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Modehandel: „Überbordende Bürokratie“

Bürokratie-Kosten für die Branche: 50 Mio. Euro

Mode- und Freizeitartikel-Obfrau Jutta Pemsel schätzt die Bürokratie-Kosten für die Branche auf 50 Mio. Euro: „Online Handel hat diese Probleme nicht."

WKÖ-Mode und Freizeitartikel Obfrau und NÖ-Spartenobfrau-Stv. Handel Jutta Pemsel.
© Wilke WKÖ-Mode und Freizeitartikel Obfrau und NÖ-Spartenobfrau-Stv. Handel Jutta Pemsel.

Vertreter des heimischen Modehandels beklagen einen „überbordenden" Bürokratieaufwand. Dieser lasse sie im intensiven Wettbewerb zurückfallen. „Der Online-Handel hat diese Probleme nicht", bemängelte Jutta Pemsel, WKÖ-Mode und Freizeitartikel Obfrau. Den Aufwand für die gesamte Bekleidungsbranche bezifferte Pemsel mit 50 Millionen Euro im Jahr.

Doch während große Firmen nur etwa 0,4 Prozent ihres Umsatzes für bürokratische Tätigkeiten aufwenden müssten, liege dieser Anteil bei Kleinunternehmen bei vier Prozent – womit die Bürokratie-Kosten die durchschnittlichen Werbeausgaben überstiegen.

Rund 85 Prozent der etwa 3.700 Betriebe im Modehandel sind Kleinunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern. Mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes von 5,2 Mrd. Euro fällt aber auf die 25 größten Firmen. Die Umsätze stagnieren, die Ertrags- und Kapitalsituation hat sich zuletzt verschlechtert.

Online-Anteil bei Bekleidung: 20 Prozent

„Viele Betriebe befinden sich in Stagnation oder in einer
Schrumpfungsphase", so Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria. Der Online-Anteil im Bereich Bekleidung liege bereits bei 20 Prozent.

Mit Bürokratie verbinden Unternehmen alles vom Arbeitsrecht und Dokumentationspflichten über Lohnverrechnung und Steuern bis zur Registrierkasse, ergab eine Befragung der KMU Forschung Austria. Demnach mache der Zeitaufwand für Informationspflichten im Schnitt 45 Stunden im Monat pro Unternehmen aus. Für die Erfüllung der Regelungen errechnete die KMU Forschung im Schnitt 31 Stunden pro Monat.

Jutta Pemsel, selbst Inhaberin von Modegeschäften, beklagte die zahlreichen Erfordernisse, die man als Betrieb erfüllen müsse. Selbst KMU bräuchten etwa eine Sicherheitsfachkraft oder einen Brandschutzbeauftragten. Für größere Firmen seien Abfallbeauftragte nötigt, die Kurse mit kommissioneller Prüfung machen müssten, dabei produziere der Modehandel Abfall wie ein Haushalt, so Pemsel. Onlinehändler hätten diese Probleme alle nicht.

Pemsel fordert einen Stopp der „Regulierungswut":

„Bürokratische Pflichten müssen im Verhältnis zum Nutzen stehen." Als Beispiel nannte sie, dass auch bei Bekleidung, die zu Dekorationszwecken in drei Metern Höhe angebracht ist, ein Preisschild angebracht werden müsste, obwohl die Kunden es ohnehin nicht sehen würden. Auch eine alte Kammer-Forderung brachte sie erneut auf: Die Abschaffung des Kumulationsprinzips im Verwaltungsstrafrecht. Der Wegfall der Mehrfachbestrafung aus gleichartigem Anlass (bei ein und demselben Vergehen) ist der Wirtschaft schon lange ein Anliegen.

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