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(K)ein untypischer Beruf: Buslenkerin

Ein Waidhofner Unternehmer fördert Frauen in einem untypischen Beruf: Wilhelm Meller hat mittlerweile sechs Buslenkerinnen in seinem Team und fährt sehr gut damit. Sie sind eine echte Stütze des Unternehmens.

Andrea Mendlig hält sich an der Bustüre fest und streckt ein Bein und einen Arm ab.
© Silke Bernhardt Andrea Mendlig ist eine von sechs Frauen, die auf Anregung ihres Chefs den Busführerschein gemacht hat. So beugt Waldviertel Reisen dem Lenkermangel vor.
Potenziale erkennen und fördern. Dies sieht Wilhelm Meller, Geschäftsführer bei Waldviertel Reisen Rieder GmbH, als seine wichtigste Aufgabe als Firmenchef. In der heutigen Wirtschaft ist man immer nur stark auf die Ergebnisse konzentriert. Doch der Gewinn ist nur eine Folge von der Basis, die ich schaffe. Ich möchte  Menschen zum ‚Blühen’ bringen, dann kommen die Früchte von selbst“, erklärt Meller seine Strategie.
Zu Beginn seiner Tätigkeit hat er sich oft gefragt, warum es in seiner Firma eine Fluktuation bei den Angestellten gibt, deshalb ging der Unternehmer dazu über, bei Neueinstellungen nicht nur den Referenzen der BewerberInnen Beachtung zu schenken, sondern auch die Charaktereigenschaften einzuschätzen, genau zu schauen, ob die Person ins Unternehmen passt. Hier sucht er „den Funken der Begeisterung“ in den Augen seines Gegenübers. In zahlreichen Weiterbildungen – unter anderem beim WIFI – hat er sich immer besser in die Rolle als Chef eingearbeitet.
Als erste Frau in der Firma hat seine Gattin die Busführerscheinprüfung abgelegt. Nach und nach konnte er immer mehr seiner Mitarbeiterinnen überzeugen, dass das Lenken eines Busses genau das Richtige für sie ist. So ist es nicht ungewöhnlich, dass eine ehemalige Reinigungskraft nun Schulbusse lenkt oder mit einer Reisegruppe quer durch Europa fährt. 

Chef unterstützt bei der Ausbildung

„Der größte Erfolgsverhinderer bei Veränderungen ist meist das soziale Umfeld. Um meinen Mitarbeiterinnen eine Vorstellung von der neuen Aufgabe zu geben, mache ich mit ihnen eine Probefahrt“, so konnte Wilhelm Meller mittlerweile sechs Damen für die Ausbildung begeistern. Da er selbst zwei Drittel des Führerscheins finanziert, nimmt er sich auch Zeit, um mit den Damen zu üben. Erst, wenn sie sich hundertprozentig sicher sind, geht es zur Prüfung. „Im ersten Jahr werden kurze Strecken gefahren, um Praxis zu bekommen und ich bin dabei, falls die Damen beim ersten Schnee unsicher sind. Entweder ich fahre, und die Mitarbeiterin begleitet mich, oder sie fährt, und ich bin an ihrer Seite“, so Meller.
Bis jetzt hat der Busunternehmer nur positive Erfahrungen mit Lenkerinnen gemacht. Er sieht sie als gute Ergänzung in sein Team.

Anerkennung und Wertschätzung

Von den 17 Angestellten sind es nun fünf Damen, die mit dem Bus unterwegs sind. Mit Betreuungspflichten sei der Job optimal vereinbar. Im Schüler-Gelegenheitsverkehr gibt es fixe Arbeitszeiten, was eine gute Work-Life-Balance ermögliche. Auch das Ansehen und die Wahrnehmung in der Gesellschaft steige. „Bei einigen Damen gab es echten Widerstand aus dem privaten Umfeld. Ihnen wurde sogar abgeraten, weil die große Verantwortung als Hindernis gesehen wurde“, berichtet Wilhelm Meller von den anfänglichen Schwierigkeiten. Diese werden nun immer weniger, da es für alle neuen Lenkerinnen ja schon Vorbilder in der eigenen Firma gibt. Und gerade jene Personen, die zuerst der zukünftigen Busfahrerin abgeraten haben, wollen nun unbedingt mit dieser auf Reisen gehen.
Wilhelm Meller gefällt es, wenn Menschen sich weiterentwickeln. So ist jene Mitarbeiterin, die vor elf Jahren als Reinigungskraft angefangen hat, nun im Führungsteam dabei. „Andrea Tentulin liebt Busse. Sie ist immer dabei, wenn ein neuer Bus gekauft wird“, freut sich Meller über die gute Zusammenarbeit.

Grenzen sind keine Hindernisse

Auch aus dem Gebiet jenseits der Grenze hat der Waidhofner Unternehmer immer wieder MitarbeiterInnen in seiner Firma. Eine davon ist Steffi Seitlova. Auch sie hat als Reinigungskraft begonnen und ist nun Buslenkerin. Sie sagt: „In dieser Firma würde ich sogar mit dem Hubschrauber fliegen.“

Gruppenfoto vor einem Bus des Unternehmens.
© Andrea Mendlig Alexandra Seidl, Geschäftsführer Wilhelm Meller, Andrea Tentulin und Steffi Seitlova.

Den Frauen das Steuer übergeben

Auch Busunternehmen spüren deutlich den Mangel an Lenkern. Dieses Problem ist in der Fachgruppe bekannt. Die Idee, Frauen diesen Beruf schmackhaft zu machen, kann Rudolf Busam, NÖ-Spartenobmann-Stellvertreter Transport und Verkehr, nur unterstützen.
Auch wenn sich der Beruf der Buslenkerin für viele Frauen bei der Berufsentscheidung nicht auf dem Radar befindet, könnte sich dies in Zukunft ändern. 

Porträtfoto
© Gerald Lechner Rudolf Busam, NÖ-Spartenobmann-Stellvertreter Transport und Verkehr.

„Es spricht vieles für mehr Frauen am Steuer von Bussen: Es gibt  geregelte, planbare Dienstzeiten im Linien- und Schülergelegenheitsverkehr. Teilzeitwünsche sind oft im beiderseitigen Interesse möglich“, weiß Rudolf Busam, NÖ-Spartenobmann-Stellvertreter Transport und Verkehr und  Obmann der NÖ-Fachgruppe der Autobus-, Luftfahrt- und Schifffahrtunternehmungen.
Fachkräftemangel ist derzeit quer durch alle Branchen in aller Munde. Dies spüren auch die Busunternehmen. Der Mangel an Lenkern ist mittlerweile massiv. „In der Zukunft wird es aber aller Voraussicht nach noch schwieriger werden, verlässliche Buslenker und -lenkerinnen zu finden”, beschreibt Busam die Situation. Umso wichtiger sei es, neue Wege in der Mitarbeiterfindung zu beschreiten. 

„Frauenuntypischer“ Beruf als Chance

„Die Höherqualifizierung anderweitig im Unternehmen beschäftigter Mitarbeiter ist dabei ein Weg”, beschreibt der NÖ-Spartenobmann-Stellvertreter Transport und Verkehr. Ein anderer wäre das bewusste Ansprechen potenzieller Buslenkerinnen, welche bisher eine zu Unrecht vernachlässigte Zielgruppe sind. „Frauen denken oft von selbst nicht an diese Berufschance”, so Busam. Doch gerade im Schülerverkehr wird auch Personal zur Abdeckung der Vormittagsspitzen mit Freizeit am Nachmittag gesucht, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtere. Technische und körperliche Anforderungen sind bei modernen Bussen problemlos auch von Frauen zu bewältigen, die Bezahlung in der Branche ist attraktiv. „Besonders wichtig für Lenkerinnen und Lenker sind ein freundlicher Umgang mit Menschen sowie hohe soziale Kompetenz”, möchte Rudolf Busam Frauen Mut machen, diesen eher untypischen Beruf zu ergreifen.


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