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Groth: "Wissen hat langfristig die Nase vorn"

Wie Unternehmen mit Wissenslücken umgehen sollten und wie wichtig eine offene Lernkultur für die Zukunft ist, erklärt Lerncoach Susanne Groth.

Lerncoach Susanne Groth berät Unternehmen, wie sie die Selbstlernkompetenz ihrer Mitarbeiter erhöhen können.
© KK/Groth Lerncoach Susanne Groth berät Unternehmen, wie sie die Selbstlernkompetenz ihrer Mitarbeiter erhöhen können.

Die meisten haben einen Schulabschluss, eine Berufsausbildung oder ein Studium. Reicht das nicht? 

Susanne Groth: Das würde man denken und früher hat das auch so funktioniert. Aber heute verändern sich die Jobs so schnell, dass man sich auf Neues schnell einstellen muss. Veränderungsfähigkeit ist gefragt. Ausbildung und Studium sind da oft nur die Basis. 

Stichwort „Lebenslanges Lernen“ – was bringt das?

Als Einzelperson wird man für einen Arbeitgeber attraktiver, wenn man Initiative zeigt, sich weiterzubilden. Lernkompetenz, Verlässlichkeit und Wachstum sind ganz klar positive Eigenschaften. Als Unternehmen kann man nur mit innovativen Mitarbeitern weiterkommen.

Wie wichtig ist Wissen oder auch Mehr-Wissen in einer globalisierten Welt? 

Man muss nicht mehr wissen, aber man muss wissen, wo man etwas findet, und Verknüpfungen herstellen können. „Wissen ist Macht“ ist eine sehr isolierende Einstellung – wichtiger sind Zusammenhänge und Recherche. Und das gilt für alle Branchen: Wachstum und Entwicklung gibt es überall. Auch beim Frisör erwartet der Kunde sich die neues­ten Schneide- und Färbetechniken oder einen Zeitvorteil.

Warum müssen wir Wissens­lücken schließen, um nicht abgehängt zu werden? 

Den Chef, derdurch das Büro läuft und genau weiß, was welcher Ar-beitsplatz braucht oder abverlangt, den gibt es heute nur noch selten. Jeder Mitarbeiter muss selbst einschätzen, welche Fähigkeiten er für die Erledigung seiner Arbeit benötigt. Die Wissenslücken gilt es dann selbst zu schließen, auch dabei kann der Chef nicht direkt helfen. 

Wie motiviere ich Mitarbeiter, sich weiterzubilden? 

Die Lernkultur in Unternehmen ist abhängig von den Chefs. Wer meint, es gibt kein Geld oder keine Zeit für Weiterbildung, und selbst auch nichts macht, wird das so an seine Mitarbeiter weitergeben. Chefs müssen Vorbilder sein!

Lohnt es sich, einem Mitarbeiter während der Arbeitszeit Lernzeit einzuräumen?

Langfristig gesehen auf jeden Fall. Als Beispiel die große Entlassungswelle in Deutschland rund um die Wirtschaftskrise: Eine Firma, die ihre Mitarbeiter nicht entlassen, aber die Löhne gekürzt hat. Immerhin waren Aufträge und Arbeit knapp. In der Zeit wurde auf Weiterbildungen gesetzt und die Dienstleistung optimiert. Heute gehört ebendiese Firma zu den Top-Betrieben ihrer Branche. Das zeigt, wer früh auf Weiterbildungen setzt, hat langfristig die Nase vorne.

Wie schaffen Unternehmen eine lernfreundliche Atmosphäre?

Auch hier ein Beispiel: Ein Mitarbeiter muss in einem Tabellen­programm eine bestimmte Formel einfügen und sucht im Internet nach einem Anleitungsvideo. Kommt der Chef jetzt am Bildschirm vorbei und unterbricht den Mitarbeiter verärgert bei seiner Weiterbildung, wird dieser nie wieder versuchen, ein Problem so zu lösen, dabei wäre das eine gute Idee. Solange Unternehmen eine Haltung vertreten, bei der nicht über den Tellerrand geschaut werden darf, werden Mit­arbeiter demotiviert. Bei Adidas oder Google etwa hat jeder Mitarbeiter ein Stundenkontingent Lernzeit. In dieser Zeit beschäftigt sich jeder mit Dingen, die er für seinen Job dazulernen möchte oder muss. Das sind natürlich große Konzerne, aber auch kleine Unternehmen müssen verstehen, dass sie überholt werden, wenn sie stehen bleiben. Und nicht nur für die junge Generation ist diese Möglichkeit der Weiterbildung ein wichtiger Entscheidungsfaktor auf dem Arbeitsmarkt.

Top-Mitarbeiter sind ein Gewinn fürs Unternehmen. Wie halte ich das Wissen im Unternehmen?

Das Wissen älterer oder erfahrener Mitarbeiter ist wertvoll. Ein Wissenstransfer sollte frühzeitig angeregt werden. Menschen lernen voneinander, im Austausch. Oft sind Erfahrungen auch nicht so einfach niederzuschreiben, sondern müssen erzählt werden. Außerdem gibt es technische Mittel, Wissen zu halten.