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Chefs müssen für Gäste immer spürbar sein

Der Villacher Manfred Kohl gilt als Pionier der österreichischen Tourismusberatung.
© Peter Just Der Villacher Manfred Kohl gilt als Pionier der österreichischen Tourismusberatung.

Viele von uns denken schon an die Urlaubsplanung für den heurigen Sommer. Quartieranfragen, so diese direkt gestellt werden, erfolgen mittlerweile fast ausschließlich per E-Mail. Das Anbot liegt oft schon Stunden später im elektronischen Postfach. Nur selten gibt es bereits hier einen persönlichen Kontakt. „Junge Hoteliers verschanzen sich heute viel zu oft hinter dem PC.

Die Chefs müssen für ihre Gäste spürbar sein“, erklärt Manfred Kohl. 1981 gründete der Villacher das Unternehmen „Kohl & Partner“, ein unabhängiges, privates und auf den Tourismus und die Freizeit spe-zialisiertes Consultingunternehmen mit Standorten in Österreich, Südtirol, Deutschland und der Schweiz. Warum es keine Niederlassungen in den angrenzenden Nachbarländern Italien und Slowenien gibt? „Italien ist beratungsresistent und in Slowenien denkt man, was Beratungen generell betrifft, sehr nationalistisch.“ Was Online-Plattformen angeht, so sollten Unternehmer diese als Vertriebsform nutzen. Doch, so Kohl, „sind wir eine analoge Branche, die von Mensch zu Mensch das Geschäft macht“. Daher empfiehlt er Touristikern immer wieder, Gäste nach einer Zimmer­anfrage telefonisch zu kontaktieren.

Der Wandel im Tourismus-Geschäft

Das Beratungsgeschäft hat sich seit Beginn seiner Tätigkeit sehr verändert. Eine seiner ersten Aufträge war es, die „Forelle blau“ zu kalkulieren. Mittlerweile erwirtschaftet das Unternehmen 60 Prozent seines Umsatzes mit der Beratung von Tourismusbetrieben unterschiedlichster Kategorien. Am Standort Villach, zugleich Headquarter, werden 23 Mitarbeiter in Vollzeit, davon neun Frauen, beschäftigt. Kohl: „Wir unterstützen bestehende Hotels, Kooperationsgruppen und Gastronomiebetriebe bei der Optimierung des wirtschaftlichen Erfolges.

Uns ist kein Betrieb zu klein“, unterstreicht Kohl, der bereits vielen familiengeführten Ferienbetrieben bei der Betriebsübergabe als Spezialist an der Seite stand. Die restlichen 40 Prozent des Umsatzes fallen auf touristische Destinationsentwicklungen für Orte, Regionen und Länder. „Unser Ziel ist es Räume zu schaffen, in denen sich Einheimische wohlfühlen und Gäste interessante buchbare Produkte vorfinden.“ Und auch die Nachfrage nach Schulungen ist stark angewachsen. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht jedes Unternehmen bestens ausgebildete Mitarbeiter.“ 

Im Tourismus-Kerngeschäft hat sich seit Beginn nicht viel geändert. „Der Gast hat heutzutage vom Gastgeber die gleichen Erwartungen wie vor 30 Jahren. Was sich aber stark verändert hat, ist die gesellschaftliche Entwicklung. Dazu zählt beispielsweise das Konsumverhalten der Urlauber. In den 1980er Jahren haben sich die meisten Urlauber in den Ferien körperlich erholt. Vor einigen Jahren noch waren für viele laute und schrille Erlebnisse wichtig. Heute steht das Erleben von Authentizität im Vordergrund. Regional hat mittlerweile Bio überholt.“

Nicht jeder Trend muss sein

Der Experten-Tipp zum Thema Trends: „Trends müssen zum Unternehmer selbst und auch zum Unternehmen passen. Wichtiger als sich modischen Trends zu unterwerfen, sind ­haltbare nachhaltige Entwicklungen.“

Von Beginn an war es Kohl wichtig, mit seinem Unternehmen stetig langsam zu wachsen. „Wir arbeiten seriös, unabhängig und vertreten keine Interessen, sondern sagen unsere Meinung.“ Was der Pionier der österreichischen Tourismusberatung seinen Kunden empfiehlt? „Jeder, der einen Betrieb in der Tourismusbranche führt, sollte zumindest einmal im Jahr eine Studienreise machen und laufend drei vergleichbare Mitbewerber außerhalb seines Bundeslandes beobachten.“


Interview mit Manfred Kohl, Gründer von „Kohl & Partner“

Manfred Kohl steht Tourismusbetrieben beratend zur Seite.
© Peter Just Manfred Kohl steht Tourismusbetrieben beratend zur Seite.

Was macht erfolgreich gelebtes Unternehmertum aus?

Manfred Kohl: Dass man mit Herz und Seele Unternehmer ist. Man muss schauen, dass man neben dem Standbein zumindest ein Spielbein hat, mit dem man immer wieder Neues ausprobieren kann. Und man muss sehr gut rechnen können.

Warum sind Unternehmerpersönlichkeiten wichtig für die Gesellschaft?

Unternehmerpersönlichkeiten sind dann für die Gesellschaft wichtig, wenn sie auch ein soziales Bewusstsein haben. Dass sie nämlich Teil der Gesellschaft und nicht nur ein Inselbetrieb sind. Das fehlt mir zu oft.

Was meinen Sie mit Inselbetrieb?

Unternehmer, die egoistisch sind und nur das machen, was ihnen nützt. Die Entwicklung des Ortes und der Region ist ihnen egal.
Ein Unternehmer muss sich als Bestandteil einer Gemeinschaft fühlen. 

Für welche Werte hat ein Unternehmen zu stehen?

Ein gestandener Unternehmer muss Menschen mögen und Respekt vor Menschen haben. Damit meine ich die Mitarbeiter genauso wie die Mitbewerber oder die Gegner am Markt. Als Unternehmer muss man stimmig sein. Liberal demokratische Werte im Unternehmen leben, diese aber auch in der Gesellschaft fördern.

Was sind die größten Gefahren für einen Familienbetrieb?

Eine große Fehlinvestition oder -strategie. Eine weitere Gefahr ist es, dass man vor lauter Blick auf Markt und Marketing auf die Zahlen vergisst. 

Was tun, wenn es keine Nachfolge in Familien­betrieben gibt?

Ich empfehle jedem, den Betrieb so aufzustellen, dass dieser nicht von der Nachfolge der Kinder abhängig ist. Es hat keinen Sinn, einen Jungen in den Betrieb zu zwingen. Es ist aber auch sinnlos, Junge, die engagiert sind, mit einem zu großen Rucksack auszustatten und ihnen viele Verbindlichkeiten mitzugeben. 

Ihr Wunsch an die politischen Entscheidungsträger?

Mehr Rückendeckung für die Unternehmer, damit meine ich aber nicht Förderungen, sondern mehr öffentliche Wertschätzung gegenüber den Unternehmern. Man prangert sie oft zu sehr an.

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