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Gewerbe und Handwerk fordert zielgerichtete Maßnahmen

Bei 58 % der Betriebe lagen die Auftragseingänge auf Vorjahresniveau und 20 % verzeichneten Rückgänge um 13,9 %.

Eine zwiespältige Konjunktur-Bilanz zogen die Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Renate Scheichelbauer-Schuster und der Direktor der KMU-Forschung Austria, Walter Bornett.
Bundesspartenobfrau Gewerbe und Handwerk, Renate Scheichelbauer-Schuster
© Josef Bollwein Bundesspartenobfrau Gewerbe und Handwerk, Renate Scheichelbauer-Schuster
„Signifikant ist das Auseinanderdriften von Kleinstbetrieben mit unter 10 Beschäftigten und klassischen KMU mit einer Beschäftigtengröße von über 20 Mitarbeitern“, erläuterte Bornett.
Während letztere langsam an Fahrt aufnehmen würden, zeigten sich bei den Kleinstbetrieben keine Verbesserungen. Diese Schere sei in den vergangenen Jahren immer weiter aufgegangen. „Umso wichtiger ist jetzt, wo die Konjunktur wieder langsam anspringt, Maßnahmen zu treffen, um die Kleinstbetriebe zu unterstützten“, betont Scheichelbauer-Schuster.

Handwerkerbonus weiterführen

Sowohl Scheichelbauer-Schuster als auch Bornett forderten, den Handwerkerbonus in der vorliegenden Form mit einer Dotierung von 20 Millionen Euro weiterzuführen.

„Der Handwerkerbonus liefert wesentliche Impulse: Sowohl Österreichs Konsumenten als auch die Betriebe profitieren davon. Da die wirtschaftliche Situation der Kleinbetriebe sich noch nicht wie gewünscht entwickelt, sollte eine Entscheidung über eine Verlängerung oder sogar Höherdotierung so rasch wie möglich fallen“, fordert Scheichelbauer-Schuster.

Neuer Wettbewerbsrahmen für Betriebe

Die Reform der Gewerbeordnung und die Mindestlohn-Einigung würde einen neuen Wettbewerbs-Rahmen ergeben, der arrivierte Betriebe nicht schlechter stellen dürfe, sagte Scheichelbauer-Schuster.
In Hinblick auf die Reform der Gewerbeordnung meinte die Obfrau, dass die Kostenentlastung für die Gründer und bei den Mitgliedsbetrieben durch die Reduktion der Gewerbescheine ein „positiver Aspekt“ sei. Und Konsumenten könnten nun mehr „Leistungen aus einer Hand erhalten“. In Hinblick auf die neuen Möglichkeiten, die sich durch die Ausweitung der Nebenrechte und die Gewerbelizenz ergeben, will die Bundessparte eine Evaluierung dieser Regelung in zwei bis drei Jahren durchführen.
Die durch Neuregelung ebenfalls betroffenen Fachorganisationen würden jedenfalls ihre Maßnahmen verstärken, um den Mitgliedsbetrieben mehr und zielgenaueres Service zu bieten. Was die Einführung eines Mindestlohns von 1.500 Euro betrifft, wies Scheichelbauer-Schuster darauf hin, dass nach wie vor Branchen wie die Mode- und Bekleidungstechnik, Konditoren oder die Floristen betroffen sind: „Lohnsteigerungen von bis zu 30 Prozent in zwei Jahren sind kein Klacks.“
Bedauert wurde seitens der Bundesparte, dass es bei Flexibilisierung der Arbeitszeit zu keiner Einigung gekommen ist. Das bereits am Tisch gelegene Verhandlungsergebnis hätte den Betrieben vor allem einen wichtigen neuen rechtlichen Rahmen gebracht, um die anfallende Arbeit tatsächlich abarbeiten zu können. Aus Sicht von Gewerbe und Handwerk ist daraus ein klarer Arbeitsauftrag abzuleiten, dieses Thema weiter zu verhandeln.

Maßnahmen gegen Lohn- & Sozialdumping

Ebenso Handlungsbedarf ortet die Obfrau angesichts der nun neu geschaffenen Rahmenbedingungen, was die wirksame Durchsetzung des Lohn- und Sozialdumpinggesetzes betrifft

Direktor der KMU-Forschung Austria, Walter Bornett
© KMU Forschung Austria Direktor der KMU-Forschung Austria, Walter Bornett

Die Lohnschere zwischen Österreich und Ungarn (24 Prozent des österreichischen Einkommens) sowie Slowenien (45 Prozent des österreichischen Einkommens) ist in den vergangenen elf Jahren gleichgeblieben, so Bornett.
Das sind Nachbarländer, aus denen der größte Wettbewerbsdruck auf die KMU im Baubereich bzw. Dienstleistungsbereich komme. Der nun paktierte Mindestlohn in Höhe von 1.500 Euro werde dieses Ungleichgewicht weiter verschärfen. Deshalb sollte es hier rasch zur Schaffung eines europaweiten vollelektronischen Kontrollsystems zur Abfrage der SV-Meldung von im Ausland sozialversicherten Arbeitnehmern kommen, fordert Scheichelbauer-Schuster.


Konjunktursituation 1. und 2. Quartal

Aktuell sind die Auftragseingänge bzw. Umsätze im 1. Quartal 2017 gegenüber dem 1. Quartal 2016 wertmäßig um 1,5 % gestiegen.
22 % der Betriebe in Gewerbe und Handwerk melden für das 1. Quartal 2017 Steigerungen um 11,7 %:
Bei 58 % der Betriebe lagen die Auftragseingänge auf Vorjahresniveau und 20 % verzeichneten Rückgänge um 13,9 %. Nach Branchen verzeichnen die investitionsgüternahen Branchen (plus 6,6 Prozent) ein besseres Ergebnis als der konsumnahe Bereich. 

Das 2. Quartal beurteilen 26 % der Betriebe mit ‚gut’ (Vorjahr: 21 %), 59 % mit ‚saisonüblich’ (Vorjahr: 54 %) und 15 % der Betriebe mit ‚schlecht’ (Vorjahr: 25 %), was zu einer verbesserten Einschätzung der Konjunktur führt, die sich aber – angesichts der Erwartungshaltung für das 3. Quartal – wieder abschwächt. Positiv zu werten ist, dass die Betriebe insgesamt wieder von einer leicht erhöhten Situation der Personalplanung ausgehen (plus 2,6 Prozent).

Auftragsbestand und Personalbedarf nach Branchen

Im investitionsgüternahen Bereich melden der Holzbau, Bau, Metalltechniker und Elektriker mit jeweils etwa zehn Prozent einen deutlich erhöhten Auftragsbestand gegenüber dem Vergleichsquartal 2016. Im konsumnahen Bereich erwarten Fotografen, Gesundheitsberufe und Mechatroniker höhere Umsätze für das 2. Quartal 2017. Auch für das 3. Quartal bleiben die Erwartungen an die Konjunktur im Holzbau hoch, Kunststoffverarbeiter und Lebensmittelgewerbe nehmen an Fahrt auf. Stattdessen schrauben Fotografen, die chemischen Gewerbe und Fußpfleger ihre Erwartungen nach unten. Der Personalbedarf ist in folgenden Branchen besonders hoch: Hafner, Holzbau, Gärtner und Floristen, Bau, Dachdecker/Spengler/Glaser.



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