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Thomsen: "Flexibilität ist das Schlagwort der Zukunft"

Lars Thomsen gewährt als weltweit anerkannter Zukunftsforscher einen Ausblick auf wesentliche Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie.

Thomsen, Zukunftsforscher
© KK/future-matters „Die nächste Krise ist eine Krise der Arbeit“, ist Zukunfts- forscher Lars Thomsen überzeugt.

Das vergangene Jahr war in vielen Bereichen sehr turbulent. Lagen Sie mit Ihren Prognosen immer richtig?

Lars Thomsen: Wir erstellen Zehn-Jahres-Prognosen und 2017 ist sozusagen ein Schritt auf dem Weg. Doch es gab wirklich einige Überraschungen für uns. Den Einsatz von künstlicher Intelligenz, wie selbstfahrende Autos oder die Robotertechnik, hatten wir erst 2020 in diesem Ausmaß erwartet. Auch die Spaltung der Gesellschaft geht schneller voran als gedacht. Der Protektionismus in den USA aber auch in Europa zeigt bereits seine Auswirkungen. 

Was sind die größten Veränderungen, die uns in naher Zukunft erwarten?

Wie schon öfter in der Geschichte steht der Mensch aktuell wieder an einem Wendepunkt. War es einst der Buchdruck oder die Dampfmaschine, so ist es heute die künstliche Intelligenz, die unser Leben verändert. Diese Technologien sorgen für die größten Umbrüche und werden vor allem die Arbeitswelt revolutionieren.

Wird der Mensch als Arbeitskraft überflüssig?

Ich denke, das Bild der Arbeit wird sich stark verändern. Wenn die Automatisierung die nächste Stufe erreicht und Roboter einem Unternehmen günstiger kommen als Menschen, dann befinden wir uns an einem „Tipping Point“, der Moment, in dem es zu einem Umbruch kommt. Die Arbeitslosigkeit würde zunehmen, Steuerzahler würden zu Empfängern, der Konsum ginge zurück – eine Negativspirale, die nur auf globaler Ebene gelöst werden kann. Eine einheitliche Robotersteu-er wäre ein Ansatz.

Worin liegen die Chancen und Herausforderungen für Unternehmen?

Jede Wende hat neue Berufe und Firmen geschaffen. Diese Chance können Unternehmen für sich nutzen. Flexibilität ist dabei das Schlagwort. Es ist absehbar, dass der Robotermarkt in zehn Jahren denselben Stellenwert haben wird, wie der Automarkt heute. Wer rechtzeitig die Weichen stellt, kann also profitieren – wer weitermacht wie bisher, wird Probleme bekommen. 

Wie schätzen Sie Österreich als Wirtschaftsstandort ein?

Österreich ist ein sehr innovatives Land und hat einen gut aufgestellten Mittelstand, der proaktiv mit Veränderungen wie erneuerbaren Energien und Mobilität umgehen kann. Die wichtigste Ressource liegt aber sicherlich in der Aus- und Weiterbildung.

Wie kann es dann gelingen, die besten Mitarbeiter zu finden und zu binden?

Der demografische Wandel führt zu weniger Nachwuchs und somit  zu einer Knappheit an Talenten. Der Spieß wird sich für Unternehmen also umdrehen und die wenigen Talente werden sich ihre Arbeitgeber aussuchen. Das führt zwangsläufig zu einem Wertewandel in der Führungs- und Unternehmenskultur. Um zukunftsfit zu bleiben, sollte man offen sein für Neues und sich die Neugier eines Kindes erhalten, egal ob als Chef oder Mitarbeiter. 

Routinetätigkeiten wie etwa das Autofahren werden uns durch künstliche Intelligenz abgenommen. Nahezu jeder wird einen persönlichen Roboter zu Hause haben, der Haushaltsaufgaben erledigt oder in der Pflege zum Einsatz kommt und mit dem wir wie mit einer Person sprechen werden – „Alexa“ ist ein Vorbote dieser Entwicklung. In Wohnräumen werden Kameras installiert und emphatische Technologien steuern nach unserem Empfinden Licht und Wärme. Datenschutz wird zum Thema, aber er wird die Entwicklung nicht stoppen, da der Nutzen die Angst überwiegt.

Welche Wünsche sollen sich für Sie 2018 erfüllen?

Global gesehen wünsche ich mir, dass Europa nicht zerfällt und allgemein mehr Bewusstsein für nachhaltiges Wirtschaften und Klimaschutz – auch für ein Tourismusland wie Kärnten ist es interessant, ob es sich in 30 Jahren noch lohnt, Skilifte zu bauen.