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"Der Druck bleibt hoch"

Der Krieg in der Ukraine verschärfte die Situation für die heimischen Unternehmen nochmals. Wolfgang Schwarzbauer, Finanz- und Personalvorstand von EcoAustria und Leiter des Forschungsbereichs Außenwirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik, gibt zu den Auswirkungen eine Einschätzung.

Porträtfoto
© Weinwurm
Kein Unternehmen bleibt von den derzeit stark steigenden Energie- und Rohstoffpreisen verschont und ohne Gegenmaßnahmen stehen weitere Teuerungen ins Haus. Welche kurzfristigen Entlastungsmaßnahmen braucht es jetzt für die heimische Wirtschaft?
Wolfgang Schwarzbauer: Es sind zwar einige Entlastungsmaßnahmen erfolgt – Ökostrombeitrag bzw. Pauschale ausgesetzt, Energiekostenausgleich, Erdgasabgabe und Elektrizitätsabgabe um rund 90% bis 30. Juni 2023 gesenkt etc. – dennoch bleibt der Druck insbesondere für energieintensive Unternehmen hoch, zumindest solange der Konflikt in der Ukraine schwelt. Kurzfristig wäre es womöglich sinnvoll, Lieferfristen bei öffentlichen und öffentlichkeitsnahen Aufträgen nach hinten zu strecken oder Änderungen bei der Energieabgabenvergütung vorzunehmen. 
Nach der fast zweijährigen Corona-Pandemie hat der Krieg in der Ukraine der Wirtschaft einen weiteren heftigen Dämpfer versetzt. Wie verkraftet der Wirtschaftsstandort Niederösterreich diese Entwicklung und was sind die Prognosen für die Zukunft?
Dieser Krieg ist – abgesehen vom menschlichen Leid und von der humanitären Katastrophe, die er auslöst – absolut unnötig und darüber hinaus schädlich für die Wirtschaft, da er das erwartete konjunkturelle Anziehen bremst. Die Folgen sind dabei vor allem indirekt spürbar, weder Russland noch die Ukraine sind zentrale Exportmärkte für die Wirtschaft. Eine EcoAustria-Studie zu den Auswirkungen des Krieges zeigte, dass die Krise vor allem aufgrund der Energieversorgung einen nicht zu vernachlässigenden Effekt auf Österreichs Wirtschaft haben kann. So könnte das BIP-Wachstum um 1,7 Prozentpunkte geringer ausfallen als zuvor erwartet. Bei etwa einem Gasembargo würde die österreichische Wirtschaft in eine Rezession geraten. Aber auch ohne Gasembargo führt die Verteuerung von Energierohstoffen und der teilweise Ausfall der Produktion zu einer Teuerungswelle, die wir derzeit alle erleben. Die anziehende Inflation bremst das Wachstum und wird die Konjunktur ordentlich dämpfen. Bereits im März revidierten IHS und WIFO ihre Prognosen nach unten. Der IWF hat etwa im April die Wachstumsprognose deutlich nach unten revidiert. Der konjunkturelle Dämpfer erreicht uns zudem in einer Zeit, in der wir längst substanziell an der Ökologisierung arbeiten müssten. Zudem bestehen Unklarheiten, wie sich die Pandemie im Herbst weiterentwickeln wird. Darüber hinaus sind wieder Lieferengpässe bei wichtigen Rohstoffen und Vorleistungsgütern zu erwarten. Die Konjunktur trübt sich ein und die Unsicherheit wird höher. 
Wie können die steigenden Unternehmenskosten durch die Ökologisierung kompensiert werden?
Mittel- bis langfristig müssen Unternehmen gerade vor dem Hintergrund des Standortwettbewerbs allgemein entlastet werden, dies betrifft die Lohnnebenkosten, ebenso wie die ESt – Stichwort Kalte Progression – die KöSt und weitere Abgabenarten. Im Allgemeinen sollten Unternehmen auch dabei unterstützt werden, sobald als möglich auf erneuerbare Energiegewinnung umzusteigen. Das betrifft natürlich vorwiegend Großbetriebe und weniger das Gewerbe. In Hinblick auf KMU ist der Ausbau erneuerbarer Energie im Land – Niederösterreich und Österreich insgesamt –  von zentraler Bedeutung. Die Einführung der umfassenderen CO2-Bepreisung weiter nach hinten zu verschieben hielte ich für den falschen Weg, zumal wir auch aus der nicht-erneuerbaren Energiegewinnung rauskommen müssen. Nur so können wir auch die Energiewende schaffen. Weiters müssen Rahmenbedingungen und die Infrastruktur für den Umstieg verbessert werden – Verfahren etc. – und das zügig und österreichweit einheitlich.
Stichwort Ausbau von erneuerbare Energien. Welche Chancen ergeben sich dadurch für den Standort Niederösterreich und speziell für die Unternehmen? 
Zum einen ist der Umstieg nötig und politische Priorität, in Niederösterreich, Österreich und Europa. Je rascher dieser erfolgt, umso besser ist es für die Unternehmen in Niederösterreich, da sie nicht an Wettbewerbsfähigkeit verlieren und in internationalen Lieferketten bleiben können. Für die Unternehmen eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, denken Sie etwa an Unternehmen, die PV-Anlagen oder Windparks planen, installieren und servicieren. Hier entsteht ein neues und zukunftsversprechendes und lukratives Geschäftsfeld. Auch werden neue uns spannende Tätigkeiten in Unternehmen geschaffen und neue Lehrberufe, die zukunftsträchtig sind. Das sind nicht zu unterschätzende positive Entwicklungen. Zudem ermöglicht der Umstieg – wie schon angedeutet – den Unternehmen ihre Resilienz zu stärken, da sie unabhängiger werden, der Krieg in der Ukraine verdeutlich dies eindrucksvoll. Wichtig im weiteren Sinne für den Unternehmensstandort Niederösterreich und seine Unternehmen ist die Forschung und Entwicklung. Hier können auch in den Bereichen erneuerbarer Energien Akzente gesetzt werden, die die Effizienz alternativer Energiegewinnung und damit deren Profitabilität steigern könnten. Dazu bedarf es einer Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Diese kann eine Chance sein zur technologischen Spitze aufzuschließen und mitzugestalten, anstatt nur Technologie zu übernehmen und implementieren. Wichtig dabei ist jedoch dem Prinzip der Technologieneutralität zu folgen und keine Technologie speziell zu behandeln. 

ecoaustria.ac.at

Zur Person:

Wolfgang Schwarzbauer ist Finanz- und Personalvorstand von EcoAustria und Leiter des Forschungsbereichs Außenwirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik. Zuvor war Schwarzbauer Leiter der Forschungsabteilung Ökonomie und Finanzwirtschaft am Institut für Höhere Studien (IHS) und in verschiedenen Positionen in der Oesterreichischen Kontrollbank AG tätig.

In seiner Forschung beschäftigt er sich mit Fragen der internationalen Wirtschaft, internationalen Wertschöpfungs- und Lieferketten, aber auch regionaler Wirtschafts- und Standortpolitik. 


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