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„Checkliste ist kein Hygienekonzept“

Wie Unternehmen COVID-Präventionsmaßnahmen richtig setzen, weiß Oberst Jürgen Schlechter, Kommandant des ABC-Abwehrzentrums in Korneuburg. Seit Ausbruch des Virus war er mit seinem Expertenteam bei über 400 Einsätzen.

Porträt von ürgen Schlechter, Oberst des Generalstabsdienstes
© Marija-M. Kanizaj Jürgen Schlechter, Oberst des Generalstabsdienstes und Kommandant des ABC-Abwehrzentrums des Österreichischen Bundesheeres.

„Ihre Mitarbeiter sind Opfer, Wirt und Überträger des Virus gleichzeitig“, stellt Oberst Jürgen Schlechter gleich am Beginn seiner Expertise zur COVID-19-Situation in den Betrieben fest. 
So kann bereits ein einziger Infizierter im Unternehmen mehrere Kollegen anstecken und dafür sorgen, dass diese für mehrere Tage ausfallen. „Die größten Risiken liegen in den Bereichen der Kommunikation, Betreuung und Unterkunft, sowie beim Transport. Hier kommt es am öftesten zu Ansteckungen“, weiß Schlechter. 

Klima des Vertrauens im Betrieb schaffen

Die Infektionen finden dabei sowohl inner- als auch außerhalb des Unternehmens statt. Denn Kolleginnen und Kollegen bilden oft Fahrgemeinschaften, fahren gemeinsam zu Kunden oder helfen einander mit zu geringem Abstand. Erschwerend komme hinzu, dass sich Mitarbeiter oft nicht trauen, eine Infektion oder einen Verdacht zu melden. 
Schlechter: „Es ist daher entscheidend, im Unternehmen ein Klima des Vertrauens zu schaffen. Es darf nicht zu einer Stigmatisierung oder Jobangst kommen. Ganz wichtig ist es, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sicherheit sowie eine klare Handlungsanleitung zu geben, was im Fall des Falls zu tun ist.“

Konzepte für „möglichst viel Normalbetrieb“

Ein individuelles Hygienekonzept für das Unternehmen nach dem Motto „Soviel Betrieb wie möglich unter sicheren Rahmenbedingungen“ ist hier ein erster Schritt. Darin empfiehlt es sich, alle Prozesse auf Mindestabstand und Maximalzeit zu überprüfen, mögliche Ansammlungen von Personen (Aufzug, Gang, Pausenräume) zu lenken, Schutzausrüstung für Mitarbeiter zu organisieren oder fixe Teams und zeitliche Verschiebung von Beginnzeiten zu etablieren. 
„Vieles ist bereits durch einfache Markierungen am Boden oder am Stehtisch in der Cafeteria zu erreichen. Genauso ist regelmäßiges Lüften oder eine Reduktion der Personenanzahl in Büros zielführend. Dazu unser Appell zu selbstständigen Gesundheitschecks, denn nicht jeder Nieser ist gleichbedeutend mit einer COVID-Infektion“, so der Oberst. 

Der Vorteil eines Hygienekonzeptes liege darin, dass genau geregelt wird, was im Fall einer Infektion zu tun ist: Wer hatte zu wem Kontakt, welche Maßnahmen wurden bereits gesetzt und wie wird es dokumentiert? 

„Das alles hilft der Behörde, wenn ein Fall zu melden ist, und es lässt sich damit sehr viel Zeit einsparen“, weiß der Experte. Er rät daher, ein Präventionskonzept zu erarbeiten und einen Pandemiebeauftragten im Betrieb zu installieren, auch wenn es nicht vorgeschrieben ist: „Die derzeitige Virus-Situation wird zumindest über die Mitte des heurigen Jahres anhalten. Weiß man im Betrieb genau, was zu tun ist, so ist das ein großer Vorteil. Diese investierte Zeit zahlt sich aus, denn:  eine einfache Checkliste ist kein Hygienekonzept!“

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