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Müller: "Jede schlechte Situation hat zwei Seiten"

Schispringer Lukas Müller
© KK Der ehemalige Schispringer Lukas Müller ist heute ­Finanzdienstleister. Er sieht sich selbst als gutes Beispiel, dass man seine Ziele erreichen kann.

Ihr Horrorsturz am Kulm ist fast zwei Jahre her. Wie geht es Ihnen heute?

Lukas Müller: Ich habe eine inkomplette Querschnittlähmung, aber schaffe es mittlerweile, kurze Wege zu gehen: Etwa selbst aus dem Rollstuhl aufzustehen, ihn im Kofferraum meines Autos zu verstauen und dann mithilfe des Autodachs nach vorne zu kommen, um selbst einzusteigen. Das ist ein Grad der Selbstständigkeit, den man erst zu schätzen weiß, wenn man längere Zeit bei jeder noch so kleinen Bewegung auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen war.

Können Sie sich an den Sprung und Sturz erinnern?

Ja, ich weiß alles. Ich bin oben weggefahren mit dem Ziel, deutlich über 200 Meter zu fliegen, und ich habe den Absprung perfekt erwischt. Im Flug habe ich dann gemerkt, dass ich mit dem Fuß aus dem Schuh schlüpfe und versucht, kontrolliert zu stürzen. Weil der Sprung aber so gut war, bin ich aus großer Höhe abgestürzt und habe mir dabei die Halswirbelsäule verschoben. Ich habe sofort gemerkt, dass die Füße weg waren, und ich konnte mich im Auslauf auch nicht umdrehen. Da habe ich gewusst, dass es etwas Gröberes ist. Ich wusste nur nicht, ob es wegen dem Schock war, oder der Beginn einer langen Reise. Einer der ersten Sätze, die ich den Rettungskräften gesagt habe, war deshalb: „Ihr müsst bitte schauen, dass ich wieder gehen kann!“ 

Nach der Operation war die Lähmung dann Gewissheit.

Als ich aufgewacht bin, hat mein Arzt mich informiert, dass die OP gut verlaufen ist. Er hat nie
das Wort „Querschnitt“ in den Mund genommen, und ich habe ihn dann direkt gefragt. Er antwortete: „Ja, es ist eine Querschnittlähmung“, und dann hat er ein paar Sätze gesagt, von denen ich noch heute enorm profitiere: „Du musst dir bewusst sein: Das, was du jetzt noch hast, sind ein funktionierender Kopf und halbwegs funktionierende Hände. Das ist dein Startkapital und es gibt viele Beispiele, dass ein Leben im Rollstuhl gut funktioniert.“ Heute sage ich: Ich bin lieber der dritte Querschnitt­gelähmte in 200 Jahren Schispringen als der vierte Tote. Obwohl ich an diesem Tag so viel Pech hatte, hatte ich auch Glück.

Wie geht man mental mit so einer Situation um?

Mein Leben hat sich von einer Sekunde auf die andere total verändert. Das kann jedem passieren, und dessen sollte man sich auch bewusst sein. Damals am Kulm
ist eine Tür zugegangen, meine Sportlerkarriere war schlagartig vorbei. Aber es sind auch zehn andere Türen aufgegangen. Jede schlechte Situation hat zwei Seiten – wie eine Medaille. Sieht man nur die negative, ist es essenziell, die andere zu suchen. Vielleicht braucht man eine Zeit lang, vielleicht sogar Jahre. Aber ich bin davon überzeugt, dass jeder sie finden kann. Ich habe den Unfall genau analysiert und ich weiß, dass ich selbst nichts falsch gemacht habe. Es war einfach Pech, Berufsrisiko. Mittlerweile komme ich gut zurecht und lebe mein neues Leben. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht, ich habe keinen anderen Körper.

Sie sind jetzt Unternehmer – als Vortragender und Finanzdienstleister. Wo sehen Sie dabei Ihre Ziele?

Ich glaube, Vermögensberater sind heute wichtiger denn je. Ich möchte jemand sein, der anderen Leuten dabei behilflich ist, Meilensteine in ihrem Leben zu verwirklichen. Meine Einschränkung hindert mich nicht daran und ich glaube, dass ich auch ein gutes Beispiel dafür bin, dass man an Zielen arbeiten und sie erreichen kann. Dadurch, dass ich bei meinem Unfall in der Öffentlichkeit stand, habe ich heute auch die Chance, diese Bekanntheit zu nutzen und Erfahrungen in Vorträgen weiterzugeben. Dabei ist es mir wichtig, meinen Zuhörern eines klar zu machen, nämlich dass
sie das wichtigste Element in ihrem Leben schon besitzen: ihre Gesundheit. Ein gesunder Mensch hat tausend Wünsche – ein kranker nur einen: gesund zu sein.

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