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Matzler: "Wir brauchen mehr Mut zum Risiko"

Unternehmen müssen sich der Herausforderungen der Digitalisierung bewusst werden, ist Wirtschaftsprofessor Kurt Matzler überzeugt. Am Aktivtag in Pörtschach spricht er darüber, was Führungskräfte vom härtesten Radrennen der Welt lernen können.

Kurt Matzler plädiert für eine neue Kultur, um die Innovationsfähigkeit der Unternehmen zu entfesseln.
© KK Kurt Matzler plädiert für eine neue Kultur, um die Innovationsfähigkeit der Unternehmen zu entfesseln.

Was versteht man unter digitalen Disruptionen?

Kurt Matzler: Mit Disruption meinen wir neue Produkte oder Geschäftsmodelle, die alte oder bestehende ablösen. Jede Branche ist von der Digitalisierung betroffen, in vielen sind die Veränderungen grundlegend. In der Regel sind es Neueinsteiger und Start-ups, deren disruptive Geschäftsmodelle Branchen verändern oder gar überflüssig machen: Netflix, Uber, Amazon, Tesla, Airbnb sind nur ein paar Beispiele. 

Wie verändert die digitale Transformation unsere ­Unternehmen?

Wir sehen drei große Einfluss­bereiche: Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen, von Prozessen und Entscheidungen sowie von Geschäftsmodellen. Zum ersten Bereich: Es gilt der Grundsatz, dass alles, was digitalisiert werden kann, digitalisiert wird. Selbst die trivialsten Produkte werden mit Sensoren ausgestattet, diese Sensoren sammeln Daten und mit diesen Daten werden digitale Services angeboten. Die nächste Ebene der Digitalisierung stellt die Automatisierung von Prozessen und Entscheidungen dar. Industrie 4.0, Big Data, Algorithmen und künstliche Intelligenz sind hier die Schlagworte. Und die dritte Ebene sind neue digitale Geschäftsmodelle. Hier sind es vor allem Plattformen, die viele Branchen verändern werden.

Gibt es eine Überlebens­strategie?

Ein erfolgreiches Digitalisierungsprojekt beginnt beim Kunden. Welches Problem des Kunden lösen wir und wie können wir das digital noch besser machen? Dann sollte man das gesamte Geschäftsmodell durchleuchten: Welche digitalen Technologien helfen mir, den Kundennutzen zu steigern oder die Effizienz zu erhöhen? Wer nicht in ganzen Geschäftsmodellen denkt, produziert Insellösungen! In diesem Prozess ist es sehr hilfreich, sich zu öffnen und Ideen von ­außen zu holen. Auch Kooperationen mit Start-ups können helfen. 

Ihrer Meinung nach sollten die Unternehmen sich die Frage stellen: „Was würde ­Silicon Valley tun, wenn es meine Branche zerstören wollte?"

Nach wie vor sind sich viele Unternehmen der disruptiven Gefahren gar nicht bewusst! Viele Vorstandchefs reisen zurzeit ins Silicon Valley, um sich dieser Frage
zu stellen. Denken in Risiken kann zunächst sehr hilfreich sein. Es macht sensibel für die Gefahren, zeigt disruptive Bedrohungen auf und mobilisiert. Das größte Risiko, um mit Marc Zuckerberg zu sprechen, ist es, kein Risiko einzugehen: „Disrupt or be disrupted!“ Um sich selbst zu erneuern – und zwar rechtzeitig – müssen Unternehmen Bereitschaft zeigen, sich selbst zu zerstören, zumindest gedanklich, bevor es andere dann physisch tun. Das schließt die Bereitschaft mit ein, eigene Produkte, eigene Dienstleistungen oder gar das eigene Geschäfts­modell zu kannibalisieren. 

Hat Europa im Bereich der digitalen Transformation überhaupt eine Chance?

Die erste Runde ist tatsächlich ans Silicon Valley gegangen. Wir haben aber eine gute Chance auf die zweite Runde. Die erste Runde der Digitalisierung waren Lösungen für Konsummärkte. Die zweite Runde ist die Digitalisierung der Industrie. Das nächste große Ding ist das Internet der Dinge. Da haben wir etwas, was Silicon Valley nicht hat: Wir haben die Industrie vor Ort, wir haben operative Exzellenz. America hat das Internet, wir haben die Dinge. Daher glaube ich, wird die zweite Runde an uns gehen. Wir müssen die industrielle Kompetenz nutzen.

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