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Audretsch: "Neue Ideen sind die Währung, die jeder haben will"

Europa blickt ein wenig neidisch ins Silicon Valley und wünscht sich auch so innovative Regionen. Was es dazu alles braucht, weiß der renommierte Ökonom David B. Audretsch aus den USA.

Bei einem Expertengespräch in Klagenfurt tauschte sich David B. Audretsch mit Kollegen und Unternehmern über Innovationsmanagement aus.
© Marion Lobitzer Bei einem Expertengespräch in Klagenfurt tauschte sich David B. Audretsch mit Kollegen und Unternehmern über Innovationsmanagement aus.

Was verstehen Sie unter regionalem Innovationsmanagement?

David B. Audretsch: Für mich ist regionales Innovationsmanagement eine Art des Denkens, eine Mentalität. Was wir heute machen, soll verbessert und nicht unbedingt wiederholt werden für morgen. Es geht um Umsetzung von Ideen mit den Ergebnissen Innovation und Leistung. Oder anders: Das Gegenteil von regionaler Innovation ist immer dasselbe, keine Verbesserung. Hin­gegen Innovation heißt, Neuigkeiten einzuführen.

Silicon Valley gilt dafür als Vorbild. Wie hat die Region das geschafft?

Es ist gut, wenn man Silicon Valley versteht und bewusst einiges davon mitnimmt, zum Beispiel die Bedeutung von Forschung und Entwicklung. Neue Ideen sind die Währung. Das heißt, man braucht zwei Dinge: Talente, Humankapital mit Ideen und Unternehmer, die bereit sind, etwas mit den Ideen zu machen. Silicon Valley hat beides.

Die Erfolgsfaktoren für ein regionales Innovations­management sind?

Es braucht gut ausgebildete ­Menschen und Finanzierungsmöglichkeiten für kleine und mittelständische Unternehmen. Und man muss das Image eines Standortes pflegen. Die Außenwelt muss eine positive Vorstellung vom Standort haben, damit Facharbeiter und Firmen dort hingehen wollen.

Damit fällt der Standortpolitik eine gewichtige Rolle zu.

Innovation kann man weder befehlen noch erzwingen, aber man kann Rahmenbedingungen dafür schaffen. Die Aufgabe einer Standortpolitik wäre, diese Rahmen­bedingungen für innovatives Handeln zu schaffen. 

Woher kommen neue Ideen?

Auf der einen Seite direkt aus den Betrieben, zum Beispiel durch ihre Erfahrung und ihre gut ausgebildeten Mitarbeiter. Aber auch außerhalb der Betriebe kann Innovatives entstehen, zum Beispiel in Universitäten, Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Deshalb müssen beide zusammen arbeiten und handeln. 

Die Rolle der Universität hat sich geändert?

Ja. Früher war eine Universität eine Nebensache für eine Stadt, eine Region oder einen Standort. Sie hat wenig mit der Wirtschaft zu tun gehabt. Heutzutage ist das aber anders. Eine Universität kann ein wertvoller Partner für die Wirtschaft sein. So kann Forschung und Entwicklung für die Betriebe an der Universität stattfinden, aber auch Unternehmergeist und Weltoffenheit kann sie fördern. 

Unternehmergeist kann ­gelehrt werden?

Lange dachte man, Unternehmergeist sei eine Eigenschaft. Ent-weder jemand hat sie oder eben nicht. Jetzt denkt man das Gegenteil. Unternehmergeist kann gelehrt und gelernt werden. Es ist eine Tätigkeit – man hat Ideen und setzt sie um. 

Wie ist Ihr Eindruck vom Standort Klagenfurt?

Der Standort bietet sehr viel, in erster Linie Lebensqualität. Für Menschen, die aktiv in der Natur sein wollen, ist das ein großer Anreiz. Die Universität hat sehr gutes Niveau. Und ich denke mir, man könnte sich in der Bewerbung des Standortes mehr Mühe geben. Noch ist Kärnten ein Geheimnis in Europa. Eine stärkere Verbindung mit der Außenwelt hätte positive Auswirkungen. Die Möglichkeiten liegen nicht im Binnenmarkt, sondern im Ausland.

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