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Kohl: "Sinn und gute Führung schaffen Mitmacher"

Walter Kohl, Unternehmer, Autor, Coach und Sohn des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers, weiß, wie man souverän führt und machtvoll kommuniziert.

Seine Lebenskrise hat Walter Kohl zur Erkenntnis ­gebracht, andere Menschen auf ihrem Weg zu mehr Lebensfreude begleiten zu wollen.
© Eidenmüller Seine Lebenskrise hat Walter Kohl zur Erkenntnis ­gebracht, andere Menschen auf ihrem Weg zu mehr Lebensfreude begleiten zu wollen.

Sie begleiten Firmen auf ihrem Weg zu mehr Erfolg und Nachhaltigkeit. Was gilt es hier zu beachten?

Walter Kohl: Am wichtigsten sind die Kundenorientierung und die -zufriedenheit. Warum kauft welcher Kunde was vom Unternehmen und wie kann die Beziehung möglichst langfristig gestaltet werden? Ziel einer Firma sollte nicht nur der Auftrag, sondern vor allem der Wiederholungsauftrag sein. Dazu müssen Strategie, Unternehmensprozesse, technische Ausstattung, Kompetenzen, Innovation, Führung und kaufmännische Steuerung permanent weiterentwickelt werden. Denn nachhaltig erfolgreiche Unternehmen hinterfragen sich und sind lernende Organisationen.

Worauf sollte man bei der Mitarbeiterführung besonders achten?

Fordern und fördern und das in einem gesunden Verhältnis. Führung heißt Richtung vorgeben, aber auch Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen. Wer führt, wird genau beobachtet und sollte daher ein Vorbild in Haltung und Pflichterfüllung sein. Jeder Mensch ist anders. Deshalb müssen Mitarbeiter individuell geführt werden.

Wie wird Kommunikation machtvoll und wirksam?

Wenn sie authentisch, ehrlich und klar ist. Kommunikation sollte nicht mit Rhetorik oder guter Präsentation verwechselt werden, auch wenn diese Mittel wichtig und hilfreich sein können. Kommunikation wird machtvoll und wirksam, wenn sie den ganzen Menschen an-spricht, also Herz und Verstand gleichermaßen.

Wie werden aus Mitarbeitern aktive Mitmacher?

Menschen werden aktiv, übernehmen Verantwortung und wachsen sogar über sich hinaus, wenn sie Sinn in ihrem Tun empfinden. Sinnstiftung ist meiner Meinung nach eine zentrale Führungsaufgabe. Wenn sich Sinn und gute Führung verbinden, wenn machtvolle Kommunikation mit dem Leitbild des „Fordern und fördern“ verschmelzen, dann können Mitarbeiter zu Mitmachern werden.

Inwiefern hat sich die Unternehmenskultur in den vergangenen Jahren verändert?

Ich denke, die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn jedes Unternehmen ist anders. Wohl aber haben Globalisierung, Digitalisierung, hohes Wandlungs- und Innovationstempo sowie sich wandelnde gesellschaftliche Werte einen erheblichen Einfluss auf die meisten Unternehmen. Diese Einflüsse gilt es im Einzelfall zu verstehen und zu Erfolgsfaktoren zu machen.

Sie sagen, die wichtigste ­Beziehung ist jene zu sich selbst. Worauf kommt es hier an?

Wie will man gute Beziehungen mit anderen Menschen pflegen, wenn man mit sich selbst nicht im Reinen ist? Ich denke, dass jeder Mensch die Aufgabe hat, in Frieden mit sich zu leben und Sinn für die Zukunft zu finden. Aus biografischem Frieden und Sinn können dann Stärke und Wirksamkeit für die Gestaltung der Gegenwart erwachsen.

Mit Ihrer eigenen Lebensgeschichte (Tod der Mutter, Beziehungsbruch durch den Vater) wollen Sie anderen Mut machen. Was empfehlen Sie jemandem, der sich in einer Lebenskrise befindet?

Menschen in der Krise möchte ich drei Gedanken anbieten: Ers­tens finde neue Wege, die Realität zu akzeptieren, auch wenn sie schmerzhaft ist. Verliere dich nicht in Gedanken wie „das ist ja unglaublich“ oder „das hätte ich nie gedacht“. Zweitens erkenne, dass deine bisherigen Glaubenssätze dich in eine Sackgasse geführt haben, und suche neue Antworten jenseits deines bisherigen Denkens auf diese neuen Herausfor­derungen. Drittens sapere aude! Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen, ganz im Sinne von Immanuel Kant.

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