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Rascher Glasfaser-Ausbau kann zusätzliches BIP von 32 Milliarden Euro auslösen

WK Wien-Präsident Walter Ruck und WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl drängen bei ICircle „Breitband.Ausbau.Zukunft“ auf mehr Tempo beim Ausbau.

WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl und Walter Ruck, der Präsident der Wirtschaftskammer Wien, drängen auf mehr Tempo beim Ausbau des Glasfasernetzes.
© Andreas Kraus WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl und Walter Ruck, der Präsident der Wirtschaftskammer Wien, drängen auf mehr Tempo beim Ausbau des Glasfasernetzes.

Der volkswirtschaftliche Unterschied, ob Österreich beim Breitbandausbau zu den Vorreitern in Europa zählt oder hinten nachhinkt, ist gewaltig. Als Vorreiter in Sachen Glasfaser-Technologie könne Österreich zwischen 2022 und 2030 mit einem zusätzlichen BIP von 32 Milliarden Euro und 35.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen rechnen.

Bewege sich das Land beim Glasfaser-Ausbau im europäischen Mittelmaß beträgt das BIP-Plus nur mehr 14 Milliarden Euro, der Beschäftigungseffekt nur mehr 25.000 Jobs. Und für den Fall, dass Österreich der europäischen Entwicklung um ein bis zwei Jahre nachhinkt, rasselt das zusätzliche BIP-Wachstum auf fünf Milliarden Euro und der Beschäftigungseffekt auf 16.000 Arbeitsplätze herunter.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die Bela Virag vom Consulting-Unternehmen Arthur D. Little beim hochkarätig besetzten ICircle der Sparten Information und Consulting der Wirtschaftskammern Burgenland, Niederösterreich und Wien zum Thema „Breitband.Auskunft.Zukunft“ in der New Design University (NDU) in St. Pölten präsentiert hat. Entsprechend drängten die Spitzen der Wirtschaftskammern Niederösterreich und Wien, Sonja Zwazl und Walter Ruck, auf mehr Tempo beim Ausbau des Glasfasernetzes, sowohl im ländlichen wie im urbanen Bereich. 

"Wir können nicht noch Jahre warten“, so WKNÖ-Präsidentin Zwazl. Breitband sei gerade in den Regionen dringend nötig, um dort Unternehmen, Arbeits- und Ausbildungsplätze zu halten. Für den Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien, Walter Ruck, „ist der Breitbandausbau ein klarer Standortvorteil“. Auch in industrialisierten Stadtgebieten gebe es hier noch „weiße Flecken“, die möglichst schnell bereinigt werden müssen. Besonders hoben Ruck und Zwazl die länderübergreifende Zusammenarbeit der Sparten IC der Ost-Region in Sachen Breitband hervor. „Schnelles Breitband macht nicht vor Ländergrenzen halt.“ 

Grupp
© Andreas Kraus

Hochkarätig besetzter ICircle zum Thema „Breitband.Auskunft.Zukunft“ in der NDU in St. Pölten (v.l.n.r): Bela Virag (Arthur D. Little), Wilhelm Molterer (EIB), Ingeborg Dockner (WKNÖ-Spartenobfrau Information und Consulting), WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl, WKW-Präsident Walter Ruck, Martin Heimhilcher (WKW-Spartenobmann Information und Consulting), Jan Trionow (Hutchinson Drei Austria).


Molterer für österreichweit einheitliche Initiative

Wilhelm Molterer, der Direktor der Europäischen Investitionsbank (EIB), verwies in seinem Statement darauf, dass sich der Datentransfer zwischen 2005 und 2021 um das 130fache erhöhen wird. Er sprach sich klar für eine österreichweit einheitliche Initiative beim Breitbandausbau aus. „Wir brauchen eine optimale Kombination von Fördermitteln, Finanzierungen, die die EIB machen kann und einer Aktivierung des privaten Sektors.“

Nach den Impulsvorträgen wurden die Inhalte in Panels diskutiert und vertieft. Die Leitung hatte der jeweilige Impulsgeber. Im Bild: Wilhelm Molterer (links) und „seine“ Arbeitsgruppe.
© Kraus Nach den Impulsvorträgen wurden die Inhalte in Panels diskutiert und vertieft. Die Leitung hatte der jeweilige Impulsgeber. Im Bild: Wilhelm Molterer (links) und „seine“ Arbeitsgruppe.

Finanzierung für Trionow zentrale Herausforderung

Jan Trionow, der CEO der Hutchinson Drei Austria GmbH, stellte dazu den Vorschlag in den Raum, nur jene Glasfaserstrukturen zu fördern, die auf mehreren Ebenen bzw. von mehreren Anbietern genutzt werden können. „Rund um 5G ist ein internationaler Wettlauf entbrannt“, bei dem Österreich vorne mit dabei sein sollte. Eine zentrale Herausforderung sei dabei die Finanzierung. „Wir brauchen mehr Kooperation von öffentlicher Hand und Betreibern, um das Mehr an Netz finanzieren zu können.“

IC-Spartenobfrau Ingeborg Dockner (rechts): „Ohne Breitband findet Digitalisierung nicht statt. Und ohne Digitalisierung findet Zukunft nicht statt.“
© Kraus IC-Spartenobfrau Ingeborg Dockner (rechts)

Dockner: „Ohne Digitalisierung findet Zukunft nicht statt“

Einig war man sich beim ICircle darüber hinaus, dass Genehmigungsprozesse beim Ausbau einfacher und schneller werden müssen. Bela Virag: Das sei „eine politische Aufgabe.“ Für Ingeborg Dockner, die niederösterreichische IC-Spartenobfrau, gehören leistungsfähige Internetverbindungen ebenso zur Daseinsvorsorge wie etwa Wasser oder Strom. „Ohne Breitband findet Digitalisierung nicht statt. Und ohne Digitalisierung findet Zukunft nicht statt.“ 

Der ICircle ist eine Veranstaltungsreihe der Sparten Information und Consulting in den Wirtschaftskammer Burgenland, Niederösterreich und Wien, die sich mit Zukunftsfragen für den Wirtschaftsstandort der Ost-Region Österreichs beschäftigt und richtet sich an Stakeholder aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

© Kraus

Wilhelm Molterer im Gespräch:

NÖWI: Sie treten vehement für Breitband ein, was ist dabei Ihr primäres
Anliegen?


Molterer: Breitband ist unerlässlich für eine Sicherung der Wirtschaft und des Wohlstands in der Zukunft. Wenn man bedenkt, dass sich der
Datentransfer in den nächsten Jahren nicht einfach nur erhöhen, sondern eklatant vervielfachen wird, liegt es auf der Hand, dass sich auch die Kapazitäten für den Datentransfer vervielfachen müssen. Und damit sind wir beim aktuellen Stand technischer Machbarkeiten automatisch beim Thema Breitband.

Der zu erwartende Traffic ist mit den gegenwärtigen Strukturen also nicht machbar, daher wird ja auch durch die Breitbandmilliarde alles daran gesetzt, die entsprechenden Rahmenbedingungen so schnell wie möglich zu schaffen. Wie wäre das Geld am besten einzusetzen?


Abgesehen von anderen Finanzierungen – die EIB etwa finanziert den Breitbandausbau in Europa mit rund 2,5 Mrd./Jahr mit – ist diese Förderung natürlich wichtig. Die Breitbandmilliarde ist ohne Zweifel eine gute Sache, sie müsste aber auch optimal eingesetzt werden. Nur ein Beispiel: Die Anschlusskosten im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte sind im Vergleich Stadt und Land umgekehrt proportional. Das heißt: Während die ländliche Bevölkerungsdichte relativ niedrig ist, sind die Anschlusskosten pro Kopf äußerst hoch. In der Stadt ist es genau umgekehrt: Die Bevölkerungsdichte ist hoch und die Anschlusskosten pro Kopf daher relativ niedrig. Auf diese Gegebenheiten muss beim Einsatz der Fördergelder genauso geachtet werden wie auf die Optimierung von Abläufen und administrativen Strukturen.

Was konkret wäre da Ihr Vorschlag?

Niederösterreich hat zum Beispiel die NÖGIG (Niederösterreichische Glasfaserinfrastrukturgesellschaft) – warum streichen wir da nicht einfach das „N“ und installieren eine bundesweite Struktur? Ich bin mir sicher, dass das im Endeffekt einfacher und billiger wäre als neun verschiedene Länderkonzepte.


© Kraus

Jan Trionow im Gespräch:

NÖWI: Das „Internet der Dinge“ ist ja mittlerweile fast schon populär, was meinen Sie mit Ihrem geforderten Augenmerk auf das „Internet der Sensoren“?

Trionow: Am Anfang des Internets der Dinge steht immer ein Sensor. Denn nur mit einem Sensor können Dinge Zustände erfassen und darauf basierend Aktionen ausgeführt werden. Es wird in Zukunft immer
besser möglich sein, immer mehr Sensoren und Aktoren mit dem Internet zu verbinden und intelligent zu verknüpfen. Die Prognose für die Zukunft ist, dass pro Quadratkilometer bis zu einer Million „items“
angesprochen werden müssen. Dafür bedarf es einer entsprechenden Versorgungsstruktur, sonst ist das einfach nicht machbar.

Wie würden Sie einem Laien die Leistungs­anforderungen an eine solche Struktur veran­schaulichen?


Die Anforderungen sind sehr unterschiedlich. Die virtuelle Realität ist nicht nur passionierten Gamern ein Begriff. Immer mehr Prozesse des Arbeitslebens laufen mit „virtueller Unterstützung“. Dabei müssen sehr große Datenströme bewältigt werden. In anderen Fällen müssen Informationen praktisch verzögerungsfrei fließen können. Andernfalls lassen Roboter Paketstücke in’s Leere fallen, anstatt sie einem anderen zur Weiterverarbeitung zu reichen.
Oder noch schlimmer: Eine Operation mit Hilfe von Datenübertragung via Internet läuft zeitverzögert ab, sodass Mikroinstrumente erst deutlich nach der Befehlseingabe aufhören würden etwa in Richtung von Nervenbahnen zu schneiden.

Was ist Ihre Zukunftsvision einer idealen Förderlandschaft für eine effiziente Glasfaserstruktur?


Wir sollten eine gemeinsame Infrastruktur fördern, die Glasfaserleitungen verschiedenen Anbietern zur Verfügung stellen kann – zur Anbindung von Unternehmen, Haushalten und Mobilfunkstationen. Dies ist effizient, zukunftssicher und sichert langfristig über den Wettbewerb Qualität und Preis der Dienstleistungen.


© Kraus

Bela Virag im Gespräch:

NÖWI: Welche Informationslücken zum Thema Breitband sollten aus Ihrer Sicht geschlossen werden?

Virag: Man darf Breitband nicht alleine betrachten: Es geht um die Schaffung einer Gesamt-Infrastruktur, auf der Digitalisierung aufbauen kann. Eine solche Infrastruktur ist ein integriertes Konzept bestehend aus den Komponenten Netzwerk, Computing, Datenhaltung und Security. Dabei muss man dem wirtschaftstreibenden
Nutzer aber auch die Frage beantworten: „Warum digitalisieren?“ Aus meiner Sicht gibt es da vier Argumente: Effizienzsteigerung, Optimierung des Kunden-erlebnisses, mehr Innovationspotenzial und neue Geschäftsmodelle mit neuen Chancen.

Nicht nur Breitband ist an Gegebenheiten gebunden, sondern auch sein Ausbau. Mit welchen Rahmenbedingungen?

Ein investitionsfreundliches Klima für Technologien erleichtert die Sache natürlich ungemein. Die Schlagworte dazu sind Deregulierung, Prozesserleichterungen bei Planung und Errichtung von neuer Infrastrukur, Kostenverringerung bei komplexen Genehmigungsprozessen sowie die Etablierung der „öffen­tlichen Hand“ als nachfragende oder Raum-bereitstellende Partei – zum Beispiel öffentliche Gebäude, Schulen oder Straßenlaternen.

Wie sehen dann die Bedingungen für eine optimale Umsetzung aus?

Die wiederum hängt von vier Bereichen ab: Gezielte Förderung dort, wo private finanzierte Initiativen unpraktikabel sind; die Reduktion von bürokratischem Aufwand (Wege-, Nutzungs- und andere Rechte, um die Rollout-Effizienz zu steigern; die Reduktion von mit dem Rollout und Betrieb verbundenen Kosten wie etwa Mietkosten für öffentlichen Grund sowie Frequenznutzungs- oder  Richtfunkgebühren und viertens auch eine gezielte Schulung und Information, um die Nachfrage zu stimulieren: Das kann im ein­fachsten Fall die Nachfrage durch die öffentliche Hand sein – etwa Initiativen wie E-Government oder Smart City. Dabei geht es aber nicht um digitale Technologie an sich – vielmehr geht es um die Schaffung und Nutzung digitaler Geschäftsmodelle.

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