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Investitions-Bonus soll fit für Arbeitsmarkt machen

Wie muss unser Bildungswesen gestaltet sein, um den immer akuter werdenden Problemen auf dem Arbeitsmarkt wirksam begegnen zu können? Wie soll in Zukunft eine humane sowie wirtschaftlich und gesellschaftlich sinnvolle Kultur von Arbeit und Familie aussehen?

Gruppenfoto auf der Bühne.
© Gerald Lechner V.l.: Moderator Daniel Lohninger, WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Julian Nida-Rümelin, Andreas Ferner und Günther Ofner.

Diese Fragenbereiche wurden bei dem von der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) veranstalteten „BildungsKonzil“ am Heldenberg von Experten, Wissenschaftlern und Wirtschaftstreibenden in insgesamt 11 sogenannten Denkräumen diskutiert. Unsere Gesellschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandlungs- und Transformationsprozess. Migration, Digitalisierung, demographischer- und Klimawandel sind Auslöser und Treiber für Veränderungen, welche auch die Wirtschaft vor immer größere Herausforderungen stellen. „Neue unkonventionelle Lösungsansätze sind dringend gefragt, nicht zuletzt im Bildungswesen“, sagt Wirtschaftskammerpräsidentin Sonja Zwazl, auf deren Initiative das Bildungskonzil ins Leben gerufen wurde. Einig sind sich die Experten, dass in Österreich sehr viel Geld von der öffentlichen Hand in das Bildungswesen investiert wird. „Das meiste wird jedoch in einer sehr frühen Lebensphase und das zum überwiegenden Teil in den schulischen und universitären Sektor gepumpt, währenddessen die berufliche Bildung vergleichsweise stiefmütterlich behandelt wird“, kritisiert Zwazl. Da Bildung „lebenslänglich geschieht“, wäre es angebracht und zielführend, entsprechende individuelle Anreizsysteme zu schaffen, damit in allen Lebensphasen mehr in die eigene „Arbeitsmarktfitness“ investiert wird. Ein in den Denkräumen des Konzils gemachter Vorschlag lautet daher von staatlicher Seite für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen speziellen Bildungsinvestitions-Bonus für Fortbildungskosten zu gewähren — etwa in Form einer doppelten Abschreibung. Damit sollen die individuellen Aufwendungen für die persönliche Employability (Beschäftigungsfähigkeit) gefördert werden.  

Neuer Contest: Challenge for families 

Ebenso heiß diskutiert wurde am Heldenberg das Thema „Arbeit und Familie“. Bekanntermaßen zählen Frauen zu den stillen Reserven am Arbeitsmarkt. Dass dieses Potenzial ungenützt bleibt, hat verschiedene Ursachen. Eine ist die zumeist noch immer auf den Schultern der Frauen liegende Doppelbelastung von Familie und Beruf. Angesprochen ist hier nicht nur der migrantische sondern ebenso der nichtmigrantische Bereich. Dass es auch anders gehen kann, soll ein von der im Eigentum der WKNÖ befindlichen NDU (New Design University) durchgeführter Wettbewerb aufzeigen. „Mit dem Contest ‚Challenge for families‘ wollen wir diejenigen Familien vor den Vorhang holen, die es schon geschafft haben, ihr Zusammenleben fernab aller veralteten Mann-Frau-Klischees vorbildhaft zu gestalten“, so Präsidentin Zwazl. Die Grundidee sei ebenso einfach wie bestechend: „Wir wollen mit diesem Wettbewerb aufzeigen, wie Haushalt und Kindererziehung gemeinsam von Mann und Frau zum Wohle ihrer Familie und unserer Gesellschaft bewerkstelligt werden können.“ 

Neues Pensionssplitting

In die gleiche Richtung zielt ein weiterer Vorschlag ab. Denn trotz aller Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung passiert es nach wie vor vielen Frauen, dass sie von der Kinder- nahtlos in die Pflegebetreuung schlittern und so sogar trotz ausgezeichneter Qualifikationen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen bleiben. „Die Praxis hat hier gezeigt, dass der bestehende gesetzliche Rahmen für das Pensionssplitting nicht ausreichend ist“, erläutert Denkraum-Leiterin Ursula Liebmann, Expertin für Erwachsenenbildung.  So können Teilgutschriften vom Kalenderjahr der Geburt bis zum Kalenderjahr, in dem das Kind sieben Jahre alt wird, übertragen werden. Wenn mehrere Kinder geboren wurden, sind Übertragungen für maximal 14 Kalenderjahre möglich. Gefordert wird nun eine dahingehende Erweiterung, die eine unbegrenzte freiwillige Übertragung von Versicherungszeiten zwischen den Ehepartnern ermöglicht. Möglich sein soll diese Art von „Versicherungsliberalisierung“ sowohl im Haushalts- als auch im Partnerschaftsverband. 

 „Bildung neu denken“… 

... mit diesem Anspruch ist das von der WKNÖ ins Leben gerufene „BildungsKonzil“ am Heldenberg bei Hollabrunn 2017 zum ersten Mal angetreten, um verkrustete, ideologische Strukturen in der Bildungsdebatte aufzubrechen und einen neuen bildungspolitischen Grundkonsens zu entwickeln. Einen Konsens, den gerade eine Institution wie die Wirtschaftskammer effizient voranbringen kann. Vom Ein-Personen-Unternehmen über Handwerk und Gewerbe bis zur Industrie, vom Arbeitnehmer bis zum Arbeitgeber, bildet die Wirtschaft ein breites Spektrum gesellschaftlicher Interessen und Zugänge ab. Darauf aufbauend beruht das Konzept des Bildungskonzils auf einer breiten Einbindung gesellschaftlicher Gruppen und der aktiven Überbrückung unterschiedlicher Zugänge. Aufmerksamkeit erregte das „BildungsKonzil“ Heldenberg im Vorjahr mit der Forderung nach einem verpflichtenden Ethikunterricht, die mittlerweile Eingang in die österreichische Bildungspolitik gefunden hat.

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