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Das Beste für die Betriebe herausholen

Niederösterreichs neuer Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger im Interview über den Coronavirus, Bau der S8, Bürokratieabbau, Fachkräftemangel, Digitalisierung und wie er sich die Zusammenarbeit mit der WKNÖ vorstellt.

Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger im Interview.
© Philipp Monihart Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger im Interview.

Sie sind jetzt erst wenige Tage im Amt und mit dem Coronavirus ist gleich eine große Herausforderung zu meistern. Wie reagiert die NÖ Wirtschaft darauf?

Jochen Danninger: Oberste Priorität haben jetzt Maßnahmen zum Schutz der heimischen Bevölkerung. Hier wird aktuell von allen Seiten vieles unternommen um diese zu gewährleisten. Luftfahrtbranche, Tourismusbetriebe und Eventveranstalter sind massiv betroffen.
Es gibt aber keinen Anlass für Panik. Aber wenn Betriebe in Schwierigkeiten durch diese Krise geraten, werden wir als Land Niederösterreich – gemeinsam mit dem Bund – auch unser Bestes tun, um sie zu unterstützen. Hierzu analysieren wir laufend die Lage, stimmen uns mit dem Bund ab und beraten wir uns auch intensiv mit der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

Nicht weniger spannend ist das Thema „S8“. Wie geht es Ihnen, wenn Sie den Begriff „Vogel Triel“ hören? 

Ich bin der festen Überzeugung, dass man Umweltschutz und wirtschaftlichen Fortschritt in Einklang bringen muss. Wenn man konkret die S8 anspricht, dann ist sie eine lebenswichtige Ader für eine der dynamischsten Regionen Niederösterreichs. Hier leben 100.000 Menschen, die täglich massiv vom Verkehr belastet sind. Gleichzeitig ist hier ein riesiges wirtschaftliches Potenzial vorhanden. Wir haben schon sehr lange zugewartet.

Zu Beginn Ihrer Amtszeit haben Sie auch den Bürokratieabbau als Ziel vorgegeben. Was planen Sie hier? 

Ich will, dass sich Unternehmer mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Es ist unsere Aufgabe, sie von überbordenden bürokratischen Hürden zu befreien. Da werde auch ich meinen Beitrag leisten. Deshalb habe ich bereits den Auftrag an meine Mitarbeiter im Wirtschaftsressort gegeben, die Landesgesetze dahingehend zu durchforsten, welche Bestimmungen nicht mehr zeitgemäß sind. Da können wir die Betriebe mit Sicherheit von Hürden befreien. 

Zum Beispiel? 

Ganz konkret geht es um die Überarbeitung der Förderrichtlinien, was die Einbringung und die Abwicklung betrifft. Hier ist etwas möglich. Dieser Bereich muss ohnehin erneuert werden, weil die neue Förderperiode an die Vorgabe der EU gekoppelt ist. Zweiter Punkt ist das Thema „Nur-einmal-melden“. Dieses Prinzip möchte ich für Unternehmen umsetzen. Es muss reichen, wenn Daten einmal gemeldet werden. Die Verwaltung muss sich untereinander vernetzen und darauf zugreifen. Es kann nicht sein, dass der Unternehmer zehnmal Bilanzsumme, Mitarbeiterzahl und alle Kennzahlen eintippen muss. Das ist in Zeiten der Digitalisierung einfach nicht mehr zeitgemäß. Da greift sich zurecht jeder Unternehmer an den Kopf. Das will ich angehen. Beim Gästeblatt im Tourismus ist es ähnlich. Man könnte es elektronisch machen, braucht dafür aber eine einheitliche Software für Gemeinden und Betriebe. Bei beiden Themen sind wir aber auf den Bund angewiesen, der muss die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, hier will ich Gespräche mit den Verantwortlichen führen.

Fragt man bei Unternehmen nach, was das größte Problem ist, hört man zum Teil Bürokratie, zum Teil Fachkräfte. Wie sehen Sie das?

Diesen Eindruck teile ich. Der Fachkräftemangel ist eines der Schwerpunktthemen in der NÖ Landesregierung, weil hier mehrere Ressorts zusammenspielen müssen: Bildung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt – und natürlich sind hier die Sozialpartner gefordert. Es gibt nicht die eine Antwort, sondern es braucht viele Maßnahmen, die ineinandergreifen. Es freut mich sehr, dass die Lehrlingsoffensive fortgesetzt wird. Das Land nimmt hier 46 Millionen Euro in die Hand. Wir bieten damit 6.900 Jugendlichen die Garantie für eine Ausbildung und somit einen Einstieg in die Arbeitswelt.

Wenn Sie sagen, die Sozialpartner sind gefordert. Was stellen Sie sich hier vor?

Dass sie sich und ihre Vorschläge einbringen. Es gibt ja das Forum „Wirtschaft und Arbeit im Dialog“, wo Gott sei Dank die Sozialpartner eingebunden sind und alle, die zu diesem Thema etwas beitragen können, an einem Tisch sitzen. Das ist das richtige Format und hier leisten die Sozialpartner einen ganz großen Beitrag.

Themenwechsel. Die Tourismusstrategie soll bald vorgestellt werden. In welche Richtung soll es gehen?

Ich will, dass sich unser Bundesland in Zukunft authentisch und unverfälscht präsentiert. Mein zweiter Zugang: Alle Betriebe, die auf das Thema Qualität setzen, haben aus meiner Sicht die besten Zukunftschancen. Darum möchte ich Qualität stark in der Tourismusstrategie verankern, genauso wie das Thema Mobilität. Wenn ich mir anschaue, wie wichtig der Nahmarkt Wien ist, muss ich feststellen, dass 40 Prozent der Wienerinnen und Wiener über kein eigenes Auto verfügen. Darum müssen wir es schaffen, unsere 49 Top-Ausflugsziele mit öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar zu machen. Außerdem wollen wir eine engere Vernetzung von Tourismus und Kulturangeboten schaffen. Ich sehe großes Potenzial in speziellen Paketen, die den Aufenthalt in Niederösterreich zum Erlebnis werden lassen. 

Wie sieht es mit dem Wintertourismus aus? 

Es ist aufgrund der klimatischen Verhältnisse ein schwieriges Umfeld. Trotzdem haben wir viel investiert, weil die Wintersaison eine sehr wichtige ist. Gleichzeitig vollzogen wir vor mehreren Jahren einen Schwenk in Richtung Ganzjahrestourismus-Destinationen. Zwei Beispiele: St. Corona, wo wir ein tolles Freizeitangebot für Familien im Sommer und Winter bieten können. Und auch der Annaberg, wo wir den Sommertourismus immer weiter attraktiviert haben. Im Mai eröffnen wir die Zip-Line. Mit dieser Seilrutsche düsen die Gäste mit 120 km/h den Berg knapp über den Baumwipfeln in eineinhalb Minuten hinunter. Das habe ich im Probebetrieb selbst schon probiert – eine coole Sache! 

Wohin geht die Reise beim Export – neue Märkte?

Niederösterreich ist gut beraten, sich weiterhin nicht von einem Markt abhängig zu machen, sondern sich breit aufzustellen. Darum werde ich den Weg fortsetzen, den wir bisher eingeschlagen haben. Die Nachbarländer sind die Handelspartner Nummer Eins. Wir werden uns aber auch künftig weitere Nah- und Fernmärkte anschauen und zahlenbasiert analysieren, welche für Niederösterreich Sinn machen. Ich will als Wirtschaftslandesrat als Türöffner für unsere Betriebe im Ausland auftreten. Denn der Export ist einer unserer wichtigsten Wirtschaftsfaktoren, den es nach Kräften zu unterstützen gilt.

Kommen wir zum Thema Digitalisierung, wo steht Niederösterreich heute?

Digitalisierung ist eine große  Chance für Betriebe. Mit dem virtuellen Haus der Digitalisierung schaffen wir eine Bewusstseinsbildung für das Thema. Mit dem realen Haus der Digitalisierung, das wir Ende 2022 in Tulln realisieren wollen, starten wir die nächste Stufe. Digitalisierung ist aber auch mit Ängsten verbunden. Diese wollen wir offen ansprechen und aufzeigen. Parallel dazu werde ich einen Schwerpunkt auf das Thema Datenschutz legen, das nicht kleinzureden ist. Auch da brauchen die Betriebe eine Hilfestellung, worauf man achten muss.

Die Wirtschaftskammer-Wahlen sind gerade geschlagen. Was erwarten Sie sich von der Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer?

Mein großes Anliegen ist es, noch enger zusammenzuarbeiten. Ich bin der festen Überzeugung, wir haben dieselben Ansichten, und wenn wir etwas für die Wirtschaft weiterbringen wollen, sind wir gemeinsam einfach stärker. Wolfgang Ecker ist außerdem eine Persönlichkeit, mit der ich auch gut kann. Und darum werden wir in Zukunft das Beste für die Wirtschaft und die Unternehmen in Niederösterreich herausholen. Ich freue mich wirklich auf eine sehr, sehr enge Zusammenarbeit.


Zur Person:

Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger wurde in Ried im Innkreis geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und dem Gerichtsjahr am Oberlandesgericht Wien zog es ihn ab 2003 in Richtung Politik. Er war Büroleiter des damaligen Zweiten Nationalratspräsidenten, später Kabinettschef im Außenministerium und im Finanzministerium. Von Dezember 2013 bis Ende August 2014 war Danninger Staatssekretär im Finanzministerium. Seit September 2017 fungierte er neben Helmut Miernicki als ecoplus-Geschäftsführer. Privat zog es Jochen Danninger schon vor längerer Zeit nach Klosterneuburg. (APA)

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