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Ein Handwerk, das nicht verloren gehen soll

Gewolft, verspinnt, gewalkt – Familie Noswitz hat sich in Klagenfurt einer Kunst verschrieben, die sie einzigartig macht. Sie betreiben seit mehr als 50 Jahren die mittlerweile letzte Teppichweberei Kärntens.

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© Marion Lobitzer Otto und Sabine Noswitz stehen mit viel Leidenschaft im Geschäft oder in der Werkstätte. In den 1980er Jahren hat Noswitz den Familienbetrieb übernommen.

Wer heute nach einem originalen Schafwollteppich, einem handgemachten Fleckerlteppich oder einen selbst designten Bauwoll­teppich sucht, wird beim einfachen Baumarkt wohl nicht fündig. Spätestens wenn der Teppich auch noch eine spezielle Farbe und Größe haben soll, kann die Massenware aus dem Ausland nicht mehr mithalten. An dieser Stelle muss der Fachmann her – und eine Teppichweberei zu finden ist heutzutage nicht mehr so einfach. Otto Noswitz und seine Frau Sabine haben sich dem Handwerk verschrieben und führen den traditionsreichen Betrieb „Teppich- Wollspinnerei und Teppichweberei Noswitz“.

1948, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, gründete Otto Noswitz mit einem Freund seine Spinnerei und Weberei am Klagenfurter Südring. Schon damals beteiligte sich die ganze Familie am Betrieb. Später auch sein Sohn Otto, der heute Inhaber ist. „Eigentlich wollte ich nach der HTL und einer abgeschlossenen Lehre noch eine Lehre zum Textiltechniker im Betrieb meines Vaters anfangen“, erzählt er heute. Nach dem Schlaganfall seines Vaters musste er aber kurzfristig gleich den ganzen Betrieb übernehmen.

Seit mehr als 20 Jahren ist seine Frau Sabine mit an Bord. „Das Weben und Spinnen lernt man am besten, wenn man es einfach macht“, weiß sie. Meist kümmert sich die Mutter von zwei Kindern aber um den kaufmännischen Bereich und den Verkauf. Und dazu gehört mittlerweile nicht mehr nur der Fabriksverkauf in Klagenfurt, sondern das Online-Geschäft. „80 Prozent unserer Teppiche fertige ich auf Bestellung, nur 20 Prozent sind gelagert. Rund ein Viertel verkaufen wir dann über das Internet“, sagt Otto Noswitz. Viele sind Stammkunden oder kommen auf Empfehlung. „Wenn die Qualität stimmt, dann kommen die Kunden einfach gerne wieder.“ Und dazu zählen große Hotels und Luxusresorts genauso wie Privatpersonen, die sich Schafwollteppiche weben lassen. Auch im Angebot: individualisierbare Nepalteppiche, die Noswitz zu fairen Bedingungen vor Ort fertigen lässt.

Flexibel und individuell

Ein besonderes Plus der Noswitz’schen Schafwollteppiche: Nur extra lange Neuseeland-Rückenwolle kommt zum Einsatz. Geliefert wird gewaschene und sortierte Rohwolle von Schafen, die fast das ganze Jahr draußen verbringen. „Das steigert die Wollqualität. Am liebsten verwende ich deshalb Herbstwolle.“ Auch Spezialanfertigungen aus Kärntner Lama- oder Alpakawolle hat Noswitz schon gesponnen und gewebt.

Mit teils selbstgebauten Maschinen und einer modernisierten Spinnmaschine aus dem Jahr 1951 verspinnt der Inhaber selbst die Wolle für jeden Teppich. Um die Wollfäden haltbarer zu machen, werden sie mit einem Flachsfaden umsponnen. Flexibel ist er auch, was die Farben angeht. Aus 80 Grundfarben werden unendlich viele Farbvarianten: „Für die Mischung braucht man das richtige Gefühl und viel Erfahrung.“ Im Trend liegen aktuell etwa graubraune Töne und kräftige Farben. Die Klassiker „Naturweiß“ und „Naturbraun“ bleiben beliebt.

Die Maschinen sind halbmechanisch, das Kettgarn wird also händisch „durchgeschossen“ , zusammengepresst wird mechanisch. Noswitz: „Die Maschinen habe ich selbst, gemeinsam mit einem Schlosser, gebaut. So passen sie genau zu meinen Anforderungen.“

Richtig ist dabei die Flexibilität in Breite und Länge eines Teppichs. Eigentlich, so erzählt der Chef, sei fast alles möglich. Bis zu einer Teppichbreite von 285 cm kann er allein Weben, bei Teppichen bis zu 420 cm Breite wird zu zweit Hand angelegt. Bis zu 15 Kilometer am Tag macht Noswitz bei einem großen Teppich, so viel muss um die Maschine marschiert werden, um alle Handgriffe für einen fertigen handgemachten Teppich zu erledigen. Zwei Stunden Arbeitszeit fließen so locker in einen Quadratmeter Teppich. Der größte, den der Unternehmer je gemacht hat, kam auf ein Gewicht von 80 Kilogramm. Ein körperlich anstrengender Beruf und Noswitz sitzt jeden Tag am Webstuhl oder in seiner Spinnerei. „Wenn man Freude an der Arbeit hat, funktioniert das.“ Seine Tochter Nina, die eine HBLA besucht, hilft schon immer wieder mit und soll später das Traditionshandwerk weiterführen. „Sie ist sehr geschickt und hat in ihren Praktika in der Spinnerei und Weberei bereits gezeigt, was sie kann“, erzählt Mutter Sabine Noswitz stolz.


Interview mit dem Besitzer der letzten Teppichweberei Kärntens

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© Marion Lobitzer Otto Noswitz ist der Besitzer der letzten Teppichweberei Kärntens.

Wie wichtig ist es, das Handwerk aufrechtzuerhalten?

Otto Noswitz: Die kleinen Betriebe halten das Land am Leben. Unternehmen müssen dazu einen langen Atem haben und auch in schwierigen Zeiten durchhalten. Im Ausland wird billig produziert und dementsprechend billig verkauft. Die Qualität stimmt dann selbstverständlich nicht mehr. Wir Kärntner Handwerksbetriebe leben von den Kunden, die ehrliches Handwerk noch zu schätzen wissen.

Was sind die Herausforderungen an Kärnten?

Die Kaufkraft ist hier deutlich geringer als in anderen Ländern. Das merke ich, wenn ich ins Ausland verkaufe. Bestimmte Preise kann ich hier nicht anschlagen, werden in Deutschland aber vielleicht sogar als güns­tig bezeichnet. In Tirol gibt es etwa noch mehrere Webereien – dort ist das Verständnis von traditionellem Handwerk anders. Sie verbinden Moderne und Tradition.

Was bedeutet erfolgreiches Unternehmertum?

Freude an dem, was man tut, ist das Wichtigste am Unternehmersein. Außerdem sollte man hinter dem Produkt stehen, das man herstellt oder verkauft.

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