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"Grenzenlose Globalisierung hat einen Dämpfer erlitten"

Der Weinviertler Johann Marihart stand fast 30 Jahre an der Spitze des Agrana Konzerns. Im Interview mit der NÖWI spricht er über die Europäische Union, China und den Wirtschaftsstandort Niederösterreich.

In der Ära Johann Marihart entwickelte sich die Agrana zu einem internationalen Konzern mit 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an weltweit 56 Standorten, darunter Werke in Tulln, Leopoldsdorf im Marchfelde, Gmünd, Pischelsdorf und Kröllendorf
© Sabine Klimpt In der Ära Johann Marihart entwickelte sich die Agrana zu einem internationalen Konzern mit 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an weltweit 56 Standorten, darunter Werke in Tulln, Leopoldsdorf im Marchfelde, Gmünd, Pischelsdorf und Kröllendorf

Sie waren fast 30 Jahre, seit 1982, an der Spitze der Agrana. Wenn Sie zurückblicken: Gibt es etwas, worauf Sie besonders stolz sind?
Der Vorteil, wenn man so lange in einer Funktion ist, dass man einerseits natürlich verantwortlich ist, dass man aber andererseits auch gestalten kann. Worauf ich schon stolz bin ist, dass wir die EU-Öffnung so gut nutzen konnten, denn das waren die Internationalisierungsvoraussetzungen für die Agrana. Die Ostöffnung war die Voraussetzung, dass man wachsen konnte.


Würden Sie generell sagen, dass die Internationalisierung der Wirtschaft eines der prägendsten Elemente der Wirtschaft in den letzten 30 Jahren war?
Ich denke schon, denn ohne Ostöffnung hätte Österreich – und insbesondere auch Niederösterreich – nicht diese „Sonder-Konjunktur“ gehabt. Und diese „Sonder-Konjunktur“ bedeutete ja praktisch über 20 Jahre ein um ein Prozent höheres Wirtschaftswachstum. Ich selbst habe beruflich ja 1976 als junger Chemiker in Gmünd begonnen und habe dort hautnah erlebt, was es bedeutet, am Eisernen Vorhang zu leben.

Bleiben wir gleich beim Thema: Hat sich die EU so entwickelt, wie Sie sich das vorgestellt haben?
Marktmäßig jedenfalls. Wo Europa noch Potenzial hätte, das wäre bei der Harmonisierung des Binnenmarkts. Europa ist ja nicht wirklich harmonisiert, nur zum Teil.

Wie konkurrenzfähig sehen Sie Europa auf dem globalen Markt, etwa gegenüber den USA oder China aufgestellt?
Die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den USA sehe ich durchaus gegeben. Die USA sind nicht nur Silicon Valley oder die Ostküste, da gibt es dazwischen sehr viel Land, das auch politisch prägend ist. Die Agrana hat ja dort Fabriken, in diesem Umfeld könnte ich in keiner Weise feststellen, dass Europa hier irgendwo im Nachteil wäre. Der Vorteil der USA ist lediglich die Größe und der wirklich harmonisierte Binnenmarkt.

Und China?
In Asien ist es natürlich eine Kostenfrage – weil die Preise hier niedriger waren. Mittlerweile gibt es hier aber teilweise schon westliches Preisniveau. Auf die lange Reihe sehe ich die Wettbewerbsfähigkeit Europas nicht gefährdet, wenn wir weiter unsere Stärken ausspielen: Innovation, Ausbildung, die europäische Infrastruktur. Aber wie das eben so ist: Hände in den Schoß legen gilt nicht.

Mit Corona ist verstärkt wieder der Gedanke in den Vordergrund getreten, man müsse Produktion im eigenen Raum halten oder aufbauen. Ist das nachhaltig? Oder vielmehr: Ist das überhaupt realistisch?
Die grenzenlose Globalisierung, die insbesondere von der EU getrieben wurde und bei der die EU ein gewisses Sendungsbewusstsein an den Tag gelegt hat, das man auch als überzogen bezeichnen könnte, hat einen Dämpfer erlitten. Man sieht heute die grenzenlose Globalisierung, bei der man versucht hat, sich Absatzmärkte für Technologien oder Fahrzeuge zu schaffen und den Zielländern dafür agrarische Produkte abzunehmen, kritischer. Man weiß jetzt, dass man bestimmte Logistikketten nicht aufrechterhalten kann, wenn etwas passiert. Die Ernährungskette nicht in der Hand zu haben oder die Kette der medizinischen Versorgung ist sicher ein Thema. Das wird die Politik sicher im Auge behalten.

Dazu braucht es aber auch Rohstoffe, die man nicht immer selbst hat und die aktuell immer teurer werden…
Die Rohstoffe werden weltweit knapper, die Flächen auf diesem Planeten werden täglich weniger. Insofern glaube ich, dass das derzeit erst der Beginn ist. Im Moment haben wir etwa auch in Asien eine Getreidepreis-Hausse, ärger als in Europa, ausgelöst durch den Konsumhunger von China. Die Rohstofffrage ist keine Not Europas, sondern weltweit ein Thema. Mehr vegan zu essen – nicht als Religion – wird eine Notwendigkeit werden.

Steckt darin auch eine zusätzliche Triebfeder für Innovationen, neue Technologien für rohstoffschonendere Produktion?
Ja. Die Agrana versucht das etwa auch in ihrer Bio-Raffinerie in Pischelsdorf (Bezirk Tulln) modellhaft umzusetzen, indem aus den Rohstoffen Weizen und Mais dort alles verwertet wird, was anfällt – es wird Stärke daraus, es wird Abfallstrom in die Alkoholanlage geleitet, daraus wird wieder Alkohol für Biotreibstoffe oder Desinfektionsmittel und so weiter.  


Gibt es noch Wünsche, die Sie an den Wirtschaftsstandort Niederösterreich hätten?
Niederösterreich hat sich toll entwickelt – von der Infrastruktur über die Kultur bis zum Bildungsstandort, wobei der letzte Punkt wohl der entscheidendste überhaupt ist. 

Zur Person

⇒ Johann Marihart, Jahrgang 1950, studierte Technische Chemie
    an der TU Wien.

⇒ 1976 begann er seine Berufslaufbahn im Stärkewerk Gmünd.

⇒ 1988 wurde er Mitglied des Agrana-Vorstands, ab 1991 war Marihart
     Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Marihart ist verheiratet und hat
      eine erwachsene Tochter.

⇒ In seiner Amtszeit expandierte der Agrana-Konzern in Osteuropa und baute
    weltweit mit Fruchtzubereitungen und Fruchtsaftkonzentraten ein drittes
     Unternehmensstandbein auf. Der Umsatz hat sich in der Ära Marihart
     versiebenfacht und lag im Geschäftsjahr 2020/21 bei 2,55 Mrd. Euro.

⇒ Seit 1. Juni ist Johann Marihart, einer der längstdienenden Konzernlenker in
     Österreich, in Pension

⇒ Marihart übergab an seinen Nachfolger Markus Mühleisen (54). 

⇒ Im Zuge der Neuaufstellung des Managements verließen auch Thomas Kölbl
     nach 16 Jahren und Fritz Gattermayer nach 12 Jahren den Agrana-Vorstand
     per Ende Mai.

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