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"Jeder Lehrberuf ist einer mit Zukunft"

Andreas Kandioler, Landeslehrlingswart und Vorsitzender des Bildungsausschusses in der Wirtschaftskammer NÖ, über die Lehre als eine der zukunftsträchtigsten Formen beruflicher Qualifikation und warum Berufsorientierung (BO) in frühen Jahren so wichtig ist. 

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© Josef Bollwein Andreas Kandioler, Landeslehrlingswart und Vorsitzender des Bildungsausschusses in der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

Zukunftsthema Fachkräftemangel. Verschieben sich die Interessen der Jugendlichen, die Bedürfnisse der Wirtschaft? Kann man von aktuellen Trends beziehungsweise Lehrberufen der Zukunft sprechen?
Andreas Kandioler:
Ja. Sowohl die Interessen der Jugendlichen, als auch die Bedürfnisse der Wirtschaft sind einem Wandel unterzogen. Die Generation Z „tickt“ ganz anders, als noch die Generation Y zuvor. Die Jugendlichen haben heute an das Leben und den beruflichen Alltag ganz andere Anforderungen. So sind ihnen etwa regelmäßige Arbeitszeiten und Trennung von Arbeit und Freizeit viel wichtiger, als Karriere zu machen. Dementsprechend sind die Unternehmen auch gefordert, die Arbeitsbedingungen und-strukturen daran anzupassen (Stichwort Employer Branding). Die Wirtschaft, einem internationalen Wettbewerb unterworfen , ist ebenso gefordert, ihre Strukturen und Anforderungen laufend anzupassen. Gerade die Digitalisierung hat enorme Auswirkungen mit sich gebracht. So ist die Welt der Fachkräfte einem stetigen Wandel unterworfen. Beides gilt es, unter einen Hut zu bringen. In den Medien werden als Trendberufe immer die vorgestellt, die mit Digitalisierung zu tun haben. Vielfach wird gefordert, die Ausbildungsinhalte noch mehr auf die digitale Welt auszurichten. Doch Fakt ist: Gerade die Lehre ist eine der zukunftsträchtigsten Formen der beruflichen Qualifikation. Insbesondere deswegen, da die Lehrberufe seit Anbeginn der Zeiten mit aktuellen und zukunftsorientierten Berufsbildpositionen versehen wurden. Wirtschaft und Arbeitnehmer haben sich gemeinsam auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung verständigt. Ein Rauchfangkehrer hat vor 100 Jahren noch ausschließlich Kamine gekehrt, heute ist er ein moderner Umwelttechniker. Das zeigt auch sehr schön: Jeder Lehrberuf ist ein Trend- und Zukunftsberuf!

In welchen Branchen besteht der größte Fachkräftemangel?
Niederösterreich ist ein Flächenbundesland mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Ausprägung in den Regionen. Daher ist es schwer, allgemein zu sagen ,diese oder jene Branche sucht'. Generell sind es Branchen wie der produzierende Bereich (Elektro, Metall), die Bauwirtschaft, aber auch der Dienstleistungsbereich, etwa Installateure und die Gastronomie, die nach Fachkräften suchen. Aber das hängt wirklich stark von den Gegebenheiten in den Regionen ab.

Was können Betriebe machen, um Lehrlinge zu finden?
Haben sich früher Jugendliche proaktiv um Lehrstellen bemüht, müssen heute Unternehmen vermehrt aktiv den Kontakt zu Jugendlichen und Eltern suchen, um potentielle Lehrlinge zu finden. Sei es durch Kooperationen mit lokalen Schulen, durch Präsenz bei BO Veranstaltungen und Messen, oder über Social Media. Wir als WKNÖ beraten hier die Unternehmen sehr gerne, wenn es darum geht, neue Wege bei der Gewinnung von Lehrlingen einzuschlagen. Ein konkretes Beispiel sind unsere Generationen-Workshops, zu denen wir eingeladen haben: Denn die Generation Z will ganz anders angesprochen werden, als noch die Generation Y.

Wie können Jugendliche den passenden Beruf für sich finden?
Wichtig ist zunächst, dass die Jugendlichen ihre Stärken und Potentiale kennen. Aufbauend darauf kann man dann seinen Eignungen und Fähigkeiten entsprechend auch den passenden Beruf finden. Das WKNÖ BIZ bietet hier mit dem NÖ Talente Check Jugendlichen, aber auch Schul- und Studienabbrechern tolle Beratung an: auf fachlich sehr fundierte Art und Weise werden die Stärken und Potentiale jedes Einzelnen getestet und in vertiefenden Beratungsgesprächen dann berufliche Wege aufgezeigt.

Warum ist die frühe Auseinandersetzung mit Berufsorientierung so wichtig?
Je früher sich Jugendliche für den richtigen Beruf entscheiden, umso mehr ersparen sie sich negative Erfahrungen, etwa Schul- oder Studienabbruch. Aber auch für den Staat ist das enorm wichtig, denn durch hohe Abbrecherzahlen entsteht auch großer volkswirtschaftlicher Schaden.

Welche Maßnahmen setzt die WKNÖ im Kampf gegen den Fachkräftemangel?
Die WKNÖ setzt verschiedenste Maßnahmen im Bereich Berufsorientierung, um die richtigen Jugendlichen für einen Lehrberuf zu gewinnen. Wir zollen etwa mit der Kampagne ,Lehre? Respekt!' jedem Jugendlichen Respekt, der sich mit 15 Jahren für eine Lehre entscheidet. Wir zeigen Maturanten auf, dass sie nach einer AHS-Matura in verkürzter Zeit auch eine Lehre nach der Matura machen können – ein Modell, das für Maturanten immer attraktiver wird. Wir nutzen die Social-Media-Kanäle intensiv, um Jugendliche und deren Eltern auch auf die Möglichkeit einer Lehre als Form der beruflichen Qualifikation aufmerksam zu machen. 2020 konnten wir knapp 1 Mio. Menschen über die Medien, wie Facebook, SnapChat oder Instagram erreichen. Auch unsere Webinare ,Elternpower' wurden von vielen Eltern genutzt, um sich über Berufsorientierungsmöglichkeiten während der Krise zu informieren. Ergänzt werden die zahlreichen Maßnahmen durch viele spezifische Angebote und Maßnahmen der Branchenvertretungen der WKNÖ.

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