. Nur wenn wir die Koppelung von organisationalen, regionalen, nationalen, internationalen und globalen Systemen und deren Funktionen verstanden haben, können wir diese adaptieren und Interventionen setzen, die als Zusammenspiel eines großen Orchesters gesehen werden sollten. Im Sinne dieses Bildes, Österreich ist Teil eines Gesamtorchesters. Auch zukünftig wird es nur bedingt möglich sein, Österreich als autarkes System zu betrachten. Vielmehr müssen alle Teilsysteme, so auch Österreich, bestmöglich fit sein, um mit zukünftigen Bedrohungsszenarien noch besser umgehen zu können. 

Zur Person

Professor Gerald Steiner ist Dekan der Fakultät für Wirtschaft und Globalisierung an der Donau Universität Krems sowie seit 2015 Universitätsprofessor für Organisationskommunikation und Innovation. Von 2011 bis 2015 war er an der Harvard Universität Schumpeterprofessor (Schumpeter Fellowship) und infolge Visiting Scholar. Bevor ihn sein beruflicher Werdegang in die USA führte, habilitierte er 2009 im Fachbereich Systemisches Management und Nachhaltigkeitsmanagement an der Karl-Franzens-Universität Graz und vertrat diesen Bereich infolge als Assoziierter Professor am Institut für Systemwissenschaften, Innovations- und  Nachhaltigkeitsforschung, für dessen Gründung im Jahr 2007 er sich mitverantwortlich zeigt. 

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