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Green Deal kostet NÖ Wirtschaft bis zu 0,8 Prozent an Wertschöpfung

Ecker/Salzer: „Niederösterreichs Unternehmen sind Teil der Lösung, nicht des Problems. In Zukunft müssen sie ihr Geschäftsmodell anpassen und werden kurzfristig negative Effekte mit neuen Technologien und Entwicklungen kompensieren." 

WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker bei der Pressekonferenz Green Dea
© Gerti Wallner WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker bei der Pressekonferenz Green Deal

Niederösterreichs Wirtschaft und Industrie unterstützen die nationalen und europäischen Klimaziele bis zum Jahr 2040 bzw. 2050 klimaneutral zu werden. Mit den Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistungen durch Kostensteigerungen bei der Umsetzung des Green Deals beschäftigte sich eine Studie von EcoAustria, Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung NÖ.

„Niederösterreich gehört zu den europäischen Regionen, in denen die Wertschöpfung pro Tonne CO2 relativ niedrig ist, sprich die Produktionstätigkeit erfolgt mit einem vergleichsweise hohen Ausstoß an Treibhausgasen. So ist davon auszugehen, dass die kostenerhöhenden Maßnahmen des Green Deals in Niederösterreich möglicherweise mit stärkeren negativen Effekten verbunden sein werden als im Rest der Europäischen Union“, so EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna, die in einer Studie die Auswirkungen des Green Deal auf die niederösterreichische Wirtschaft und Industrie untersucht hat. Die Analyse der EcoAustria ergab, dass die niederösterreichische Wirtschaftsleistung kurz- bis mittelfristig im Ausmaß zwischen 0,5 und 0,8 Prozent der Wertschöpfung durch Kostensteigerungen im Zuge der Umsetzung des Green Deals betroffen ist. Zu den Sektoren, die am ehesten betroffen sind, zählen die Verkehrswirtschaft, die Herstellung von Waren sowie der Handel.

„Mittel- bis langfristig ist jedoch davon auszugehen, dass die Umrüstung auf CO2-freundlichere Produktion und die Entwicklung neuer Technologien Teile dieser negativen Effekte kompensieren werden können“, bleibt Köppl-Turyna zuversichtlich.

Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) hält fest, dass die Wirtschaft die europäischen Klimaziele unterstützt, aber: „Sie müssen wirtschaftsverträglich und leistbar bleiben. Im Vordergrund steht die CO2-Reduktion, aber nicht die Art der Technologie, wie dies von der Wirtschaft zu erreichen ist.“ Bestes Beispiel sei der Straßenverkehr: Hier ausschließlich auf batteriebetriebene Antrieb zu setzen, ist für den WKNÖ-Präsidenten zu kurz gedacht: "Dieser Antrieb soll in einem fairen Wettbewerb mit anderen Antrieben, wie grünem Wasserstoff, E-Fuels oder Biokraftstoffen stehen. Das lässt sich auch eins zu eins auf die ökologische Gebäudeerrichtung und –sanierung umlegen. Aber auch auf die Prozesswärme in gewerblichen oder industriellen Herstellungsprozessen." Außerdem plädiert der WKNÖ-Präsident für schnellere UVP-Verfahren und die Erhaltung des bestehenden Gasnetzes. "Bei jahrelangen Genehmigungsverfahren für die Errichtung von Ökostromanlagen, Anpassung der Stromnetze oder große Ökologisierungs-Schritte von Unternehmen schaffen wir keinesfalls die rechtzeitige Umsetzung", weiß Wolfgang Ecker. Das bestehende Gasnetz brauche man nicht nur als Brückentechnologie, sondern vor allem für künftige Wasserstoff- und Grüngasanwendungen. Auf Bundesebene fordert Ecker, dass die administrative Belastung aus der Vielzahl der neuen Regelungen für die Betriebe so gering als möglich gehalten wird.

Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV-NÖ) sieht die Industrie beim Green Deal ganz klar als „Teil der Lösung, nicht Teil des Problems“. Das würde auch eine Umfrage bestätigen, die die IV-NÖ kürzlich unter den Mitgliedsbetrieben geführt hat. Zu den häufigsten Maßnahmen, die die Industrieunternehmen ergreifen, um den Klimawandel abzuschwächen, zählen die Modernisierung der Gebäude, reduzierte Reisetätigkeit, Recycling, E-Mobilität, aber auch Veränderungen bei der Energieversorgung sowie die Entwicklung klimafreundlicher Produkte. „Natürlich müssen Emissionen reduziert werden – aber bitte durch Technologien und Innovationen und nicht durch den Stopp dringend benötigter Infrastrukturprojekte“, so Salzer, denn: „Wenn Österreich bis 2040 klimaneutral sein will, dann brauchen wir ein riesiges Investitionsproramm für neue Infrastrukturen für Verkehr und Energie, Gebäude und Energiebereitstellung." Aufgrund der aktuellen Kostenexplosion bei den Strom- und Gaspreisen fordert er Unterstützung für die Betriebe: "Die Unternehmen wollen hier kein geschenktes Geld, sondern Maßnahmen wie eine Strompreiskompensation, die es in anderen EU-Ländern längst gibt oder eine schnellere Energieabgabenrückvergütung. Die Energiekosten entscheiden schließlich maßgeblich darüber, ob wir noch verlustfrei produzieren können oder nicht", so Salzer.

Martin Wurzl, designierter Werksleiter Technik & Produktion Fritz Egger GmbH & Co KG am Standort Unterradlberg sieht im Green Deal für seine Branche Chancen, aber auch Risiken. „Unsere Produkte sind bereits jetzt ein perfektes Beispiel für die Kreislaufwirtschaft, da wir Altholz recyclen, die biogenen Abfälle und Prozessstäube für die interne Energieerzeugung verwerten und möglichst nach dem „Zero Waste“-Prinzip produzieren. Zu den Risiken zählen für uns allerdings die Unsicherheiten im Emissionshandel, Nutzungsbeschränkungen von Wäldern und vor allem ein verstärkter Zugriff auf Holz als Energieträger und Rohstoff“, so Wurzl.

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