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„Bitte machen Sie, was unsere Regierung sagt!“

Ojan Assadian war als Hygieniker und Tropenmediziner schon fast überall. Sein Schwerpunkt Epidemiologie gab den Ausschlag, den ärztlichen Leiter des Landeskrankenhauses Neunkirchen zu Corona zu befragen.

Ojan Assadian ist auch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.
© Peri Consulting Ojan Assadian ist auch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

Corona ist das Thema Nummer eins. Welche Irrtümer kursieren dazu?

 Der größte Irrtum ist sicher der, dass man jetzt unbedingt mehr Klopapier kauft. Was sich zu Beginn der Pandemie in den Supermärkten abgespielt hatte, war nicht nur versorgungstechnisch völlig unnötig, leider war es auch aus infektiologischer Sicht problematisch. Gerade in Österreich sind wir mit vielen Gütern ausgezeichnet versorgt. Es gibt von allem genug – Brot, Butter, Milch – das ist kein Problem. Ein Problem ist aber der Engpass bei Handschuhen, Mund-Nasenschutz und Kitteln in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

 

Was würden Sie sich als Konsequenz aus der derzeitigen Situation wünschen?

 Dass wir mehr Kontrolle über die Verfügbarkeit von infrastruktur- und versorgungsrelevanten Gütern haben. Genauso sollte unsere Produktions-Infrastruktur wieder die Versorgung mit medizinischen entscheidenden Gütern gewährleisten können. Das ist unbedingt nötig angesichts der jetzt horrenden Preise für Medizinprodukte und Arzneimittel sowie Lieferengpässe, die auch durch Eigeninteressen Dritter verursacht wurden.

 

Stellt Corona etwas Einmaliges dar, oder wird es in Zukunft mehr Pandemien geben?

 Diese Pandemie ist nicht einzigartig, es hat schon viele gegeben, und es wird auch in Zukunft weiter pandemische Ausbrüche von Infektionserregern geben. Die Verbreitung des SARS-CoV-2 ist in vielem ähnlich wie bei Schnupfen- und Influenza-Viren oder wie bei SARS-CoV im Jahr 2002/2003. Aktuell einzigartig ist allerdings, dass sich die gesamte Menschheit gemeinsam bemüht, das Virus einzudämmen, und dass alle Regierungen abgestimmte Strategien einsetzen, um der Situation Herr zu werden.

Ebenfalls einzigartig ist auch die Unmittelbarkeit: Jeder kann die Verbreitung des Virus in Echtzeit am Mobiltelefon mitverfolgen. So etwas hat es bisher noch nie gegeben.

 

Was wird sich nach der Krise ändern?

 Diese Situation birgt trotz des großen Leids der Betroffenen auch Chancen: Die Corona-Pandemie wird unser Tun und Handeln ohne Zweifel in vielen Bereichen komplett ändern. Diese Pandemie hat unsere Regeln, wie wir Wirtschaft betreiben, Produktionsmittel herstellen und vor allem, wo wir sie herstellen, gründlich hinterfragt. Was Medizinprodukte angeht, hat ganz Europa derzeit ein ungeheures Logistikproblem. In der Vergangenheit als „smarte“ Lösungen angepriesene Logistikkonzepte – Auslagerung der Produktion, Auslagerung der Lagerwaren, production on demand, Kleinhalten lokaler Verbrauchslager – erweisen sich nun als gar nicht „smart“.

 

Was ist zu tun, um die Situation zu verbessern?

 Gegenfrage: Glauben sie, wir werden es uns in Zukunft leisten können, dass ganze Krankenhäuser von einem Tag auf den anderen ohne Masken, Handschuhe, Beatmungsgeräte, labordiagnostische Reagenzien oder Schutzausrüstung dastehen? Die Lehre für Wirtschaft und Gesellschaft kann nur sein, für solche Szenarien vorzusorgen.

Jeder einzelne von uns sollte die Benimmregeln der Großeltern wieder ernst nehmen, die hatten und haben jetzt wieder einen sehr realen Hintergrund. Wir hatten nur jahrzehntelang das Glück, ohne Disziplin und sozialer Verbindlichkeit durch den Alltag zu kommen.
Alle Maßnahmen, die etwas bringen wie Händehygiene, Abstand halten und nur „geschützt“ niesen oder husten sind eigentlich ganz gewöhnliche Benimmregeln – jetzt zwar etwas verschärft - aber im Wesentlichen war es immer schon klar, dass man anderen nicht einfach ins Gesicht niest, seinen Mitmenschen ungehemmt auf den Leib rückt oder krank zur Arbeit geht und andere ansteckt. Das sind Regeln, die schon unsere Großeltern gewusst haben – ich erinnere mich genau, dass meine Großmutter mit mir als Kind das richtige Schnäuzen - also abgewendet ins Taschentuch zu schnäuzten - geübt hat.

Diese Regeln wurden zu lange nicht ausreichend befolgt, und so haben wir mit der exponentiellen Verbreitung des Virus nun eine viel schlimmere Situation, als wenn sich alle an diese Regeln gehalten hätten.

 

Welche Botschaft möchten Sie den Leserinnen und Lesern mitgeben?

 Wir müssen wieder lernen, Regeln und Anweisungen als verbindlich anzusehen und ernst zu nehmen. Ich habe oft das Gefühl, dass in Österreich nur zwei Gesetze ernstgenommen werden: Das Einkommenssteuergesetz und die Straßenverkehrsordnung. Alles andere läuft da eher unter „Vorschlag“. Das hat jetzt dazu geführt, dass sich viel zu Wenige an die ausgegebenen Regeln gehalten haben und ab einem bestimmten Punkt dafür wieder überreagiert haben. Das führt etwa dazu, dass Menschen, die es überhaupt nicht brauchen, auf literweise Desinfektionsmittel zuhause sitzen, während Krankenhäuser und Pflegeanstalten viel zu wenig davon haben.

Natürlich haben wir alle als Individuen Rechte, und das ist gut so. Wir müssen nur diese leider altmodisch gewordenen Begriffe Gemeinwohl und Gemeinschaftlichkeit wieder in den Vordergrund unseres Denkens bringen. Wir müssen uns der Frage stellen was mehr wiegt: Das Wohl des Einzelnen oder das Wohl der Gemeinschaft. Idealerweise schaffen wir eine Balance, in der es dem Einzelnen gut geht, weil es dem Allgemeinwohl gut geht.

Für die Praxis hier und heute: Bitte machen Sie, was unsere Regierung sagt. Sie hat auf diese Krise genau richtig reagiert. Und ihre verordneten Maßnahmen sind genauso richtig wie nötig.

 

 

Zur Person

Ojan Assadian ist weit gereist: Er war als Hygieniker und Tropenmediziner auf der ganzen Welt – insbesondere Malaysia, Singapur, China, Australien, Zentralasien und Nordafrika. Der Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie mit Additivfach Infektiologie und Tropenmedizin arbeitete nach seiner Rückkehr aus England 2017 an der Universitätsklinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle der MedUni Wien/AKH, seit 2019 ist er ärztlicher Direktor des LK Neunkirchen.

Sein Interesse fokussiert sich auf Diagnostik, Therapie und Prävention von Infektionserkrankungen mit besonderem Schwerpunkt auf Epidemiologie und Prävention von nosokomialen Infektionen sowie Therapie und Prävention von Wundinfektionen.

Er fungiert als Begutachter und Mitherausgeber internationaler medizinischer Zeitschriften, ist Herausgeber und Autor mehrerer Fachbücher auf dem Gebiet der Hygiene und Infektiologie und Autor von mehr als 300 international publizierten wissenschaftlichen Fachartikeln (h-index 43). Neben zahlreichen nationalen und internationalen Funktionen ist Ojan Assadian Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH).

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