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Fussfassen in Südtirol

Niederösterreich und Südtirol: Verschiedene Wirtschaftsstandorte, ähnliche Herausforderungen, große Chancen. Wirtschaftsdelegierte Gudrun Hager gibt Tipps, wie der Markteintritt gelingt und wie 3G am Arbeitsplatz in Italien funktioniert.  

Gudrun Hager, Österreichische  Wirtschaftsdelegierte in Mailand
© AußenwirtschaftsCenter Mailand Gudrun Hager, Österreichische Wirtschaftsdelegierte in Mailand

Südtirol ist eine der wirtschaftsstärksten Provinzen Italiens und Europas. Niederösterreichische Unternehmen können davon durchaus profitieren.

Wirtschaft NÖ: Wie bewerten Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation in Italien und speziell in Norditalien?

  • Gudrun Hager: Nach den positiven Entwicklungen im 2. und 3. Quartal präsentiert sich Italiens Wirtschaft für 2021 in optimistischer Stimmung. Die Industrie gibt ein kräftiges Lebenszeichen von sich und der Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen wird auf rund 16% geschätzt, die Investitionen im Bausektor haben bereits das Vorkrisenniveau überschritten. Auch das Vertrauen der Konsumenten ist gestärkt, was sich in einer Belebung des Privatkonsums um 4,7% niederschlagen sollte. Der Sommer brachte Tourismusrekorde, die Bauwirtschaft floriert und der Pharma- sowie Lebensmittelsektor entwickeln sich überdurchschnittlich gut. Die aktuellen EU Herbstprognose rechnet für das Gesamtjahr 2021 mit einer starken Wirtschaftsbelebung von 6,2%, damit zählt Italien zu den europäischen Vorreitern. Italiens Wirtschaft soll 2022 einen stabilen Wachstumspfad beschreiten, vor allem dank eines ambitionierten Recovery-Plans, und könnte früher als prognostiziert in der ersten Hälfte 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

NÖ und Südtirol wollen die Zusammenarbeit intensivieren. In welchen Bereichen sehen Sie das größte Potential?

  • Südtirol ist für unsere Unternehmen traditionell das Eingangstor in den italienischen Markt und zeichnet sich durch seine dynamische Wirtschaft mit einem hohen Internationalisierungsgrad der produzierenden Industrie aus. Insbesondere bei Wachstum, Innovation, Einkommen und Beschäftigung nimmt die Provinz, welche mit ihrem zweitgrößten Wirtschaftspartner Österreich eng verflochten ist, eine Spitzenstellung ein. In den Stärkefeldern Green Building und in der Umwelttechnik, aber auch im Lebensmittelsektor, im Bereich alpiner Technologien, im Tourismussektor oder für Handelsbetriebe bieten sich Niederösterreichs Unternehmen interessante Kooperationschancen. Gefragt sind hochqualitative Angebote von Waren und Services bei Lieferungen und Beschaffungen, Vertriebspartnerschaften, Investitionen oder die Zusammenarbeit mit Forschungs- und Entwicklungspartnern. Diese eröffnen nicht nur lokale Marktchancen, sondern tragen auch zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit und Stärkung des Wirtschaftsstandortes Niederösterreich bei.


Wo sehen Sie für NÖ Unternehmen die größten Chancen um am italienischen Markt bzw. in Norditalien Fuß zu fassen? 

  • Besondere Chancen ergeben sich durch den 200 Mrd. Euro schweren Aufbau- und Resilienzplan, der den digitalen Wandel und die grüne Transformation des „bel paese“ vorantreiben wird. Eine Vielzahl von Branchen wird von den staatlichen Unterstützungsprogrammen belebt, mit regionalen Schwerpunkten sowie einem Fokus auf Start-ups und Forschung und Entwicklung. Im Vordergrund stehen nachhaltige, innovative und digitale Investitionen, sei es in der Industrie, im Tourismus, bei Mobilität und Infrastruktur oder im Gesundheitsbereich. Niederösterreichische Unternehmen können direkt durch eine Niederlassung in Italien von diesen umfassenden staatlichen Anreizen profitieren, indirekt über ihre italienischen Kunden, die etwa bei energetischen Sanierungen von Gebäuden oder bei Investitionen zur Digitalisierung der Industrie massive Steuergutschriften in Anspruch nehmen können. Der Trend zum Near-Shoring macht sich bezahlt: Österreichs Exporte nach Italien legten in den ersten acht Monaten um 27% zu.


Seit Mitte Oktober gilt in Italien 3G am Arbeitsplatz. Welches Resümee kann nach über einem Monat gezogen werden?

  • Das Thema 3G am Arbeitsplatz ist medial vieldiskutiert und sorgte auch international für Schlagzeilen. Mittlerweile hat Österreich mit 2G teilweise sogar strengere Regeln implementiert, deren Umsetzung und Auswirkungen auf die Infektionsentwicklung werden auch in Italien genau beobachtet. Die Maßnahme in Italien hat die Impfquote, welche mit über 80% der italienischen Bevölkerung - in der Lombardei sind es mehr als 90% - wesentlich über Österreich liegt, sowie die Testzahlen weiter deutlich erhöht.

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