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"Den richtigen Ton treffen"

Franz Kirnbauer, Obmann der Sparte Handel der WKNÖ, im Interview über den neuerlichen Lockdown, Nachhaltigkeit, die Verzahnung von stationärem und Online-Handel, seine Zukunftsvision für die Branche und worin das Geheimnis einer guten und gelingenden Interessenvertretung besteht. 

Franz Kirnbauer, Obmann der Sparte Handel in der WKNÖ.
© David Pany Franz Kirnbauer, Obmann der Sparte Handel in der WKNÖ.

Corona hat das Land weiter fest im Griff. Auch der Lockdown wurde erneut verlängert. Wie ist die Situation?
Kirnbauer:
Für die Tatsache, dass sich viele Menschen nicht mehr an die vorgeschriebenen Maßnahmen halten, kann und darf der NÖ Handel nicht zum Sündenbock gemacht werden. Wie Studien zeigen und Politiker bestätigen, sind unsere Fachgeschäfte nicht die Orte, an denen sich das Virus verbreitet. Deshalb ist der heimische Fachhandel umgehend wieder aufzusperren. Kaufkraft wandert ab, der ausländische Online-Handel floriert und unsere Fachhändler müssen dabei zuschauen, wie Betriebe aus Lebensmittel- und Drogeriehandel ihre Sortimente verkaufen und die Politik nicht bereit ist, hier eine gerechte Regelung zu schaffen. Auch die Eintrittstests, für die Branche untragbar, sind noch nicht vom Tisch. Hier gilt es weiter zu kämpfen und Schaden abzuwenden.

Wie fiel die Handels-Bilanz 2020 aus?
In Summe hat der gesamte Handel in NÖ im Jahr 2020 um 5,6 Prozent verloren. In den Lockdown-Branchen sind die Umsätze um über zehn  Prozent gesunken, der Handel mit Bekleidung weist gar einen Rückgang von 24,4 Prozent auf. Positiv anzumerken ist, dass wir in NÖ gemeinsam mit OÖ österreichweit die geringsten Einbußen verzeichnen mussten.

Woran liegt das?
Der Handel in NÖ ist weniger vom Tourismus abhängig als Westösterreich oder Wien. Durch Kurzarbeit und Homeoffice sind viele Niederösterreicher, die in Wien arbeiten, zu Hause und kaufen deshalb auch vor der Haustür ein. Und das Bewusstsein für Regionalität ist am Land besonders ausgeprägt – die Konsumenten kaufen bewusst heimische Produkte in kleinen, regionalen Geschäften ein.

Glauben Sie, dass das Bewusstsein für Regionalität dauerhaft sein wird, auch nach der Krise?
Ich glaube, wenn diese Pandemie überstanden ist, wird es stark in Richtung Regionalität, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und CO2-Einsparung gehen. Ich glaube, dass der Fokus darauf liegen wird, regionale Strukturen nicht nur zu erhalten, sondern diese auch auszubauen. Auch, um im Hinblick auf mögliche neue Krisen, gut gewappnet zu sein. 

Wie kann der NÖ-Handel den Aufschwung nach der Krise schaffen?
Zum einen müssen wir im stationären Handel das Thema Regionalität wieder verstärkt positionieren und zum anderen müssen wir dem Konsumenten aber auch die Alternative bieten. Der Erfolg liegt in einer gelungenen Kombination von stationärem und heimischen Online-Handel. Und das Denken muss wieder mehr in Richtung nationaler und europäischer Produktion gehen. Sollte der Kunde den Wunsch haben, Produkte nicht aus etwa Übersee importieren zu müssen, sollte er die Möglichkeit haben, diese in Österreich oder der EU kaufen zu können.

E-Commerce und stationärer Handel – nicht zwingend ein Spannungsverhältnis, sondern auch Chance, sich gegenseitig befruchten?
Ja. Durchaus. Das sieht man etwa daran, dass große Onlinehändler damit anfangen, auch Shops zu betreiben. Der stationäre Handel bietet die Möglichkeit für Einkaufserlebnisse. Er erfüllt eine soziale Funktion und trägt dazu bei, Orts- und Stadtkerne und damit verbundene Strukturen zu gestalten und erhalten.

Zukunftsvision: Was wäre Ihre Idealvorstellung, wenn Sie an den Handel denken?
Die gelungene Kombination von stationärem und Online-Handel, das passende Produkt-Markt-Kunden-Konzept – und all das unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

Nun zur Interessenvertretung. Warum sind Sie Interessenvertreter geworden und was macht einen guten Interessenvertreter aus?
Mein Engagement resultiert aus einem Aha-Erlebnis. Ich bin als junger Bursch in den elterlichen Betrieb eingestiegen und wollte voller Tatendrang etwas bewegen. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass es viele Kritiker und Bremser gibt. Das nahm ich als Ansporn, nicht nur die Interessen meines Unternehmens, sondern die der gesamten Branche und Wirtschaft vernünftig vertreten zu wollen. Und hier haben wir mit dem dualen System Mitarbeiter/Experten in der Wirtschaftskammer und den Unternehmern in der Praxis ein gutes und schlagkräftiges Werkzeug. Die Kunst liegt darin, zur richtigen Zeit den richtigen Ton zu treffen. Wichtig ist es, zunächst intern einen Konsens zu finden, und die Ziele dann mit starker und geeinter Stimme klar nach außen zu kommunizieren und erfolgreich umzusetzen. 

Der Spartenobmann ganz persönlich

Franz Kirnbauer, geboren 1963, ist Inhaber und Geschäftsführer der Kirnbauer KG, einem Unternehmen im Bereich Holzindustrie, mit Sitz in Prigglitz. Kirnbauer ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter. Nach der Pflichtschule machte Kirnbauer in Salzburg die Ausbildung „Holztechnik und Betriebsmanagement“ – eine Ausbildung, die technischen und kaufmännischen Aspekte kombiniert. Anschließend stieg er in den elterlichen Betrieb ein, den er viele Jahre gemeinsam mit seinem Vater führte. „Wir hatten klare Kompetenzen und Zuständigkeiten. Es war eine sehr angenehme, erfolgreiche und harmonische Zeit.“ Kirnbauer ist Unternehmer aus Leidenschaft, deshalb hat er neben seiner Arbeit auch keine „wirklichen Hobbies. Ich liebe was ich mache.“ In seinem Bestreben, vor einem neuen Termin das Vorhergehende möglichst abzuschließen, vergisst Kirnbauer „bisweilen schon mal die Zeit“ – weswegen er mangelnde Pünktlichkeit auch als seine größte Schwäche betrachtet. Neben seiner Arbeit hat Kirnbauer auch eine Leidenschaft für gutes Essen in netter Gesellschaft. Sein Lebensmotto: „Sich abgestimmte, klar formulierte und realistische Ziele setzen und diese versuchen mit hoher Selbstdisziplin zu erreichen.“

Word-Rap zum Schluss

Heimat ... wo ich mich wohlfühle
Amazon ... sehr erfolgreich
Nahversorgung ... erhaltesnwert
Dienstleistung ... anspruchsvolle Position
E-Commerce ... rasch umsetzen
Lehre ... pfiffiger positionieren

Zahlen, Daten, Fakten

  • 34.658 aktive Mitglieder
  • 2.409 Lehrlinge
  • 535 Lehrbetriebe
  • 107.493 unsselbsständig Beschäftigte
  • 2,6 Mio. m² Gesamtverkaufsfläche im Einzelhandel
  • 39 Prozent aller marktorientierten Umsätze in NÖ
  • - 5,6 Prozent Umsatz 2020 gesamter Handel, mit großen Unterschieden innerhalb der Branchen

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