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Moser: "Innere Uhr ist der Fahrplan für den Organismus"

Sie steuert, wann wir müde oder wach sind, Hunger haben oder wie fest unser Gewebe ist – die innere Uhr. Dass sie auch maßgeblichen Einfluss auf unsere Gesundheit hat, erklärt Maximilian Moser, Leiter des Human Research Instituts für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung und Professor an der Medizinischen Universität Graz.

Maximilian Moser beschäftigt sich intensiv mit der inneren Uhr und ihrem Einfluss auf die Gesundheit. Beim Tag der Energetik wird er die Teilnehmer in dieses junge Forschungsgebiet einführen.
© KK/Moser Maximilian Moser beschäftigt sich intensiv mit der inneren Uhr und ihrem Einfluss auf die Gesundheit. Beim Tag der Energetik wird er die Teilnehmer in dieses junge Forschungsgebiet einführen.

Welche Prozesse steuert die innere Uhr?

Maximilian Moser: Nichts in unserem Körper geschieht, das nicht von der inneren Uhr gesteuert wird – ob es die Herz- oder Atemfunktion ist, die Körpertemperatur, die Festigkeit des Gewebes, der Hormonhaushalt oder die Körpergröße. Die innere Uhr ist sozusagen der Fahrplan für unseren Organismus und unsere Organe halten sich, wenn sie gesund sind, daran und arbeiten mit den anderen Organen synchron.

Was passiert, wenn die ­Abläufe gestört werden? 

Werden die Organe desynchronisiert, dann arbeiten sie nicht mehr im Einklang miteinander. Unternimmt man etwa eine Flugreise in die USA, kann man sich die De­synchronisierung so vorstellen: Wenn das Gehirn in den USA angekommen ist, ist das Herz irgendwo über dem Atlantik, die Leber in Irland und die Niere in Frankreich. Gelegentlich ist das nicht so schlimm, aber bei regelmäßigen Störungen können Krankheiten die Folge sein. 

Welche Auswirkungen hat es, wenn man ständig gegen seine innere Uhr lebt?

Schon auf einer Konferenz 2004 in Graz haben Mediziner darauf aufmerksam gemacht, dass vor allem Schichtarbeit massiv gesundheitsschädlich ist. Studien haben eine 50-prozentige Zunahme bei Brust- und Prostatakrebs ergeben sowie eine 30-prozentige Zunahme von Stoffwechselerkrankungen. Die WHO hat diese Erkenntnisse ernst genommen und
Nacht- sowie Schichtarbeit 2009 als „wahrscheinlich kanzerogen“, also krebserregend, eingestuft.

Was kann man tun, um solchen negativen Auswirkungen entgegenzuwirken?

Da wäre es vor allem wichtig, den Tagesablauf rhythmisch zu gestalten. Allerdings ist es schwierig, jemandem in einem Drei-Schicht-Betrieb einen Rat zu geben, denn man kann, wenn man mitten im Orkan ist, nicht auch noch Turnübungen machen. Was aber wichtig ist, sind regelmäßige Pausen. Nachdem der Organismus einer Eineinhalb- bis Zwei-Stunden-Rhythmik unterliegt, ist eine Pause nach spä­tes­tens eindreiviertel Stunden ratsam. Das verbessert in weiterer Folge die Schlafqualität. Der Schlaf ist ohnehin stark gefährdet, es gibt sehr viele Menschen mit Schlafstörungen, was nicht zuletzt auf die blaulastige Beleuchtung mit Energiesparlampen und LEDs in den Schlafzimmern zurückzuführen ist, die die innere Uhr durcheinanderbringen.

Wie könnte die Wirtschaft Abläufe positiv ändern?

Mein großes Anliegen an die Wirtschaft ist, die Nacht- und Schichtarbeit chronobiologisch freundlicher zu gestalten. Versuche in einem Bunker haben gezeigt, dass die innere Uhr einem 25-Stunden-Rhythmus folgt. Das könnte man in die Schichtarbeit integrieren, indem man jeden Tag eine Stunde später anfängt – das wäre wesentlich weniger schädlich. Auch eine Kernschlafzeit von zumindest zwei Stunden in der Nacht sollte erhalten bleiben. Wo möglich, sollte Schichtarbeit vermieden werden.

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