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Steiner: "Ein Kriegergeist ist immer fair und konsequent"

Kaiser, Fürsten und Kaufleute, sie alle hatten früher in Japan einen Zen-Meister an ihrer Seite, den sie um Rat fragen konnten. Heute können Unternehmer selbst die Techniken der Samurai erlernen, wie Zen-Lehrer André Daiyu Steiner verrät.

Zen-Lehrer und Samurai-Coach André Daiyu Steiner
© KK Für Zen-Lehrer und Samurai-Coach André Daiyu Steiner liegt die Kraft in der Ruhe.

Was ist eigentlich Zen?

André Daiyu Steiner: Zen bedeutet übersetzt Meditation oder Versenkung. Es ist eine Lebensphilosophie und eine Praxis, um sich selbst zu entwickeln. Wenn ich in mich gehe, lerne ich meinen Geist und meine Ziele kennen, bekomme mehr Leichtigkeit, Klarheit und Kraft. Zen arbeitet mit ethischen Aspekten, hat aber keine Moral. Zen sagt nicht, was richtig oder falsch ist, sondern lässt den Suchenden selbst herausfinden, was er in seinem Herzen spürt.

Hat Zen in einer digitalen und faktenorientierten Welt überhaupt Platz?

Durch Zen haben Menschen ein Instrument, um das alles überhaupt zu meistern. Viele meiner Schüler sagen, ohne Zen wären sie längst aus dem Management ausgestiegen oder im Burnout gelandet. Es lässt einem die Dinge anders betrachten. Aber es ist kein Werkzeug zur Leistungsoptimierung, sondern es hilft, selbst wieder mehr in die Mitte zu kommen.

Was bringt den Geist so aus dem Gleichgewicht?

Der Geist hat zwei Seiten: Das eine ist ein Elefant, das andere ein Reiter. Der Elefant ist das Unter­bewusstsein, der Reiter das Bewusstsein, der Ver-stand, die Moral. Dieser versucht alles zu beherrschen, aber der Elefant funkt dazwischen. 

Ein Beispiel?

Der Reiter nimmt sich beispielsweise vor, im neuen Jahr regelmäßig ins Fitness­studio zu gehen und abzunehmen. Aber auf den Weg dorthin entdeckt der Elefant eine Konditorei und übernimmt die Kontrolle. Schon sitzt man bei der Sachertorte. Aber es ist möglich, unseren Elefanten, also den Geist, zu trainieren. 

Gerade solche Situationen können einen lange beschäftigen. 

Unser Geist hat bis zu 17.000 Gedanken pro Tag. Ein großer Teil ist einem gar nicht bewusst. Daher kann es sein, dass viele Gedanken erst in der Nacht hoch kommen, verdrängt, unterdrückt oder betäubt werden. Im Zen-Training merkt man dann, wie viel weg- fällt.

Gibt es eine SOS-Übung, um das Gedankenkarussell nach einem harten Arbeitstag zu stoppen?

Wenn Sie zehn Sekunden Zeit haben, lächeln Sie. Wenn Sie fünf Minuten haben, konzentrieren Sie sich auf die Atmung, bei zehn Minuten gehen Sie spazieren. Wenn Sie eine Stunde Zeit haben, machen Sie Sport, Yoga oder irgendetwas anderes. Mit Atmung und Achtsamkeit lernen Sie die Gedanken zu kontrollieren sowie im Hier und Jetzt zu sein.

Manchmal wäre im Job ein wenig mehr Gelassenheit gut.

Höre ich etwas, das mich ärgert, wütend oder traurig macht, dann atme ich dreimal bewusst durch und entscheide dann, ob und wie ich reagiere. Der Atem bringt Ruhe und Kontrolle über sich selbst zurück. Das ist ein unglaublich geniales Hilfsmittel.

Was verstehen Sie unter einem Kriegergeist?

Damit ist nicht gemeint, kriegerisch tätig zu sein, ganz im Gegenteil. Es geht um einen fairen Umgang mit anderen, Entscheidungen mit bestem Wissen und Gewissen zu treffen und diese auch konsequent umzusetzen.

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