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Aus einem Huhn wurden 80.000 pro Tag

1958 schlachteten Hermine und Otto Wech ihr erstes Masthuhn. 60 Jahre später werden 750 Mitarbeiter in dem St. Andräer Unternehmen beschäftigt. Gelungen ist dies, indem man immer am Puls der Zeit blieb.

Ein Großteil der über 400 Wech-Mitarbeiter in Kärnten sind Frauen aus der Region.
© Peter Just Ein Großteil der über 400 Wech-Mitarbeiter in Kärnten sind Frauen aus der Region.

28 Grad an einem Aprilwochenende, das bedeutet für die Firma Wech: Viel Arbeit am folgenden Montag. Da viele Kärntner die hohen Frühlingstemperaturen für ihren Start in die Grillsaison nutzten, haben sich die Regale mit Frischfleisch geleert. „So früh geht es selten los“, sagt Geschäftsführer Karl Feichtinger, den solch ungewöhnliche Umsatzspitzen vor eine Herausforderung stellen. „Wir sind ein Frischfleischlieferant und damit in einer Just-in-time-Situation. Unsere Planung beruht auf Erfahrung und Verdacht. Großteils liegen wir damit richtig, aber manche Sachen lassen sich einfach nicht planen – wie zum Beispiel der Beginn der Grillsaison.“

Die  70.000 bis 80.000 Tiere, die am nächsten Tag ausgeliefert werden, werden in der Nacht bei den Bauern abgeholt, ab 5 Uhr morgens beginnt die Schlachtung, danach kommen Zerlegung, Kommissionierung und Verarbeitung. Am Nachmittag werden die Lkw mit dem Frischfleisch beladen und sind kurz darauf in Richtung Handel unterwegs.

Flexibel auf Spitzenzeiten reagieren

Einen gewissen Spielraum gebe es aber schon, um die Produktion kurzfristig steigern zu können. Möglich sei das durch die kurzen Transportwege und den engen Kontakt zu den rund 200 Bauern, die das Unternehmen beliefern, so Feichtinger: „Bei unserer Arbeit ist Flexibilität enorm wichtig. Wir müssen in kurzer Zeit auf Entwicklungen reagieren."

Eine solche Entwicklung ist der Trend hin zu Halbfertigprodukten: Während Wech mit dem Verkauf ganzer Hühner „groß wurde“, hat sich das Geschäft mittlerweile in eine andere Richtung entwickelt. „Der Kunde will frische, küchenfertige Produkte, die mit möglichst geringem Aufwand in kurzer Zeit zubereitet werden können“, erzählt Feichtinger und weiß auch, woran das liegt: „Es gibt immer weniger Haushalte, in denen jemand fix den Haushalt führt, dadurch bleibt weniger Zeit fürs Kochen.“ Auch die Tatsache, dass die Zahl der Single-Haushalte steigt, hat Auswirkungen auf das Unternehmen: Die Packungsgrößen werden immer kleiner.

Bei der Unternehmensplanung muss Wech also stets gesellschaftliche Trends im Auge haben. Derzeit rechnet man vor allem mit zwei Dingen: einem weiteren Anstieg des Geflügelkonsums, der in Österreich aktuell bei rund 14 Kilogramm pro Person und Jahr liegt, sowie einem weiteren Trend hin zu Convenience-Produkten. 

In der Obststeige am Motorroller zu Kunden

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, investiert das Unternehmen in ein neues Zerlege- und Filettiergebäude, das sich in Bau befindet und 1200 Quadratmeter an zusätzlicher Fläche bringen wird. Auch die Zahl der Mitarbeiter dürfte weiter steigen: Derzeit werden 750 Mitarbeiter in der gesamten Wech-Gruppe beschäftigt, zu der unter anderem auch ein Verarbeitungsbetrieb in Ungarn gehört, in dem Salami und Wurstwaren für den ungarischen Markt hergestellt werden. Die meisten Mitarbeiter werden in den beiden Kärntner Standorten in St. Andrä und Glanegg beschäftigt. Bei ersterem handelt es sich um den Hauptstandort, an dem vor 60 Jahren alles anfing. Otto und Hermine Wech begannen damals, die ersten Masthühner im Keller und am Dachboden zu mästen. In einer Obststeige, die auf einem Motorroller montiert war, wurden sie an Bekannte in der näheren Umgebung verkauft. Die Nachfrage war groß und bald holte man weitere Bauern ins Boot – und entschied sich für ein steuerschonendes Konstrukt: Um den Umsatzsteuersätzen zu entgehen, ließen die Bauern die Tiere lohnschlachten und verkauften sie im eigenen Namen an den Handel.

Damit war die Grundidee für die später eingeführte „Bauernhof­garantie“ mit Adressangabe des einzelnen Bauern geboren. In den folgenden Jahren kümmerte sich Wech um die Abholung von den Bauernhöfen, die Schlachtung, Kühlung, Verpackung und Lieferung zu den Abnehmern. So funktioniert das „System Wech“ noch heute: Die Bauern kümmern sich um die Aufzucht der
Tiere, Wech um den Rest. Über 200 Kärntner Bauern produzieren für das Unternehmen – und sind mehr als Lieferanten. „Wir sehen die Bauern als Partner und helfen beispielsweise, wenn ein neuer Stall gebaut wird. Durch unsere Erfahrung wissen wir, worauf ­Behörden bei Genehmigungen achten“, sagt Feichtinger. Auch der Fixpreis, den die Bauern trotz Marktpreisschwankungen erhalten, gehört zur Unternehmens­philosophie. 


Interview mit Karl Feichtinger

Geschäftsführer Karl Feichtinger führt rund 750 Mitarbeiter.
© Peter Just Geschäftsführer Karl Feichtinger führt rund 750 Mitarbeiter.

Was ist Ihr Wunsch an die Politik?

Karl Feichtinger: Wir würden uns weniger Bürokratie und vor allem raschere Genehmigungen für Neubauten wünschen. Unsere Bauern haben häufig das Problem, dass Verfahren sehr träge sind. Dazu kommt, dass die Einschätzungen der Behörden oft nicht realitätskonform sind.

Wo fehlt der Realitätsbezug?

Bei den Belästigungen für Anrainer wird oft mit Maßstäben gemessen, die längst nicht mehr den aktuellen Bedingungen entsprechen. Unsere Bauern bauen moderne Ställe mit Top-Bedingungen. Das kann man mit früheren Verhältnissen nicht vergleichen – es wird aber getan.

Wie sehen Sie die Rolle Ihres Unternehmens in der Region?

Ich denke, unsere beiden Kärntner Standorte haben eine große Bedeutung für die Regionen. Einerseits als Arbeitgeber, andererseits als Partner für die Landwirte. Wir sorgen dafür, dass die Wertschöpfung im Land bleibt. Uns ist es wichtig, fair und partnerschaftlich zu arbeiten, die Bauern bekommen beispielsweise einen Fixpreis von uns bezahlt.

Der Geflügelkonsum wird weiter steigen. Und ich denke, unsere Produkte werden in Zukunft auch in der Gastronomie eine größere Rolle spielen. Der Kunde will Regionales auf dem Teller, der Druck auf die Gastronomen wird größer.



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