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Knutzen: "Digitalisierung gehört jetzt zur Kulturtechnik"

Die Digitalisierung verändert alles. Auch die Bildung. Welche Rolle dabei künftig Universitäten spielen und was das für die ­Wirtschaft bedeutet, erklärt der Wissenschafter Sönke Knutzen von der Technischen Universität-Hamburg.

Wie man sich in der digitalen Welt bewegt und mit der Fülle an Daten umgeht, ist für Sönke Knutzen ein großer Lernbereich - für Unternehmen und Universitäten.
© KK/Verena Brüning Wie man sich in der digitalen Welt bewegt und mit der Fülle an Daten umgeht, ist für Sönke Knutzen ein großer Lernbereich - für Unternehmen und Universitäten.

Braucht es in Zukunft überhaupt noch ein Technik­studium?

Sönke Knutzen: Eine gute Frage, es gibt möglicherweise Felder, wo man es nicht unbedingt braucht. Einer der Hauptgründe, warum komplexe Studien wie Ingenieurswissenschaften abgebrochen werden, liegt an der Komplexität des Faches. Mathematik und Mechanik sind sehr anspruchsvoll und schwierig. Dazu kommt ein hoher Abstraktionsgrad. Deshalb sollte die Theorie praxisnäher ausgebildet werden. Das machen wir bei uns bereits. 

Und die Studierenden sind heterogener geworden?

Ja, man muss sie einfach besser an die Hand nehmen. Unterschied­liche Studierende haben unterschiedliche Voraussetzungen und Schwerpunkte im Studium. Deshalb sollte man nicht ein Studium von der Stange anbieten, sondern dieses auch viel individueller gestalten. 

Ändern sich die Aufgaben der Universitäten?

In der Vergangenheit haben sich Universitäten stark darüber definiert, dass sie Wissen bereitgestellt und vermittelt haben. Aber der Zugang zum Wissen ist nicht mehr das größte Problem in unserem Jahrhundert, sondern eher die Frage, wie man mit einer unüberschaubaren Anzahl von verfügbaren Informationen souverän umgehen kann. 

Was heißt das konkret für Universitäten?

Die Wissensvermittlung wird weiter eine Rolle spielen, aber der Schwerpunkt der Universitäten wird sich stärker in Richtung Methodik, Lernstrategien und konstruktives Bewusstsein entwi­ckeln. Es geht darum, dass man weiß, wie man in einer komplexen Welt die richtigen Antworten findet und die richtigen Fragen stellt. Und Kompetenzen erlernt, um in einer digitalisierten und schnelllebigen Arbeits- und Lebenswelt gut zurecht zu kommen. 

Und der Unterricht wird digitaler?

Wir haben uns viele Jahre damit beschäftigt, ob Smartphone- oder Smartboard-Klassen das Lernen besser machen oder nicht. Darüber gibt es unterschiedliche Studien. Aber man muss zur Kenntnis nehmen, dass Digitalisierung inzwischen zu einem Alltagsgegenstand geworden ist. Das gehört zur Kulturtechnik. Deswegen muss man solche Kulturtechniken auch im Unterricht einbauen. Gleichzeitig ist es wichtig, den sozialen Prozess beim Lernen nicht zu unterschätzen.

Was geben Sie Unternehmen mit auf den Weg?

Haben Sie keine Angst vor der Entwicklung, denn Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Schauen Sie lieber mit offenen Augen, wo Sie selbst mitgestalten können. Verantwortung übernehmen. Überlegen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Das gilt nicht nur für Industrieunternehmen. Das können auch Mittelständler und kleine Handwerks­betriebe.

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