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„Corona wirkt als Brandbeschleuniger für innovative Zukunftstechnologien“

Im Interview mit der Niederösterreichischen Wirtschaft skizziert der wissenschaftliche Direktor des Institutes für Höhere Studien (IHS), Martin Kocher, welche Effekte die derzeitige Krise auf das Wirtschaftslebenhat. An grundlegende strukturelle Veränderungenglaubt er allerdings nicht.

Foto von Martin Kocher - wissenschaftliche Direktor des Institutes für Höhere Studien (IHS)
© Joseph Krpelan / Universität WIen Martin Kocher

NÖWI: Ausgangsbeschränkungen, Rekordarbeitslosigkeit, schrumpfende Wirtschaft. Wie lange wird es dauern, bis es wirtschaftlich wieder bergauf geht?

Letztlich hängt alles von den medizinischen Umständen ab. Wir haben es mit einer Angebotskrise zu tun. Die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen ist da, aber viele können im Moment nicht, oder nur eingeschränkt, anbieten. Sobald sich die medizinischen Voraussetzungen verbessern – da sind wir auf die Szenarien der Virologen und Epidemiologen angewiesen – wird es auch mit der Wirtschaft wieder bergauf gehen – dann hoffentlich rasch.


Wird das Wirtschaftsleben in Österreich und der Welt nach Corona das gleiche sein wie vorher? Was wird sich ändern?

Wir werden wahrscheinlich mehrere Phasen durchlaufen. Nach der Phase des Lockdowns wird es eine Phase der allmählichen Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität geben. Wahrscheinlich wird es eine „neue“ Normalität sein, weil es weiterhin Unsicherheit bezüglich einer zweiten oder dritten Welle der Pandemie gibt, so lange es keine gute Behandlung oder Impfung für die Krankheit gibt. Diese zweite Phase macht mir fast mehr Sorgen als die aktuelle, weil wir es schaffen müssen, fast uneingeschränkte wirtschaftliche und gesellschaftliche Aktivitäten mit den nötigen Vorkehrungen zum Schutz gegen eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verbinden. Ob Menschen in einer solchen Phase viel konsumieren und Unternehmen viel investieren, ist fraglich. Dauert sie lange, wird das wirtschaftlich sehr hart. Wir können nur hoffen, dass wir es bald in Phase 3 schaffen, in der dann die Krankheit vollständig im Griff ist.


Glauben Sie, dass es durch Corona langfristige Veränderungen im Wirtschafts- und Gesellschaftssystem geben wird?

Nein. Das denke ich nicht, weil die Krise ja keine ist, die aus der Wirtschaft selbst kommt. Allerdings, und das haben wir in der Vergangenheit schon nach Krisenzeiten gesehen, kann Corona ein Brandbeschleuniger für Entwicklungen sein, die schon vorher angelegt waren, etwa die Etablierung innovativer Zukunftstechnologien.


Ist Corona die Initialzündung für die digitale Revolution?

Man könnte sagen, die Coronakrise ist der Nährboden für eine Beschleunigung der Digitalisierung. Viel mehr Menschen als je zuvor sind nun gezwungen, digitale Technologien auf breiter Basis einzusetzen, und sie haben auch die Chance, sich an diese zu gewöhnen. Ob das langfristig zu veränderten Gewohnheiten führt, werden wir sehen. Wahrscheinlich ist es, aber sicher sagen kann man es nicht. Vielleicht ist es auch so, dass wir nach einiger Zeit wieder in die Alltagsgewohnheiten von davor zurückfallen.


Die Menschen rücken näher zusammen, versuchen wieder mehr lokal und regional zu kaufen. Ist das ein Trend weg von Globalisierung und Auslagern? Ist das überhaupt möglich?

Wir beobachten schon seit einigen Jahren auf verschiedenen Ebenen ein leichtes Zurückdrehen der Globalisierung. Dabei geht es etwa darum, dass die Produktion von vielen Produkten aufgrund der Digitalisierung auch wieder in Ländern mit hohen Lohnstückkosten attraktiv ist. Daraus ergeben sich so genannte Re-Shoring-Aktivitäten von Unternehmen in Europa, also das Zurückholen von Produktionsstandorten meist aus Asien. Zudem gibt es aus Klimaschutz-Aspekten eine steigende Tendenz von Menschen, lokaler bzw. regionaler zu konsumieren. Die Krise wird hier den bestehenden Strukturwandel sicher weiter verstärken.


Was müssen Betriebe beachten, um weiter bestehen zu können? Welche Schwerpunkte sind zu setzen?


Es geht darum, jetzt die Zeit zu nützen, um sich möglichst gut auf die Phase nach den Einschränkungen vorzubereiten. Zum Beispiel indem man neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt, oder indem man neue Technologien in der Verbreitung von Produkten und Dienstleistungen erprobt, mit ihnen experimentiert. Wer jetzt als Unternehmen wie ein Kaninchen vor der Schlange sitzt, der wird wahrscheinlich verlieren. Aber ich kann verstehen, dass man sich im Moment mit großen Investitionen zurückhält. Hier, die richtige Balance zwischen mutigem Innovationsgeist und der nötigen Vorsicht angesichts der Unsicherheit zu finden, ist für alle schwierig.


Falls es eine zweite Welle gibt und die Wirtschaft nochmals heruntergefahren wird, können wir uns das leisten?


Die Abwägungen zwischen den verschiedenen Maßnahmen wird – je länger die Krise dauert – immer schwieriger. Aufgrund der vielen Unbekannten ist sie das jetzt auch schon, aber wir wissen, dass andere Reaktionen als die drastische Einschränkung von physischen Kontakten in der ersten Welle nicht funktioniert hätten. Unsere Hoffnung ist, dass wir, sollte es eine zweite Welle geben, viel mehr über die Krankheit wissen, um nötige Maßnahmen viel punktgenauer – und daher weniger kostspielig – setzen zu können.


Waren die politischen Maßnahmen aus der Sicht der Wirtschaft überzogen?


Ich finde, angesichts der spärlichen Datenlage, haben die Politiker einen recht guten Job gemacht. Und der Blick in andere Länder zeigt, dass alle ähnlich agieren und es kaum sinnvollere Alternativen gab und gibt. Und ob die Maßnahmen richtig waren, wird man letztlich erst aus der Ferne beurteilen können, wenn die Krise überstanden ist und sich die Wirtschaft erholt hat


In jeder Krise steckt auch eine Chance – so sagt man. Trifft das auch auf Corona zu?


Natürlich, aber es ist aus meiner Sicht ein wenig zynisch, angesichts der aktuellen medizinischen Herausforderungen über Chancen zu spekulieren. Dafür braucht man etwas Abstand. Die Politik soll sich angesichts begrenzter Kapazitäten auf die akuten Probleme konzentrieren. Unternehmen können und sollen meiner Meinung nach schon etwas mehr in die Zukunft schauen. Und wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen dies sogar.


Und was sehen Sie, wenn Sie die Unternehmen betrachten?


Eine Chance für Unternehmen könnte sein, sich auf Innovation und Zukunftsbranchen zu konzentrieren. KMU haben die Möglichkeit, in Sachen Digitalisierung aufzuholen und neue Geschäftsmodelle auszuprobieren. Viele haben zum Beispiel kurzfristig Webshops aufgebaut. Hier gilt es, weiter am Ball zu bleiben. Und ein guter Ansatz ist sicher, die Betriebe durch Forschung- und Innovationsförderungen in ihrem Bestreben zu unterstützen. Wichtig für die Unternehmen ist es, den richtigen Zeitpunkt für Investitionen und Innovationen zu finden, nicht, dass die Energie ungenutzt verpufft.


Zum Schluss noch ihre Prognose in Sachen Konjunktur?


Das ist schwer zu sagen. Man kann sagen, dass Österreich durch die Maßnahmen bis Ostern jede Woche zwischen zwei und drei Milliarden eingebüßt hat. Um wie viel die heimische Wirtschaft tatsächlich schrumpfen wird, hängt nicht zuletzt auch von den Entwicklungen auf europäischer und globaler Ebene ab. Und das kann nur die Zeit zeigen.


Zur Person

Martin Kocher ist wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Höhere Studien in Wien und hält eine Professur für Verhaltensökonomie am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien. Zuvor war er an Universitäten in München, Norwich, Brisbane, Amsterdam und Innsbruck tätig. Er ist Gastprofessor an der Universität Göteborg und Direktor am Zentrum für Experimentelle Wirtschaftswissenschaft an der Universität Wien.


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