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Was die Metalltechnische Industrie antreibt

Alternative Energiekonzepte für die unternehmerische Zukunft.

Luftaufnahme des Werkes
© Metagro Die Metagro Edelstahltechnik AG in Hainfeld ist ebenfalls auf Strom und Gas angewiesen, allerdings überwiegt in der Produktion die Nutzung von Strom. Zusätzlich wird seit 2021 eine rund 500 m2 große Photovoltaik-Anlage betrieben.

Die aktuelle Verfügbarkeit und Preisentwicklung von Strom und Gas stellt sowohl private Haushalte als auch die Wirtschaft vor neue Herausforderungen. Die Unternehmen der Metalltechnischen Industrie in Niederösterreich haben sich zum Teil bereits vor Jahren darauf vorbereitet, Gas und Strom aus nachhaltigen Energiequellen zu beziehen, bzw. sogar selbst zu erzeugen. Die aktuelle
Situation trifft sie nicht gänzlich unvorbereitet. Im Gegenteil, sie beschleunigt sogar die geplanten Entwicklungen. Veit Schmid-Schmidsfelden, Fachgruppenobmann der Metalltechnischen Industrie in der WKNÖ, fasst die Situation zusammen: „Die meisten Produktionsprozesse unserer Mitgliedsbetriebe bauen grundsätzlich auf der Nutzung von Strom und Gas auf. Diese Energieträger lassen sich allerdings nicht so einfach substituieren. Einige Unternehmen wurden bereits im Vorfeld aktiv, haben nun alternative Lösungsansätze für diese Situation verfügbar und navigieren vergleichsweise gut durch die Krise. Die Fachgruppe möchte diese Aktivitäten nach besten Kräften
unterstützen.“

Alle Hebel in Bewegung

Hoher Material-, Maschinen- und Energie-Einsatz machen es nicht einfach, kurzfristig auf geänderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Dazu kommt, dass ganz Österreich (mehr noch: ganz Europa) gleichzeitig sowohl umdenken als auch umstellen muss. Die hohe Nachfrage nach alternativen Lösungen bedingt deren Verknappung – was die aktuelle Situation zusätzlich verschärft. Die
niederösterreichischen Unternehmen der Metalltechnischen Industrie setzen aktuell alle Hebel in Bewegung, den Betrieb kontinuierlich fortzuführen und laufende Aufträge möglichst zuverlässig und preisstabil umzusetzen.

Strom aus nachhaltigen Ressourcen

Bei der Georg Fischer Fittings GmbH in Traisen wurde kurzfristig reagiert. Geschäftsführer DI Bernhard Dichtl, MBA, erklärt: „Der Energiebedarf an unserem Standort teilt sich zu ca. 50 % Strom und 50 % Gas auf, hier haben wir kaum Spielraum. Allerdings haben wir Anfang des Jahres bei der Stromerzeugung nachhaltige Veränderungen bewirkt. Zusätzlich zu unserem eigenen Wasserkraftwerk konnten wir die Anbindung an zwei weitere Kraftwerke ausverhandeln. Wir haben damit den Wasserkraft-Anteil von rund 10 % auf 30 % erhöht.“

Die Metagro Edelstahltechnik AG in Hainfeld ist ebenfalls auf Strom und Gas angewiesen, allerdings überwiegt in der Produktion die Nutzung von Strom. Geschäftsführer DI Christoph Hofer, MSc, verfolgt bereits längere Zeit den Plan, den Energiebedarf des Unternehmens möglichst autark abzudecken:
„Wir betreiben seit 2021 eine rund 500 m2 große Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 110 kWp. Im Sommer können wir damit rund die Hälfte des benötigten Strombedarfs decken – und die Photovoltaik-Anlage lässt sich in Zukunft noch weiter ausbauen. Gas nutzen wir hauptsächlich zur
Heizung der Gebäude.“

Für die Rich. Klinger Dichtungstechnik GmbH & Co KG wird der für die Produktion benötigte Strom bereits seit Langem rein aus Wasserkraft zugekauft. Für eine eigene Photovoltaik-Anlage ist das Dach des Produktionsgebäudes nicht geeignet. Geschäftsführer DI Ernst Schäfer präzisiert: „Die Versorgung mit Energie ist prinzipiell gesichert, allerdings wird sich beim Strom der Preis ab nächstem Jahr voraussichtlich vervierfachen, beim Gas sogar um den Faktor fünf bis sechs erhöhen. Zusammen mit rund 25–30 % höheren Materialkosten drücken diese zusätzlichen Belastungen stark aufs EBIT.“

Energieeffizientes Heizen im Betrieb

Die Beheizung der Arbeitsstätte ist durchaus ein wesentlicher Faktor in der Energiebilanz der Unternehmen. Bei Georg Fischer ist geplant, in mehreren Phasen umzustellen. „Unser Ziel ist, möglichst viel Gas einzusparen. Kurzfristig müssen wir dafür auf Öl, mittelfristig können wir aber auf Nahwärmeversorgung (Bioenergie-Hackschnitzel) umsteigen. Auf diese Weise können wir rund 25 %
unseres Erdgasbedarfs einsparen. Darüber hinaus installieren wir Systeme zur nachhaltigen Wärmerückgewinnung und haben zur Nutzung sauberer Sonnenenergie eine Photovoltaik-Pilotanlage auf dem Bürodach installiert“, gibt Bernhard Dichtl einen Ausblick auf die Zukunft.

Bei Metagro steht die effiziente Nutzung von Heizenergie bereits seit längerem auf der Agenda. Christoph Hofer berichtet: „Am Standort wurden externe Spezialisten mit der Energieberatung beauftragt. Bei der letzten Gebäudeerweiterung vor zweieinhalb Jahren haben wir bereits 3-fach-
Verglasung, Fußbodenheizung und die Installation einer Wärmepumpe berücksichtigt. Leuchtkörper werden laufend gegen energieeffiziente LED-Module getauscht und die Lichtkuppeln im Dach der Produktionshalle im Zuge der Sanierung thermisch gedämmt. Und auch bei den LKW-Terminals sind
seit Kurzem Abdichtungen angebracht, damit die warme Luft aus der Halle nicht abzieht.“

Rich. Klinger Dichtungstechnik verfügt über ein eigenes Kesselhaus, das hauptsächlich die Walzwerke in der Produktion antreibt. „Für die Beheizung der Gebäude läuft ein deutlich kleinerer Sekundärkreis mit, der ebenfalls die Wärmeenergie der Dampfkessel nutzt“, beschreibt Ernst Schäfer
das Konzept. Die Installation zusätzlicher Wärmepumpen mit der erhöhten Ausnutzung der Abwärme befinden sich aktuell in der Engineeringphase. Von insgesamt elf Walzmaschinen wurden bereits drei mit Energierückgewinnung ausgestattet. Und auch bei der besseren Ausnutzung der Abwärmeströme
im Produktionsprozess gibt es zukünftig noch Potenzial auszuschöpfen. Das kurzfristige Ziel für die kommenden Jahre lautet, den Gasverbrauch um rund 20–25 % zu reduzieren.

Potenzial für die Zukunft

Die Unternehmen der Metalltechnischen Industrie in Niederösterreich agieren durchaus flexibel auf die aktuelle Situation. Die Tatsache, dass Energiequellen und auch für den Produktionsprozess benötigte Materialien in Zukunft möglicherweise nicht mehr so einfach verfügbar sein werden, fördert ein
Umdenken.

Bei Metagro wurde angedacht, das Laserschneidgas Stickstoff selbst zu produzieren. Darüber hinaus ist das Unternehmen auf der Suche nach einem neuen und wiederverwertbaren Kunststoff für Wickelfolien. Die Holzpaletten der angelieferten Waren werden für die eigenen Auslieferungen wiederverwertet.

Auch bei Georg Fischer werden die laufenden Prozesse genauestens durchleuchtet und analysiert. Aktuell wird versucht, die Kostensteigerungen aus eigener Kraft abzufedern und geringstmöglich an die Abnehmer weiterzugeben. Die Rich. Klinger Dichtungstechnik setzt u.a. auf Einsparungspotenzial durch neueste Antriebstechniken in der Produktion. 

An einem gemeinsamen Strang ziehen

Bernhard Dichtl sieht nun die Politik am Zug: „Ohne politische Unterstützung wird es für energieintensive Betriebe sehr kritisch. Ziel muss es sein, zur Normalisierung der Energiepreise  beizutragen, wie immer das auch aussieht – dazu ist vielleicht auch ein anderer Mechanismus als das Merit-Order-Prinzip anzudenken.“ Auf technologischer Seite sieht er langfristige Lösungen in der
Kreislaufwirtschaft. „Innovationen haben einen positiven Beitrag für zukünftige Lebensrealitäten zu leisten. Es gilt, mit den eigenen Produkten und Services die Kundenbedürfnisse ziel- und lösungsorientiert abzudecken. Und zwar vom Anfang bis zum Ende.“ Der Auftrag lautet, „dass Österreich weiterhin eine führende Rolle am Markt einnimmt. Die einen sagen ‚Wettbewerbsfähigkeit‘
dazu, die anderen ‚Arbeitsplätze‘ – beides ist richtig.“

Christoph Hofer argumentiert in dieselbe Richtung: „Wenn sich nicht jeder selbst bei der Nase nimmt, haben wir ein Problem. Wir kommunizieren die aktuelle Situation selbstverständlich auch zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Indem sie aktiv mitdenken und die Maßnahmen unterstützen,
tragen sie wesentlich dazu bei, das gesamte Unternehmen zukunftsfit zu machen.“ Metagro setzt auch energietechnisch darauf, zusammenzurücken. „Wir sprechen uns aktuell mit der Gemeinde Hainfeld und anderen Unternehmen ab, um unseren gemeinsamen Energiebedarf gebündelt aus einem Blockheizkraftwerk zu beziehen. Denn jetzt ist die Zeit, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, um sich unabhängig von fossilen Energiequellen zu machen.“
Ernst Schäfer berichtet ebenfalls von angedachten Konzepten für ein gruppen- und holding-internes Blockheizkraftwerk. Parallel dazu müssen allerdings auch österreichweite Überlegungen angestellt werden, wo die benötigte Energie für die Wirtschaft, natürlich auch die Metalltechnische Industrie, herkomme: „Jetzt sind echte Wirtschaftsexperten gefragt! Denn eine Umstellung auf Öl ist lediglich
eine kurzfristige Lösung, umweltfreundliches Fracking wäre schon langfristiger. Ziel muss es sein, wieder Stabilität herzustellen. Da sich aktuell alle Unternehmen dieser Herausforderung stellen müssen, bin ich durchaus zuversichtlich, denn auch in der Vergangenheit haben sich Österreichs
Unternehmen als innovativ und umsetzungsfreudig erwiesen.“

Versorgung und Preisstabilität

Für WK-Fachgruppenobmann Veit Schmid-Schmidsfelden beweist die Metalltechnische Industrie in Niederösterreich beeindruckende Innovationskraft: „Die aktuelle Situation stellt jeden einzelnen Betrieb vor neue Herausforderungen. Die Unternehmen reagieren vorbildlich flexibel – im Rahmen
ihrer Möglichkeiten. Ich habe größten Respekt vor allen Verantwortlichen sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die entsprechende Veränderungen und Maßnahmen mittragen. Gleichzeitig kann ich versichern, dass wir als Interessenvertreter alles unternehmen, sowohl die Versorgung als auch die
Preisstabilität der für die Produktion benötigten Energieträger sicherzustellen.“ Als Anreiz und Unterstützung bietet die Fachgruppe der Metalltechnischen Industrie Niederösterreich aktuell drei Fördercalls – für einen Digital Check, eine klimaneutrale Produktion sowie eine flexible Unternehmensausrichtung. „Mit den Themenfeldern Digitalisierung, Ökologie und Agilität decken wir rei der wichtigsten strategischen Stoßrichtungen ab und unterstützen unsere Mitgliedsbetriebe aktiv durch gezielte Beratungs- und Investitionsförderungen. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, dass sich die Unternehmen möglichst fit in und erfolgreich aus der Krise entwickeln“, erklärt Veit Schmid-
Schmidsfelden.

Formular MIT Fördermodell 2022

Facts & Figures der Metalltechnischen Industrie in Niederösterreich

Die Metalltechnische Industrie ist die Schlüsselindustrie und Job-Motor in Niederösterreich. Sie umfasst alle Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei. Mit knapp 300 Unternehmen und über 27.000 Beschäftigten erwirtschaftet die Metalltechnische Industrie NÖ pro Jahr einen Produktionswert von rund 7 Milliarden Euro. Die mittelständisch strukturierte Branche stellt das Rückgrat der industriellen Beschäftigung in Niederösterreich dar.

Zahlen für NÖ:

  • 27.138 unselbstständig, beschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • 295 Unternehmen
  • 7 Mrd. Euro Produktionswert (davon 5,2 Mrd. Euro Umsatz im Ausland)
  • 12 Prozent des Bruttoregionalprodukts von NÖ erwirtschaftet die Branche
  • 808 Lehrlinge – das entspricht rund 40 Prozent der Industrielehrlinge
  • 1/3 Drittel aller NÖ Industrie-Exporte

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