th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht Twitter search print pdf mail linkedin google-plus Facebook arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram pinterest skype vimeo snapchat
news.wko.at
Mein WKO

"Innenstädte sind unser Wohnzimmer"

Nina Stift, Vizepräsidentin der WKNÖ, spricht im NÖWI-Interview über Ortskernbelebung, die schwierige Zeit für die Modebranche während Corona und die Freude am Unternehmertum. 

Interview: Nina Gamsjäger
Interviewfoto von Nina Stift
© Nina Gamsjäger

Was zeichnet die Wirtschaftskammer NÖ Ihrer Ansicht nach besonders aus?

Stift: Das Schöne ist, dass man etwas bewegen kann. Die Vielfalt an Leistungen in der Wirtschaftskammer – von Serviceleistungen über Beratungen bis hin zu Aktionen – ist beeindruckend. Ich bewundere die Flexibilität und Organisation in dieser Institution. Ich bin stolz, hier mitarbeiten zu dürfen!

Ihr Schwerpunktthema ist Nahversorgung und Ortskernbelebung. Wie ist Ihr Zugang zu diesen Themen?

Ich habe selbst ein Innenstadt-Geschäft und war auch schon rund 20 Jahre im Stadtmarketing Tulln tätig. Mir liegen die Innenstädte sehr am Herzen. Wie man das angeht? Sich etwas trauen, eine kräftige Stimme sein und Aktionen machen. Wichtig ist, Aufmerksamkeit für das Thema zu erlangen. Die Konsumenten müssen wissen, was es bedeutet, wenn sie nicht regional einkaufen. Die Innenstädte sind unser Wohnzimmer und da wollen wir doch alle gerne sitzen, Kaffee trinken und sich etwas kaufen.

Wie sehen Sie die Stadtentwicklung in Tulln?

Tulln hat eine super Entwicklung hinter sich, da sind schon vor 20 Jahren die Weichen richtig gestellt worden. Wir haben eine Tiefgarage und ein Einkaufszentrum mitten in der Stadt. Ortskernbelebung wird hier seit Jahrzehnten gelebt. Die Pandemie hat natürlich alle erwischt. Aber das Gesamtpaket mit Gastronomie, Parkplätzen, Handel, Kunst und Kultur ist in Tulln vorhanden.

Eine breite Vielfalt ist für die Innenstädte also wichtig?

Ja, aber nicht nur. Es hängt auch viel an den Menschen, die an der Entwicklung arbeiten und daran glauben müssen. Auch die Investitionen, die getätigt werden und die Stadtpolitik spielen eine große Rolle.

Bei einer virtuellen Unternehmerrunde haben Sie auch über Rahmenbedingungen gesprochen, um den regionalen Einkauf zu fördern. Welche sind das konkret?

Erstens brauchen wir eine Steuergleichheit mit dem Online-Handel – da hat sich jetzt auch etwas bewegt. Natürlich muss auch die richtige Infrastruktur geschaffen werden, da sind wir auch beim Parkplatz-Thema. Und die Mieten sind ein entscheidender Faktor – diese müssen für Unternehmer leistbar sein. Ich appelliere wirklich an alle Vermieter, eine vernünftige Miete zu vergeben, damit es weniger Leerstände gibt und die Betriebe auch (über-)leben können. Und je voller die Flächen sind, je mehr Betriebe offen haben, desto besser ist es für die Regionalität. 

Gibt es noch weitere Rahmenbedingungen, die es braucht?

Es braucht auch ein Umdenken bezüglich der Nachhaltigkeit: Es ist umweltfreundlicher, mit dem Fahrrad, Zug oder Elektroauto in die Stadt zu fahren, als sich ein Paket aus China schicken zu lassen. Und wenn es in den Städten keinen Handel mehr gibt, gibt es auch keine Arbeitsplätze mehr. Und wenn es keine Arbeitsplätze mehr gibt, wird auch viel weniger Geld ausgegeben. Jeder Bürger sollte überlegen, was passiert, wenn er sein Geld nicht Zuhause ausgibt. 
Das hat man in der Pandemie gesehen: Die ersten Wochen waren die Innenstädte einsam und verlassen. So schauen unsere Städte aber aus, wenn wir nicht Zuhause einkaufen. 

Es muss uns gelingen, das Bewusstsein für Regionalität hochzuhalten.
Nina Stift, WKNÖ-Vizepräsidentin


Würden Sie sagen, dass das Bewusstsein für Regionalität in der Krise gestiegen ist?

Teilweise schon. Weil die Leute gemerkt haben, was passiert, wenn alles zu ist. Ich glaube aber, dass das Bewusstsein dafür mit der Zeit wieder sinken wird. Deswegen ist es so wichtig, bewusstseinsbildende Maßnahmen zu betreiben. Das tun wir und wir achten auch immer mehr auf Nachhaltigkeit. Damit kann es gelingen, den Regionalitätsgedanken hochzuhalten.

Der Modehandel wurde stark von der Pandemie getroffen. Wie geht es der Branche?

Es war eine Katastrophe. Wir haben ein Drittel des Jahresumsatzes verloren, was auch nicht aufzuholen ist. Wobei ich sagen muss: Seit wir wieder offen haben, läuft das Geschäft wieder. Aber wenn ich an Anlass-Mode wie Brautkleider, Ballkleider, Anzüge oder Lederhosen denke – davon wurde eineinhalb Jahre nichts verkauft. Das ist schwer und man kann nur eines: Durchhalten. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen haben die Zeit aber auch als Chance gesehen, um ihren Betrieb zu durchforsten, umzuräumen, Kostenstrukturen anzuschauen und neue Ideen zu entwickeln. Und die Kurzarbeit hat uns über diese schwere Zeit wirklich sehr geholfen. 
Das Hauptproblem bei uns ist der Warenankauf: Wir müssen rund neun Monate vor Verkauf der Ware bestellen. Kaufe ich zu wenig, bekomme ich nichts mehr nach, kaufe ich zu viel, bleibt es über. 

Und wie ist die Stimmung in der Modebranche?

Die Stimmung ist optimistisch. Wir halten in der Branche zusammen und sind zu begeistern. Wenn wir offen haben dürfen, sind wir schon wieder glücklich. Und es bringt nichts, daran zu denken, was vor ein paar Monaten war, weil es nichts ändert. Wir schauen nach Vorne! Und ich rate jeder Boutique oder jedem mittelständischen Mode- und Schuhhändler: Macht euer eigenes Sortiment, dass ihr einzigartig seid und dann ist man auch preisunabhängig. Die Kunden schätzen die Bedienung, das Service und die liebevoll ausgesuchte Ware. Man muss sich von den Massen abheben! Auch ich kaufe die Kleidung mit sehr viel Liebe ein und schaue, dass ich Kleidungsstücke habe, die es nicht an jeder Ecke gibt. 

Wie funktioniert das Zusammenarbeiten bei Ihnen im Familienbetrieb?

Gut! Wir arbeiten Hand in Hand und ich bin meinem Vater für seine Unterstützung sehr dankbar. Manchmal braucht man einen weisen Rat oder eine Schulter zum Anlehnen, egal, wie alt man ist. Oder auch einfach eine zweite Meinung – ich bin sehr froh, dass mein Vater mir da zur Seite steht. 

Was bedeutet Unternehmertum für Sie?

Das Besondere ist, dass kein Tag gleich ist. Jeder Tag bringt Herausforderungen und man lernt tagtäglich dazu. Und ja, auf der einen Seite arbeiten wir sehr viel, aber dafür haben wir auch viele Freiheiten. 
Und wenn man dann Erfolge hat und die Mitarbeiter zufrieden sind, dann macht mich das stolz. Mein Unternehmen gehört für mich zur Familie!

Die Vizepräsidentin ganz persönlich...

Nina Stift lebt in Tulln und führt dort mit ihrem Vater das Mode-Unternehmen „Stift Mode“, das 2020 200 Jahre alt wurde. Stift schätzt das Arbeiten mit der Familie und beschreibt sich als „Arbeitstier“. Seit ihrem 19. Lebensjahr arbeitet sie im Familienbetrieb. Nina Stift hat in der HAK Tulln maturiert. Sie machte einen dreijährigen „Universitätslehrgang für den Unternehmernachwuchs“ am Hernstein Institut. Stift war darüber hinaus rund zwei Jahrzehnte im Stadtmarketing-Club in Tulln tätig. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. In der Freizeit ist Nina Stift gerne auf Veranstaltungen unterwegs. Die Tullnerin trifft gerne ihre Freunde und liebt (Fern-)reisen, was ihr in der Pandemie besonders gefehlt hat. Bootsfahren und Skifahren zählen ebenfalls zu ihren Hobbys. In der WKNÖ ist Stift Vorsitzende der Berufsgruppe Textilhandel, Obfrau des Landesgremiums des Handels mit Mode und Freizeitartikeln in NÖ und Obmann-Stv. des Bundesgremiums. Seit 2020 ist Nina Stift Vizepräsidentin der WKNÖ.


Das könnte Sie auch interessieren

Stadtrat Lucas Sobotka, Landtagsabgeordneter Christoph Kaufmann, Manfred und Kristina Breitwieser, Wirtschaftskammer NÖ-Präsident Wolfgang Ecker, Landesrat Jochen Danninger und Wirtschaftskammer NÖ-Direktor Johannes Schedlbauer

WKNÖ-Präsident Ecker und Landesrat Danninger auf Betriebstour im Bezirk Tulln

Von der Betriebsgründung mit einem Traktor, über den Bau von Spezialfahrzeugen bis zu einer 4.500m² Naturstein-Schauhalle.  mehr

Starkes Team, gemeinsames Ziel: WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker (l.) und AKNÖ-Präsident Markus Wieser (r.) mit den LABAB-Vorsitzenden Stefan Gratzl und Robert Hörmann (Mitte, v.l.)

Die Qualität der Lehre im Fokus: NÖ Landesberufsausbildungsbeirat tagte zum 500. Mal und beging Jubiläum mit kleinem Festakt

Die duale Ausbildung ist das Modell der Vergangenheit und jenes der Zukunft. Die Weichen für die Lehre in NÖ werden maßgeblich auch im  Landesberufsausbildungs-beirat (LABAB) gestellt. Am 26. August kam er zum 500. Mal zusammen. mehr

Boxen, Kiste, Schachtel, Formen, Lösungen, Gesetze, Symbole, Paragraf, Paragrafen, Paragraphen

Neue Bestimmungen zur Gewährleistung

Am 1.1.2022 tritt das neue Verbrauchergewährleistungsgesetz (VGG) in Kraft. mehr