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Die Sozialpartnerschaft spielt eine vorbildliche Rolle

Die Pflichtmitgliedschaft in den österreichischen Kammern steht  bei den Koalitionsverhandlungen auf der Agenda. Bei der Debatte um die Abschaffung der solidarischen Mitgliedschaft wird oft das  Aufgabenspektrum der Kammern und die Bedeutung einer Interessenvertretung vergessen. Wir haben mit zwei Vertretern des Slowenischen Wirtschaftsverbandes und Experten für das Kärntner Unternehmertum, Marian und Benjamin Wakounig, gesprochen.

Wirtschaftskammer Kärnten Klagenfurt
© WKK/Fritzpress Die Pflichtmitgliedschaft in den österreichischen Kammern ist momentan in allen Medien präsent und steht auch bei den Koalitionsverhandlungen auf der Agenda.

Die Kammern – und damit vor allem der Aspekt der Pflichtmitgliedschaft – sind aktuell in aller Munde. Wie sehen Sie die Debatte rund um die Pflichtmitgliedschaft?

Marian Wakounig: Vorab muss festgestellt werden, dass viele Mitglieder die Pflichtmitgliedschaft als ungerechtfertigte Zwangsmaßnahme empfinden, da sie der Ansicht sind, für ihre Beiträge keinen direkten Nutzen daraus ziehen zu können. Zugleich werden auch immer wieder Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Zwangsmitgliedschaft erhoben.

Ich persönlich sehe die Debatte rund um die Mitgliedschaft äußerst sachlich: Kammer sind eine wesentliche Säule der österreichischen Sozialpartnerschaft, welche – auch historisch betrachtet - durch Konsensfähigkeit, Interessenausgleich und Zusammenarbeit zwischen den Interessensverbänden einen wichtigen Beitrag zu wirtschaftlichem Wachstum und sozialem Frieden in Österreich leistet. Um diese Dialogfähigkeit beneiden uns auch viele und sie hebt - im internationalen Vergleich - den Stellenwert unseres Staates.

Unabhängig vom Erreichten muss man aber immer für Veränderungsprozesse offen sein, um den bisherigen Standard auch für die Zukunft abzusichern. John F. Kennedy hat einmal Folgendes gesagt: „Veränderung ist das Gesetz des Lebens. Diejenigen, die nur auf die Vergangenheit oder die Gegenwart blicken, werden die Zukunft verpassen.“ Ich bin daher überzeugt, dass die Kammern mit ihrem Know-how, ihrer Expertise und ihrem Wissen Veränderungsprozesse von sich aus proaktiv mitgestalten werden.

Benjamin Wakounig: Ich bin ein Befürworter der Mitgliedschaft. Man muss aber bereit sein, über etwaige Änderungen zu sprechen, im Sinne einer Verschlankung von Strukturen.

Was hätte eine Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft für Folgen?

Marian Wakounig: Ich möchte bei diesem heiklen Thema etwas weiter ausholen. Die  Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft würde mit Sicherheit einen Wettbewerb auslösen. Vielleicht nicht sofort, jedenfalls aber mittelfristig. Dieses Mehr an Wettbewerb würde sich, wenn man gedanklich den Gesetzen des Marktes folgt, in einem intensiven Werben um Mitglieder auswirken. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass neue Interessensvertretungen entstehen könnten, die um dieselbe Zielgruppe buhlen. Das muss nicht bedeuten, dass ein möglicher Mitgliederrückgang zwangsläufig zur Einschränkung des Leistungsangebotes führt.

Eines sollte man auch an dieser Stelle betonen: die Diskussion um die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft wird ja nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern, z.B. in Deutschland geführt. Bei Abwägung aller Für und Wider muss man aus der bisherigen österreichischen Entwicklung hervorheben, dass die Kammern bei der Vertretung der Mitgliederinteressen nach einem Prinzip der Sachlichkeit vorgehen. Durch die Pflichtmitgliedschaft wird eine Form objektiver und umfassender Interessenvertretung gesichert. Um es anders auszudrücken: Die Kammern erfüllen Aufgaben, die ihnen vom Staat übertragen wurden.

Wer würde sich, Ihrer Meinung nach, um die Agenden – Interessenausgleich, Kollektivverträge, Lehrlingsausbildung, Förderwesen – kümmern, die aktuell die Wirtschaftskammer übernimmt?

Benjamin Wakounig: Das müssten in diesem Falle das Land oder der Bund übernehmen, anders kann es nicht sein. Das wird durch Steuererhöhungen erneut den Unternehmer belasten.

Marian Wakounig: Sicher müssten neue Strukturen geschaffen werden. Eine Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft heißt aber nicht automatisch eine Abschaffung der Kammern. Ich gehe davon aus, dass bei entsprechender legistischer Ausgestaltung Kammern weiterhin die genannten Agenden betreuen könnten. Es ergäbe keinen Sinn, dass vorhandene Know-how der Kammern nicht zum Gesamtwohle des Staates zu nutzen.


Marjan Wakounig Wirtschaft Kärnten SGZ Bundesministerium für Finanzen
© KK/Wakounig Marian Wakounig ist ehrenamtlicher Fachbeirat des SGZ.


Der Slowenische Wirtschaftsverband (SGZ) ist der wirtschaftliche Dachverband der slowenischen Volksgruppe in Kärnten – mit freiwilliger Mitgliedschaft. Wie steht der SGZ zur Wirtschaftskammer?

Benjamin Wakounig: Wir haben ein hervorragendes Verhältnis zur Wirtschaftskammer und unsere Mitglieder nutzen auch zumeist das Serviceangebot der Wirtschaftskammer Kärnten. Da bei uns die Mitgliedschaft von Beginn an auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhte, muss man sich natürlich verstärkt um die Belange der Mitglieder kümmern.

Wie profitieren die Mitglieder des SGZ vom (Wirtschaft-)Kammersystem?

Benjamin Wakounig:  An erster Stelle steht die gemeinsame Interessenvertretung und das gelingt auch sehr gut. Zudem haben wir in der Vergangenheit gemeinsam mit der Wirtschaftskammer grenzüberschreitende Projekte durchgeführt. Und das werden wir selbstverständlich auch in Zukunft tun. 

Der SGZ steht für Internationalität – Wie sehen Sie die österreichische Sozialpartnerschaft im internationalen Vergleich? Welche Systeme sind vergleichbar? Welche Hürden kommen auf Unternehmen zu, wenn es – wie etwa in Slowenien – keine Kammern gibt?

Benjamin Wakounig: Die österreichische Sozialpartnerschaft spielt eine vorbildliche Rolle. In Slowenien gibt es keine gesetzliche Pflichtmitgliedschaft, jedoch wird mittlerweile angedacht, diese wieder einzuführen. In unserem Nachbarland hat sich herausgestellt, dass die Pflichtmitgliedschaft ein großer Vorteil sein kann.

Marian Wakounig: Wenn man in Österreich über Kammern spricht, denkt man sofort an die  drei großen Kammern: Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer und Landwirtschaftskammer. Wir vergessen aber, dass es daneben die Kammern der freien Berufe gibt, etwa die Ärztekammer, die Rechtsanwaltskammer, die Notariatskammer, die Kammer der Wirtschaftstreuhänder oder die Apothekerkammer. Ich nenne dazu ein Beispiel: In Slowenien ist der Beruf des Steuerberaters bzw. Wirtschaftstreuhänders gesetzlich nicht geregelt. Es gibt in Slowenien zwar eine Kammer für Steuerberater, sie ist aber nicht mit unserer vergleichbar. Durch unser Kammer-System wird gesichert, dass wirklich nur qualifizierte Steuerberater auf dem Markt arbeiten. Dies ist in anderen Ländern leider nicht der Fall. Ich bin überzeugt, dass die Sicherung eines hohen Qualitätslevels sowohl im Interesse des Staates, als auch jeden einzelnen Kunden ist.

Haben Sie Wünsche an die künftige Regierung?

Benjamin Wakounig: Ich wünsche mir eine Entlastung für KMUs, die Erhöhung der Umsatzgrenze bei Registrierkassen und eine gewaltige Reduzierung des administrativen Aufwandes für Unternehmer.

Marian Wakounig: Wichtig ist eine Sicherung des hohen Bildungsniveaus, die soziale Absicherung im Rahmen dessen, was der Staat ertragen kann, leistbare Gesundheit für alle, die Erhaltung des gesellschaftlichen Mittelbaus ohne ein Auseinanderklaffen zwischen Reich und Arm, Sicherheit im Alltag sowie ein Bürokratieabbau dort, wo Doppelgleisigkeiten vorhanden sind. Der Wille zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen muss in Österreich vorhanden sein, sowie der Wunsch, ein starker und verlässlicher Partner von und für Europa zu sein.

Was erwarten Sie von einer zukunftsorientierten Wirtschaftspolitik?

Benjamin Wakounig: Ich erwarte die Einbindung hochqualifizierter Manager in die Wirtschaftspolitik, um eine langfristige Strategie, ohne parteipolitische Hintergründe, zu entwickeln. 

Marian Wakounig: Wir brauchen weiterhin eine zukunftsorientierte Standortpolitik, wenn wir Jobs und Wohlstand im Land sichern und ausbauen wollen. Wir sollten auch vor der Digitalisierung und Globalisierung keine Angst haben, sondern die Chancen nutzen, die dadurch geboten werden. Qualifikation wird in Zukunft noch entscheidender sein, wir brauchen die Besten, unabhängig davon, woher diese Leistungsträger kommen. Der Staat muss dafür die Rahmenbedingungen schaffen und sich auch getrauen, ausufernde  Bürokratie abzubauen. Zu einer modernen Wirtschaftspolitik gehört aber auch eine service-und bürgerorientierte öffentliche Verwaltung und da ist Österreich - glauben Sie mir - schon auf einem sehr guten Weg.

Was ist Ihre Verbindung zur Wirtschaft in Kärnten?

Benjamin Wakounig: Als Sohn eines Handwerkers wurde mir das unternehmerische Denken in die Wiege gelegt. Mir liegt die Kärntner Wirtschaft sehr am Herzen, daher versuche ich alles,  um Unternehmen aus der Alpe-Adria-Region zu verbinden.

Marian Wakounig: Ich bin im elterlichen Familienbetrieb in der Region Klopeiner See aufgewachsen und musste von Kindesbeinen an - wie man so schön sagt - anpacken. Wirtschaftliches Verständnis lernt man in einem Kleinbetrieb am besten, da sind insbesondere die unternehmerische Kreativität und Eigenverantwortung gefragt. Auch wenn ich in Wien lebe, pendle ich permanent nach Kärnten und bin ständig mit der Kärntner Wirtschaft verbunden.

Da ich Vergleiche zwischen der Unternehmerschaft im Großraum Wien und Kärnten ziehen kann, weiß ich, dass die Kärntner Unternehmen in vielen Bereichen für Innovation und ausbaufähiges Potenzial stehen. Vielleicht sollte man sich das eine oder andere Mal mehr zutrauen – Alpe-Adria ist da sicher ein gutes Stichwort.


Benjamin Wakounig
© KK/Wakounig Benjamin Wakounig ist seit 2006 ehrenamtlicher Präsident des Slowenischen Wirtschaftsverbandes.


Was sind die Aufgaben und Ziele des SGZ?

Benjamin Wakounig: In erster Linie ist der SGZ da, um für seine Mitglieder tätig zu sein. Ein Ziel ist es, durch unsere Tätigkeit für die Alpe-Adria-Region einen Mehrwert zu leisten, auch, um nachkommenden Generationen gute Grundlagen zu schaffen. 

Haben Sie eine Vision der Wirtschaft in Kärnten?

Benjamin Wakounig: Ja! Die Kärntner Wirtschaft sollte eine Vorreiterrolle in gemeinsamen Projekten in der Alpe-Adria-Region übernehmen. Dazu braucht man aber auch eine Politik, die das unterstützt und vor allem versteht.

Marian Wakounig: Meiner Meinung nach braucht man für eine nachhaltig gesunde Wirtschaft – und dies gilt nicht nur für Kärnten – Wachstum und Unternehmertum, hervorragende Fachkräfte mit ausgezeichneter Bildung, Erleichterung bei der Verwirklichung von wirtschaftlichen Plänen und Konzepten, einen guten infrastrukturellen Standort sowie ein rechtliches Umfeld, das diese Faktoren fördert.

Kärnten ist in der beneidenswerten Lage, das vergisst man oft, grenzüberschreitende Kooperationen zu schmieden, mit den Nachbarn in Italien und Slowenien. Slowenien ist momentan der Wachstumsturbo in Europa, Kärnten könnte das auch werden. Viele erfolgreiche Kärntnerinnen und Kärntner leben außerhalb ihrer Kärntner Heimat, vielleicht sollte man über eine Plattform nachdenken, in der „Auslandskärntner“ ihre Ideen und Erfahrungen zum Wohle der Kärntner Wirtschaft unterbringen könnten. 


Die Gesprächspartner

Benjamin Wakounig ist seit 2006 ehrenamtlicher Präsident des Slowenischen Wirtschaftsverbandes mit Sitz in Klagenfurt. Dort vertritt er die Interessen von KMUs, EPUs, Beratungsdiensten, Industriellen bzw. all diejenigen, die sich mit der Philosophie der Institution identifizieren. Er entstammt, wie sein Bruder Marian, einer Unternehmerfamilie in der Region Klopeiner See. Als ausgebildeter Außenhandelskaufmann ist er seit 25 Jahren selbstständiger Unternehmer und Geschäftsführer der Firma ACTIV Projekt Management GmbH mit Sitz in Graz und Niederlassungen in Ljubljana und Belgrad. Seine Kernthemen sind das internationale Energie- und Beratungsgeschäft, der Kernmarkt ist der Westbalkan. Seit 2014 ist der Vater von zwei erwachsenen Söhnen, der fünf Sprachen fließend spricht, Kommerzialrat.

Marian Wakounig ist seit einigen Jahren ehrenamtlicher Fachbeirat des SGZ. Der Jurist ist seit Mitte der 1980er Jahre in der österreichischen Bundesfinanzverwaltung in Wien tätig. Als Regionalmanager im Bundesministerium für Finanzen ist er für die Finanz- und Zollämter im Osten Österreichs zuständig. In seiner Funktion war er immer in Reform,- Organisation- und Veränderungsprozesse von großen Einheiten eingebunden, sowohl bei inländischen als auch ausländischen Finanzverwaltungen. Zudem arbeitet der Vater von zwei Kindern als Vortragender an der Universität Wien und anderen Bildungsinstitutionen sowie als Fachautor im Themenbereich Unternehmenssteuerrecht.

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